Rostock/Warnemünde

Man sieht ihn erst bei näherem Hinschauen: der Staub in den Ecken und Fugen, unter Regal und Couch… Wenn man erstmal anfängt zu putzen, gibt es fast kein Ende mehr. Ich bin beileibe kein Putzteufel, aber heute Morgen erschrak ich regelrecht, als ich da und dort die Wollmäuse entdeckte. Mamma Mia, es musste was getan werden! Gut, dass ich noch drei Tage frei habe. Heute habe ich keine Lust, den Boden zu schrubben, ich wischte nur dort, wo mir der Schmutz förmlich ins Auge sprang.
Ein schöner Herbsttag schaut von draußen rein und leuchtet die Wohnung aus. Braune Blätter bedecken zunehmend die Gehwege, dazwischen helle Fetzen von Müll. Die Passanten tragen dicke Jacken und lange Hosen – es scheint nun endgültig vorbei zu sein mit dem sommerlichen Flair.
Gestern kehrte ich aus Rostock zurück. Noch einmal hatte die Sonne zwei Tage lang aufgedreht und bescherte mir einen wunderbaren Kurzurlaub. Ich hatte das Faltrad dabei und war damit in Rostock und Warnemünde gut unterwegs. Die Bloggerin „flotterblogger“ gewährte mir malwieder freundschaftlich Asyl. Von ihrem Domizil aus startete ich meine Ausflüge.

 

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Ende

Der Sonntag wurde dann doch noch für mehrere Stunden sonnig. Fast bereute ich, dass ich am nächsten Tag die Rückreise antrat, denn bei solchem Wetter konnte man die wunderbare Natur an der Küste bei St. Peter Ording in vollen Zügen genießen. Ich unternahm eine kleine Wanderung an den Salzwiesen und Dünen entlang. Das schöne Wetter lockte viele Jogger, Radfahrer und Spaziergänger hinaus in die Natur. Aber anders als in Büsum verteilten sich die Menschen an der langen Küste besser, so dass ich mich nie von den Menschenmengen abgestoßen fühlte. Lediglich im Ortsteil Bad gab es eine Anhäufung vom üblichen Tourismus-Konsum, aber dort hielt ich mich nicht lange auf. Am liebsten trank ich mein Bier in einem Münchner Hofbräu Gasthaus im Ortsteil Dorf. Das lag etwa in der Mitte des wie Lakritze auseinandergezogenen St. Peter Ording. Jedenfalls hatte ich am Ende meines letzten Reisetages nochmal einen leichten Sonnenbrand.
Am Morgen meiner Abreise war dann das Wetter wieder beschissen, was mir den Abschied erleichterte. Erst ging`s nach Husum – die Bahn fuhr wieder, der Lokführer offenbar gesundet. Dort blieben mir ein paar Stunden, und ich trieb mich nochmals in Husum herum. Ich hatte im IC von Westerland kommend reserviert. Der fuhr durch bis Berlin und weiter nach Dresden. Er war sogar pünktlich. Der einzige Stress entstand, weil ich mich am Wagenstandanzeiger orientierend ans falsche Bahnsteigende gestellt hatte. Als ich dann am richtigen Ende ankam, stiegen vor mir einige Jungs mit ihren Rädern ein, die das ewig nicht gebacken kriegten, bis ich schließlich ein Machtwort sprach, sie sollten veflixt nochmal das Gepäck abnehmen – das mussten sie sowieso spätestens im Zug, sonst passten die Fahrräder nicht in die vorgesehenen Haltevorrichtungen. Die Jungs waren cool, nicht aus der Ruhe zu bringen, die Pizzaschachteln, die sie dabeihatten, waren ihnen wichtiger als alles. Okay, ich war froh, als ich auf meinem Platz saß.
Das wars also. Ende Gelände. Der Kreis schließt sich. Es war eine kurzweilige Tour, das muss ich sagen, mit allerlei Strapazen. Aber letztendlich ging alles gut. An die Nordsee muss ich so schnell nicht wieder.

 

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Ausflug nach Husum

In St. Peter Ording beließ ich das Fahrrad weitgehend auf dem Campingplatz. Mein geschundener Hintern verlangte dringend nach einer Pause. Es war auch nicht gerade Fahrradwetter. Nur selten kam die Sonne hervor. Der Wind nach wie vor heftig, und immer wieder Regenschauer. Ich war am Ende meiner Reise. Wozu sich bei diesen Bedingungen noch weiterquälen? Ich beschloss, drei Nächte übers Wochenende zu bleiben und am Montag per Zug zurückzureisen.
St. Peter Ording besteht aus mehreren Küstenörtchen, die zusammenwuchsen. Der Campingplatz befand sich am einen Ende, und die Musik spielte am anderen. Dazwischen lagen schätzungsweise fünf bis sechs Kilometer. Am ersten Tag nach meiner Ankunft war richtig mieses Wetter. Ich marschierte mit dem Schirm los. Was sollte ich den lieben Tag lang machen? Ich entschied mich für einen Ausflug nach Husum. Dummerweise fiel die Bahn aus. Ich stand mit ein paar anderen Figuren ratlos an dem kleinen Bahnhof herum. Dann kam plötzlich ein Bus um die Ecke – Bahnersatzverkehr. Klasse! Der Busfahrerin war es egal, ob wir Fahrscheine hatten oder nicht. Sie war echt gut drauf. „Ist jemand hier, der weiß, wie ich am Besten den nächsten Bahnhof anfahre?“ fragte sie durch die Lautsprecher.
Nach einer knappen Stunde erreichten wir Husum, wo bereits einige verärgerte Reisende warteten, die nach St. Peter Ording wollten. Im Bahnhof gab es ein kleines Reisezentrum, wo ich nachfragte, ob die Bahnverbindung den ganzen Tag ausfalle. Das wisse sie nicht, sagte die Dame hinterm Schalter, der Lokführer sei krank… Ich drückte mein Bedauern aus – „Oje…“
10 Minuten später stand ich in der Innenstadt. Da war ich also in Husum und sah mich um.

 

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Durch den Wind

Die ersten Kilometer hatte ich Glück mit dem Wind. Ich hatte ihn im Rücken. Er beflügelte mich an diesem tristen Vormittag, und der Regen peitschte mir nicht ins Gesicht. Schließlich erreichte ich das Eidersperrwerk, eine fulminante Schutzvorrichtung gegen Sturmfluten an der Eidermündung. Als ich hin zur See blickte, sah ich einen schwarzen Wolkenvorhang näherkommen. Der Regen wurde heftiger. Unterhalb der Schutzmauer lag ein Lokal mit einem Andenkenladen. Kaum hatte ich es erreicht, ging das Unwetter los.
Ich wärmte mich in der Gaststube auf und blickte hinaus auf das aufgepeitschte Wasser der Eider. Die Gastleute waren sehr freundlich. Als der Wind draußen meinen Bock mitsamt Gepäck, dass ich für den Halt nicht abgenommen hatte, umschmiss, machte mich der Wirt darauf aufmerksam und half mir beim Aufrichten und Sichern des Fahrrads. Eine gute Stunde verweilte ich dort, bis das Schlimmste vorüber war.
Auf der Weiterfahrt hatte ich den Wind gegen mich. Das war heftig. Ich strampelte wie ein Ochse, und kam doch nicht voran. Wenigstens regnete es nicht mehr, und sogar die Bewölkung riss stellenweise auf. Als ich endlich St. Peter Ording erreichte, war ich ganz schön durch den Wind…
Es war erst gegen 15 Uhr. Ich konnte das Zelt im Trockenen aufstellen. Bei diesen Windverhältnissen gar nicht so einfach. Muss ziemlich komisch ausgesehen haben, wie ich mit dem Zelt kämpfte.

 

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von oben nach unten:
am Eidersperrwerk – Pause – Geschafft!

Büsum

Büsum gefiel mir nicht. In der kleinen Innenstadt herrschte Gedränge. Die Lokale waren brechend voll. An allen Ecken schoben sich die Menschen Fastfood und anderen Mist rein. Danach sahen die meisten auch aus. So viele hässliche Menschen auf einem Fleck sah ich zuletzt… auf dem Alexanderplatz. Ich fühlte mich an eine dumme blökende Schafherde erinnert. Die Schafe taten den ganzen Tag nichts anderes als fressen und scheißen. Aber den Schafen konnte man deswegen keinen Vorwurf machen, weil es eben Schafe sind. Mich schauderte bei der Betrachtung meiner Mitmenschen. Wahrscheinlich hatte mich die Einsamkeit auf meiner Reise übersensibilisiert. Nein, in Büsum wollte ich nicht länger als notwendig bleiben. Überall nur schwachsinniger Konsum. Auch die Stadt selbst gab nicht das beste Bild ab. In ihrem Herzen gerade eine Großbaustelle…
Da das Wetter zunehmend schlechter wurde, war ich am hin und her überlegen. Im Regen weiterzufahren, machte auch wenig Sinn. Ich beschloss, meine Entscheidung spontan zu fällen.
Nach St. Peter Ording waren es gerademal 40 Kilometer. Die sollte ich auch bei Gegenwind schaffen. Also machte ich mich mit einem nassen Zelt im Gepäck auf den Weg. Der Tag begann wolkenverhangen und düster. Nichts wie weg!

 

 

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Ab an die Nordsee!

Den nettesten Kontakt hatte ich am Morgen meiner Weiterreise an die Nordsee auf dem Campingplatz bei Hamburg. Ich baute gerade das Zelt ab, als mich eine hübsche, junge Dänin ansprach. Sie interessierte sich für mein Fahrrad und meine Fahrradtour. Ihr Englisch war perfekt, meines dagegen weniger. Ich radebrechte mit meinen paar Vokabeln, die ich auf Abruf hatte, herum. Bestimmt wurde ich vor Verlegenheit rot wie eine Tomate. Am liebsten hätte ich das Zelt wiederaufgebaut und wäre noch eine Nacht geblieben. Aber wahrscheinlich war sie einfach eine nette, kontaktfreudige Person und ihr Freund wartete unweit auf sie mit den Worten: „Sag mal, musst du jeden anquatschen?“ Und sie: „Ach, ich fand den Typen irgendwie lustig…“

Hinter Hamburg ließ ich es ruhiger angehen. Ich war ja schon fast an meinem Reiseziel und hatte jede Menge Zeit. Zwei Tage sollte das schöne Reisewetter noch halten. Der Weg ging weiter die Elbe entlang mit einem größeren Schlenker nach Elmshorn, bis ich bereits am frühen Nachmittag auf dem Campingplatzt direkt am Elbdamm bei dem Örtchen Kollmar landete. Dort lungerte ich bis zum Abend am kleinen Hafen herum, wo einige Imbiss Wägen standen. Schließlich legte ich mich mit einer Flasche Roten an den Strand und genoss den Sonnenuntergang. Immer dabei die Geschichten von John Fante.
Am nächsten Tag wollte ich es endlich an die Nordseeküste schaffen. Glücksstadt hatte ich gleich im Sack. Danach vorbei am legendären KKW Brokdorf nach Brunsbüttel. Ich war bis dahin ganz gut unterwegs. Nach einer Mittagspause führte mich die Route ins Landesinnere über Michaelisdonn und Meldorf hin zu Büsum. Eine Ochsentour! Die Wege waren mies, und die Hitze wurde beinahe unerträglich. Ab Meldorf kam dann noch ordentlich Gegenwind von der See kommend hinzu. Ich fühlte mich auf den endlos wirkenden Wegen wie eine Schnecke. Doch ich hatte Büsum bereits im Blick… In Büsum blieb ich zwei Nächte. Ich musste mich dringend ein Wenig erholen. Die Unterlippe war aufgesprungen, die Nase verbrannt, dazu die wunden Stellen am Allerwertesten und eine allgemeine Erschöpfung… Leider schlug schon in der Nacht das Wetter um. Die Nordsee zeigte klare Kante mit einer Abkühlung, heftigem Wind und Regenschauern.