Brasko und das Lächeln der Freiheit (2)

Der Januar ist nicht gerade mein Lieblingsmonat. Vielleicht wegen dem manifesten Grau in Grau, der Kälte und den kurzen Tagen. Vielleicht auch deswegen, weil der erste Monat des Jahres ziemlich schnell alle Hoffnungen und guten Wünsche, die man für sich und andere hegt, im öden Gleichmut des Alltags erstickt. Schön war es, sich mehr Freiheit zu wünschen, mit dem Gestern abzuschließen und auf einen Neuanfang zu hoffen. Blöd halt, dass es dazu Taten braucht.

Ich befand mich in einer ausgedehnten Phase der Lethargie, als Freedom unerwartet hereinschneite. Vom ersten Moment an verspürte ich in ihrer Anwesenheit den Duft des Frühlings, das Aufblühen der Lebensgeister. Und außerdem war da ihr Lächeln, das mich bezauberte. Am liebsten wäre ich in ihrem Gesicht versunken.
„Mr. Brasko, ich bin bei Ihnen, weil Sie bekannterweise vor ungewöhnlichen Fällen nicht zurückschrecken“, Freedom kratzte sich an der Nase, „und ich bitte Sie in einem seeehr ungewöhnlichen Fall um Hilfe.“
„Was ist nicht ungewöhnlich auf dieser Welt?“ lachte ich, „Allein, dass Sie jetzt hier neben mir auf der Couch sitzen, ist unglaublich! … Legen Sie einfach los – ich bin ganz Ohr.“
„Zuerst sollten Sie wissen, dass ich kein Mensch bin, sondern eine Erscheinung… Ich könnte auch als alter Mann bei Ihnen hocken. Aber ich wählte den Körper einer jungen Frau, um es Ihnen leichter zu machen… Mr. Brasko, schauen Sie nicht so betrübt. Ich bin kein Trugbild. Ich bin so echt wie Sie, aber eben kein Mensch. Ich bin ein Wesen, das zwischen den geistigen und materiellen Dimensionen hin und herreisen kann. Ich bin Freedom, nicht mehr und nicht weniger. Neben mir gibt es ähnliche Wesenheiten wie die Liebe und die Gerechtigkeit – meine schönen Schwestern, wenn Sie so wollen, lach! Löschen Sie den alten Mann wieder aus Ihrem Kopf, Mr. Brasko!
Ich sehe Ihnen die Skepsis an. Gut so. Bleiben Sie skeptisch und glauben Sie nicht alles, was Ihnen gesagt wird. Verlassen Sie sich ganz und gar auf Ihr Gespür…, denn auch Sie sind ein geistiges Wesen und nicht nur Materie. Womit wir beim Problem wären. Die Menschheit steht vor einer elementaren Entscheidung, bzw. Weggabelung: Geht sie den Weg der Freiheit oder wählt sie unwiderruflich den Weg von Gleichschaltung, Bevormundung und Unterdrückung? – Zurzeit sieht es ganz danach aus, als ob die Mehrheit der Menschen bereit ist, ihre Freiheit für scheinheilig abgegebene Sicherheitsgarantien zu opfern…“, Freedom schluchzte: „Und das würde meinen Tod bedeuten.“
„Ähm, Lady, wollen Sie vielleicht jetzt einen Drink?“, fragte ich und legte so viel Sanftmut in meine Stimme, wie mir möglich war.
„Danke, Mr. Brasko… warum nicht.“

   

16 Gedanken zu “Brasko und das Lächeln der Freiheit (2)

    • es ist bezeichnend für unsere zeit, dass, wenn man nur das wort „freiheit“ erwähnt, viele menschen nur noch mit „oje“ oder „corona-dingsbums“ reagieren. vielleicht verständlich, da man innere konflikte gerne von sich wegschiebt. aber das thema freiheit war schon lange nicht mehr so aktuell wie heute. scheuklappen davor aufsetzen sollte man besser nicht… meine meinung. es könnte sich ergeben, dass „1984“ bald realer wird, als uns lieb ist… george orwell war damals (1946-1948) schon sensibel genug, um die richtung zu erkennen, wohin wir steuern, in welchem überwachungsstaat (unmenschlich und unfrei) die politische und technokratische entwicklung möglicherweise endet – und das weltweit.

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      • Die Menschheit ist besessen vom Materialismus.
        Ich habe mich noch nie vor irgendeinen Karren spannen lassen… jedenfalls nicht geistig. Das solltest Du wissen, Freni.

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      • also, ich sehe hauptsächlich eine besessenheit auf der welt und das ist die immer stärkere anhaftung der menschen an den materialismus, was mit wissenschaftsgläubigkeit, technokratiebesessenheit und allmachtsfantasien (z.b. transhumanismus) einhergeht. ideologien und religionen verstehe ich nicht als gegenpol. es scheint eher so, als habe der materialismus sie sich mehr oder weniger einverleibt. die machtbesessenheit geht hand in hand mit jeglichem wahn… – zieht sich wie ein roter faden durch die menschheitsgeschichte.

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      • Es gibt Menschen, Gruppen die genug besitzen und für die Gewinne keine/nebensächliche Rolle spielen. Denen geht es nur noch um Macht und Ideologien. Für die Umsetzungen suchen sie sich Menschen, die materialistisch eingestellt sind, womit sich der Kreis wieder schließt ⭕️

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      • macht bedient sich dem materialismus, der religion oder einer ideologie. das ist ziemlich wurscht. wichtig ist nur, dass genügend viele menschen vom jeweiligen ideologischen duktus infiltriert sind. dann kann eine halbwegs intelligente macht die massen nach ihrem gustus lenken. die menschen merken dann nicht mal, wie sie verarscht werden…

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