Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin

Wenn ich mein Leben schon wegwerfe, dann doch bitte auf meine Rechnung mit Alkohol oder Drogen. Ich kann jeden verstehen, der beide Beine in die Hand nimmt, um nicht in einem mörderischen Krieg verheizt zu werden… für irgendwelche dubiosen Machthaber, die von Vaterland und Patriotismus salbadern, um das Volk bei der Stange zu halten…, dabei geht es diesen Schwätzern hauptsächlich um ihren eigenen Machterhalt.
Warum machen nur immer wieder so viele mit? Warum lassen sich so viele Menschen vor den Karren der Mächtigen spannen? Solche Fragen quälen mich regelmäßig. Zeitlos aktuell bleibt der Slogan der Friedensbewegung „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ (- eine wunderbare Utopie, oder nicht?) Als überzeugter Kriegsdienstverweigerer gehöre ich zu jenen, die nicht hingehen. Dabei geht es nicht allein um die Angst, im Krieg mein Leben zu verlieren… Ich will nicht zum Mörder werden (- schließlich hat man ein Gewissen). In jedem Krieg geschehen tausendfacher Mord und unfassbare Gräuel. Heutzutage verschleiert man die Kriege, indem man sie nicht mehr Kriege nennt. Man redet von Spezialoperationen oder Terrorbekämpfungen oder man verteidigt die Freiheit (wo auch immer und gegen wen auch immer). Welch Heuchelei!

Ich leistete lieber den sogenannten Ersatzdienst im Altenheim und landete, was ich mir nicht vorstellen konnte, in einer anderen Art Schützengraben…, wo täglich gestorben und gelitten wird, wo gute Menschen verheizt werden, mit ihren traumatischen Erlebnissen alleine gelassen werden, wo gelogen wird, dass sich die Balken biegen, wo Abstumpfung zur Notwendigkeit wird, wo Kritik nur hinter vorgehaltener Hand möglich ist… Ich befand mich fast 30 Jahre in einem Krieg in der Mitte unserer Gesellschaft, von vielen unbemerkt, von vielen ignoriert, von vielen peinlich berührt wahrgenommen, von den üblichen Schwätzern begleitet, die stets Verbesserungen versprechen.

Vielleicht sind Kriege, wie sie unübersehbar schrecklich und tödlich von Menschen gegen Menschen seit Jahrtausenden geführt werden, nichts anderes als ein grausiges Abbild innerer Kriege, die ständig ablaufen. Das Innere kehrt sich nach außen und zeigt die hässliche Fratze des Menschen. Oder ich bemühe das Bild des Vulkans, wo der Druck im Innern der Erde früher oder später einen Weg nach draußen finden muss, dann mit vernichtenden Auswirkungen.

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ – Die Welt braucht Menschen und keine Schwätzer. Die Welt braucht Ehrlichkeit und keine Heuchelei. Die Welt braucht Entspannung und Liebe, nicht Druck und Hass. Die Welt braucht Menschen, die ihre Waffen niederlegen und sich umarmen.

6 Gedanken zu “Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin

  1. Und als Quintessenz all deiner und zugleich meiner (hier hieß es seinerzeit „Schwerter zu Pflugscharen“) Überlegungen, wird jetzt von einem machtbessesenem Schauspieler ein schnellstmöglicher NATObeitritt zur Verteidigung der Weltdemokratie gefordert. Ich wünsche mir Frieden, aber manchmal komme ich neuerlich nicht umhin, all diese militantischen Vielschwätzer in einen Panzer setzen oder an vorderster Front ein Gewehr in die Hand drücken zu wollen. Mensch gegen Mensch. Auge in Auge. Es ist völlig unbedeutend, was wer irgendwo auf der Welt wählt. Die Weichen in die Zukunft werden in anderen Stellwerken vorbereitet.

    Hab Dich wohl im Spreewald!

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    • geht erst morgen in den spreewald. aber danke.
      zu viele schwätzer, demagogen und rattenfänger allerorts.
      und dann gibt es außerhalb der regierungen freilich noch andere dubiose mächte in der hochfinanz und in megakonzernen, in institutionen, nicht demokratisch legitimiert, die überall fleißig mitmischen… schwer durchschaubar dieses geflecht der machtsphären.

      jedenfalls ist es unglaublich, wie viele menschen sich in deutschland für waffenlieferungen an die ukraine aussprechen und damit den krieg weiter befeuern, eingelullt von einer medienunterstützten regierungspropaganda, welche auf der gut-böse- bzw. schwarz-weiß- bzw. eskalationswelle reitet, das volk spaltet…, tiefe gräben zieht, statt brücken zu bauen.

      im osten sind die regierungskurs-kritischen menschen noch am muntersten. was aus der friedensbewegung im westen wurde, siehst du an den „grünen“.
      ich frage mich, wohin die reise noch geht…

      dir ein schönes wochenende!

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