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Was wir Wirklichkeit nennen, gestaltet sich über ein mehrdimensionales Beziehungsgeflecht, in welchem sich alle mikro- und makrokosmischen Phänomene ergeben. Materie existiert als solche nicht. Sie manifestiert sich in unserer Draufsicht als Informationskonstrukt/-paket, mit dem wir interagieren.
Das eigentliche Substrat des Daseins ist Bewusstsein… Geist…Seele… Liebe… Gott… Die Begrifflichkeiten eiern um das Wesentliche herum, ohne es völlig zu erfassen. Das Wesentliche entzieht sich hartnäckig in die Unbestimmbarkeit.
Ein vom Materialismus geprägter Blick auf die Wirklichkeit zeigt uns lediglich eine Oberfläche ohne Deutung und Sinn. Wir erkennen Strukturen, Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten ohne Verständnis für das Ganze. Wir blicken in relativ begrenzte Ausschnitte des Weltgefüges. Der Materialismus verliert sich im Detail bis zur völligen Unsinnigkeit. Der Materiebegriff löst sich auf.
Mein Ansinnen: Wir sollten mehr mit dem Herzen und weniger durch Mikroskope und Teleskope sehen. Die Welt ist kein Bausatz. Sie ist nicht mit dem Verstande zu begreifen. Keine noch so monströse KI wird uns die letzten Antworten liefern. Es wird immer eine unbestimmbare Unbekannte in der Gleichung verbleiben.


Endlösung

Auf allen Kontinenten entstanden neue Lager. Zum Schutze der Bevölkerung, sagte man. Man müsse sich vor jenen Subjekten schützen, die unbelehrbar die Pandemie leugneten und sich nicht impfen ließen. Quertreiber und -denker könne man in der angestrebten „Neuen Welt“ nicht brauchen. Schließlich ging es um nichts Geringeres als um das Überleben der Menschheit. Wer dabei nicht mitmachen wolle, der müsse mit Konsequenzen rechnen. Lange genug habe man an die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein appelliert. Nun sei es an der Zeit zu handeln.

Man sperrte uns zusammen mit Terroristen und Schwerverbrechern. Viele brachen nach kurzer Zeit zusammen und bettelten um Gehör. Sie seien geläutert und würden alles machen, wenn man sie nur herausließe. Und sie erhielten ihre Chance, kamen in sogenannte Umerziehungslager. Wir wurden immer weniger. Von dort lässt sich bestimmt leichter fliehen, meinten einige. Wir gehen zum Schein darauf ein, und draußen führen wir unseren Kampf fort, meinten andere. Ob sie ihren eigenen Worten glaubten, mag ich nicht beurteilen.

Ich hatte mir meinen Lebensabend anders vorgestellt. Ich dachte an „Papillon“, der nicht aufgab und dem letztlich die Flucht in die Freiheit glückte. Aber in welche Freiheit könnte ich wohl fliehen? Zudem hatte ich nicht das Format eines Papillons. Vielleicht wachte die Menschheit irgendwann auf. Die Nazis wurden schließlich auch besiegt. Vielleicht musste erst eine neue Generation heranwachsen, die mutig genug war, gegen das Weltbild ihrer Väter zu rebellieren… Meine Zeit war abgelaufen.

 

Es war gestern und ist doch heute (13)

Ein Toter erregt sich zum wiederholten Mal

Gegenwärtige Endzeit!
Gegenwärtiger denn je


Die Menschen anonym
Hinter Mauern ihrer Zugehörigkeiten
Der Sumpf der Verflechtungen verschluckt sie
Mit einem Gurgeln:
All die kleinen Arschlöcher
Zwischen Politik, Wirtschaft, Kapital und Größenwahn
Taumeln trunken auf und ab
In tausend Herden
Sie spielen mit Zahlen und Statistiken
Der Wahnsinn steckte schon lange in ihren Köpfen
Sie lernten das Nachäffen
Das Nachäffen wurde ihre zweite Natur
Ihr Glück zum Anstrich
Bitte, ganz nach Belieben übermalen!
Oh! scheiß Leere in mir
Du verhinderst mein kleines Glück
Es blättert schneller ab, als ich pinseln kann

Gegenwärtige Eiszeit!
Gegenwärtiger denn je


Die Sehnsucht wächst wie wahnsinnig
Lässt mir nur Fugen, in die ich mich zwänge
Ich verkrieche mich wie ein verängstigtes Kind
Mein Blick starrt in mich hinein
Und da ist nichts als Sehnsucht:
Sie kriecht durch meinen Körper
Bis alle meine Glieder regungslos liegen
Meine Gedanken verflüchtigen sich wie Wasserdampf
Und mein Herz?
Mein Herz verloren im Moment

Gegenwärtiges Marionettendasein!
Gegenwärtiger denn je


Zitiert die Liebe in Sprechblasen und verschnürt sie
Zu Paketen nützlichen Seelenheils
Die bedingungslose Leidenschaft steht dem Glück im Wege
Ein netter Mensch zu sein – „DER NETTE MENSCH“
Oh! halte mir die netten Menschen vom Leib!
Bevor ich mich vergesse
Ihre Charaktere lassen sich wie Zinnsoldaten
In Blei gießen
Sie funktionieren wie winzige Zahnräder eines Uhrwerks
Von dem sie nur das „TICK-TACK“ begreifen
Ihre Existenz verpufft
Wie ein Staubpilz unter meinem Fuß
Diese netten Menschen hangeln sich durchs Leben
Wie Affen von Banane zu Banane
Und sind sie endlich alt
Bleiben Trümmer
Trümmer, Trümmer, Trümmer!

Gegenwärtig quäle ich mich
Gegenwärtig quäle ich mich mehr denn je


Über das betonharte Pflaster ihrer blendenden Gesellschaft


(ca. 1990)


Der Tag wird kommen

Nachdem wir unzählige Weltuntergänge verpassten, wird ein Tag kommen, an dem es wirklich so weit ist. Ebenso wie der individuelle Tod eines jeden Lebewesens von Stunde zu Stunde näher rückt – die Sanduhr des Lebens läuft unweigerlich ab. (Wer versteht den Sinn dahinter?) Die Menschen flüchten in Religion und Ideen. Pflanzen und Tiere suchen nicht nach einem Sinn. Das Muster ist immer dasselbe: Geburt – Wachstum – Reife – Fortpflanzung – Vergehen. Evolution durch Rivalität, Auslese, Überlebenskampf, Anpassung. Die Natur braucht keine ordnende Hand – sie trägt alles in sich. Die Natur braucht keine Gesetze und keine Moral. Sie existiert selbstverständlich.
Nur wir Menschen entwickelten unsere ganz eigenen Ideen, durchschnitten die Nabelschnur zu unserer Allmutter. Wir entwickelten Sprache, Bewusstsein, Geist, Technik… Und da gibt es die einen, die Bewusstsein und Geist als ein Geschenk ansehen, in Frieden mit sich und ihrer Umwelt leben wollen; und es gibt die anderen, die in ihrem Größenwahn Kriege gegen die Natur und gegen sich selbst führen. Deren Gier kennt keine Grenzen. Sie glauben, dass sie alles beherrschen können. Dieser Menschenschlag hat sich im Zeitalter des Materialismus und Kapitalismus durchgesetzt.
Der Wahnsinnige wird sein Ende finden wie alles andere auch. Aber mit dem Unterschied, dass der Wahnsinnige in Unfrieden und Unverstand auf sein Ende zusteuert. Dass er zuvor die Hölle auf Erden erzeugt.

   

Es war gestern und ist doch heute (12)

Kängurus trinken Havana

Wer reitet zu später Stund durch die Nacht?
Es ist der Tiger auf seinem Bike…
Ich denke immer mal über das Leben nach
in der Küche.
Es ist viel zu kompliziert.
Die Moderne reißt dem Menschen den Arsch auf.
Wir sind heute pränatal
unselbstständig.
Wir können ohne den ganzen Scheiß gar nicht mehr leben.
Ihr wisst schon, welchen Scheiß ich meine.
Wir erleben einen Weltuntergang zweiter Klasse,
wenn das Klopapier alle ist,
oder das Auto nicht anspringt.
Wir mutierten zu Hybridwesen,
zu Maschinenmenschen.
Wir funktionieren wie Maschinen.
Wenn etwas kaputt ist, lassen wir uns von
den Weißkitteln reparieren.
Und wenn wir durchdrehen, mischt sich der Seelenklempner ein:
„Sie fühlen sich als Känguru?“
„Nein, eigentlich als Tiger.“
„Seit wann haben Sie das Gefühl, ein Tier zu sein?“
„Ich kann mich nicht erinnern. Es muss schon lange her sein.“
„Wie viel trinken Sie?“

Manche Antworten spare ich mir, sonst muss ich noch mehr trinken.


(14.05.2009)

Es hilft nichts

Lebbe geht weiter – es tröpfelt vor sich hin, Tag für Tag… In manchen Orten Deutschlands wurden die Menschen aus ihrem Alltag gewaltsam herausgerissen. Das Leben verdichtete sich zu Momenten der Verzweiflung und Todesangst. Straßen, Autos, Häuser mit Mann und Maus versanken in den Fluten, wurden von den Wassermassen fortgerissen. Viele Menschen verloren nicht nur Hab und Gut, sondern auch ihr Leben.
Einmal mehr wird uns bewusst, dass das Leben lebensgefährlich ist. Es kann keine 100%ige Sicherheit vor Naturgewalten und Krankheiten geben. Zu viele leben in dem Irrglauben, dass mithilfe von Wissenschaft und Technik alles kontrollierbar sei und sitzen dabei dem faustischen Wahn auf. Selbst an sich gute Vorsätze werden durch die Allmachtsfantasien des Menschen zum Wahnsinn. So gereichen Errungenschaften von Wissenschaft und Technik uns niemals nur zum Guten. In der Geschichte zeigt sich stets die Janusköpfigkeit des Menschen. Er will das Gute und schafft dabei das Böse (– im Gegensatz zu Mephistopheles in Goethes Faust).
Ich will niemals meine Freiheit als Mensch für vermeintlich mehr Sicherheit aufgeben. Ich will nicht den Verführungskünsten eines Mephistopheles auf den Leim gehen… Egal, ob er als Kapitalist, Technokrat, Politiker, Priester oder Ideologe daherkommt.
Im zarten Alter von 16 schrieb ich meiner ersten großen Liebe folgendes Gedicht:

So seicht, so zart im Scheine einer Kerze
Träume ich von einem Sinn
Ohne Eile, Angst und Hetze
Will ich wissen, wer ich bin
Immer dieses Suchen und Erstreben
Das will ich nicht
Was ich will, ist leben
Einfach so im Kerzenlicht

Damit ist alles gesagt – bis heute. Ich stand schon immer auf Kriegsfuß mit unserer durch und durch technokratischen Welt, welche den Menschen entmenschlicht und zu einem Teil einer monströsen Maschinerie werden lässt. Ich wollte dabei nie mitmachen.

  

Sommer, Fußball und Politik

Regenbänder ziehen seit Tagen über Stadt und Land. Der Sommer dümpelt vor sich hin. Die Homeoffice-Pflicht wurde aufgehoben. Die Büros füllen sich wieder. Die Stadien füllten sich im Zuge der EM. Frenetischer Jubel bei den Gewinnern, Tränen bei den Verlierern. In den Nachrichten immer noch Angstmache. Wehe, wenn die Delta-Variante zuschlägt. Die Impfkampagne erreicht zu wenige – mich übrigens auch nicht. Politik und Medien sollten sich an die indianische Weisheit halten „Wenn ein Pferd tot ist, dann steig ab“…
In 11 Wochen ist Bundestagswahl. Eine neue Regierung muss sich formen. Der Souverän wird an die Wahlurnen gerufen. Erstaunlich wenig an Wahlkampf ist im Gange. Als wäre das Ergebnis Schwarz-Grün bereits in Stein gemeißelt. Irgendwie will man das angeschlagene „Corona-Schiff“ hinüber in die nächste Legislaturperiode retten. Jetzt nur nicht das Wahlvolk durch inhaltliche Auseinandersetzungen verunsichern… Schließlich lauert der böse Wolf AfD nur auf Gelegenheiten, um Stimmen von den etablierten Parteien abzugreifen. Lieber weiter auf die bisherige Angst- und Schwarzweiß-Politik setzen. Unbequeme Wahrheiten dürfen nicht aufploppen. Kritiker werden geschasst oder isoliert. Die Taktik kennen wir auch im Fußball: Die führende Mannschaft mauert und verzögert den Spielablauf, um das Ergebnis bis Spielende zu halten. Man zittert sich zum Sieg. Nicht immer gewinnen die besseren. Der Frust kann groß sein.
Am Sonntag das EM-Endspiel „Italien – England“. Necip wird vor der Kupferkanne noch mal den Grill anwerfen. „Zum Abschluss der EM“, sagte er mir. Ich wünsche ihm Glück mit dem Wetter. Natürlich werde ich auch dort sein… zumindest am Nachmittag. Warum werden solche Top-Spiele eigentlich erst 21 Uhr angepfiffen?! Seit wann ist das so?

Erschöpft

Ich befinde mich seit geraumer Zeit in einem Erschöpfungszustand. Die physischen Symptome sind Müdigkeit, Schwäche/Mattheit, Trägheit – die psychischen Symptome Antriebslosigkeit, Depression, Angst, Stumpfheit/innere Leere. Es ist wie durch Morast waten. Jeder Schritt ein Kraftakt, wo andere leichtfüßig daherkommen. Nun bin ich seit jeher eine eher schwermütige Seele und gewöhnte mich an die damit verbundenen Schwierigkeiten im sozialen Zusammenleben und an die Last im persönlichen Empfinden sowie im Geiste… Auch als unverbesserlicher Grübler und Zweifler war ich doch im Grunde dem Leben gegenüber immer positiv eingestellt. All die Lebensfreude, die ich erleben durfte, vor allem in der Liebe oder in anderen innigen sozialen Bindungen, ebenso meine Faszination am Mysterium Dasein/Leben/Universum halfen mir stets wieder auf die Beine. Man könnte fast sagen, dass ich die Lebenskunst beherrschte, mich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen… with a little help from my friends. Diese kleine Hilfe soll man nicht unterschätzen, wie ich besonders in den letzten Jahren feststellen musste. Ein Leben alleine ist ungeheuer kräftezehrend, selbst wenn man wie ich eine ausgeprägte eigenbrötlerische Seite hat.

In der vergangenen Woche rebellierte mein Körper: Gliederschmerzen, Fieber… Kurz: Ich war platt! 36 Stunden lang verließ ich das Bett nur zum Pinkeln. Vielleicht hätte ich besser noch länger im Krankenstand verharren sollen, aber krank sein kann man nicht wirklich genießen, wenn da niemand ist, der sich sorgt und einen verwöhnt.

    

Die Rattenfänger

Die Rattenfänger hatten ihm nach und nach all seine Träume ausgetrieben. Erwachsensein heißt nichts anderes, als seine Träume an der Garderobe abzugeben und brav in der Vorführung zu sitzen – zu lachen, wenn man lachen soll, und zu klatschen, wenn man klatschen soll. Wer nicht mitmacht, riskiert ärgerliche Blicke. Und wer gar an der unrechten Stelle lacht oder klatscht, wird nicht selten des Platzes verwiesen. Er verstand schnell, dass Erwachsensein nicht mehr viel mit Spaß zu tun hatte. Es ging fortan um hehre Begriffe wie Pflichtbewusstsein und Verantwortung. Die Rattenfänger hatten ganze Arbeit geleistet. Generation für Generation wurden nach dem gleichen Muster erzogen. Der Vater sagte: „Solange du deine Füße unter meinem Tisch stellst, hast du gefälligst zu gehorchen!“. Ein paar Jahre später setzte Vater Staat die Erziehung nach ähnlichem Duktus fort. Es hieß dann: „Nur wer etwas leistet, kann sich etwas leisten.“ Und: „Wer Rechte hat, hat auch Pflichten!“ Er war angekommen, wo er nie hinwollte. Gegen die Rattenfänger hatte er keine Chance. Niemand hatte eine Chance – nicht einmal die Rattenfänger selbst. Sie glaubten an das, was sie predigten. Oder sie mussten es sich wenigstens vormachen. Sie hatten nur diese eine Melodie gelernt. Sie konnten nicht anders.

   

Die Stepptänzer

Die Stepptänzer erobern die Welt in höllischem Tempo. Sie steppen sich die Wahrheit zurecht – und die Massen tanzen mit. Egal ob Religion oder Politik. Egal ob Wissenschaft oder Philosophie. Egal ob Gerechtigkeit oder Moral. Sie tanzen wunderbar auf der Klaviatur der Propaganda. Sie tanzen absolut alles in Grund und Boden. Die Stepptänzer haben es drauf. An ihnen kommt niemand vorbei. Sie stoßen jeden von der Tanzfläche, der ihren Rhythmus stört.
Sie verfeinern ständig ihre Kunst. Keine Macht wird sie aufhalten…