Die gute Tat

Großstädte durchfahre ich ungern auf meinen Fahrradreisen, zumal, wenn ich mich dort nicht auskenne. Kaum muss ich mal anhalten, um mich zu orientieren, stehe ich der Flut von Fußgängern und Radfahrern im Wege. Ganz zu schweigen vom lärmenden Autoverkehr und dem Gestank. Sowieso gleichen sich die Innenstädte. Schwachsinniger Konsum eines Einheitsbreis. Überall dieselben gehypten Marken und Ketten. Drum war ich froh, als ich mich mit dem neuen Zelt im Gepäck auf den Weg raus aus Kiel machen konnte.
In einem Supermarkt besorgte ich mir den nötigen Reiseproviant. Ich wollte schon wieder starten, da sprach mich eine Frau mit Blick auf mein Reisefahrrad an. Ihr Sattel sei falsch eingestellt, und es bräuchte, so glaube sie, einen Inbusschlüssel, um ihn zu richten. Die Frau schilderte mir die Schwierigkeiten, die sie mit dieser Satteleinstellung habe. Ich blickte in ein freundliches Gesicht. Der Frau könnte zu helfen sein. Also kramte ich das Fahrradwerkzeug hervor und machte mich mit dem passenden Inbus an ihrem Sattel zu schaffen. Währenddessen unterhielten wir uns. Auch über meine Tour. Nach wenigen Minuten hatte ich den Sattel in die von ihr gewünschte Position gerückt und fixiert. Die gute Frau war überglücklich und bedankte sich für die „gute Tat“. Ich lächelte verlegen und winkte ab. Hoffentlich hatte ich die Schrauben fest genug angezogen, dachte ich bei mir.
Ich radelte schleunigst weiter. Bald geriet ich ins hügelige Umland. Das kostete Kraft, zumal ich mich verfranzte. Früher oder später passiert es auf jeder Radreise, dass ich von der Route abkomme. Nach einigen schweißtreibenden Kilometern fand ich in Heikendorf wieder zurück ans Ufer der Kieler Förde. Dort belohnte ich mich an einem schönen kleinen Strand mit einer Pause. Für genügend Bier hatte ich bei meinem Einkauf gesorgt. Auch musste ich nicht hetzen, denn ich wollte an diesem Tag nicht sehr viel weiter, bis Laboe an der Ecke zur Ostseeküste, wo ich ein paar Campingplätze auf der Karte markiert hatte.

    

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