Kurze Vorgeschichte (2014 – 2021)

Als ich 2014 mit der Altenpflege (nach ca. 30 Jahren) aufhörte, wollte ich nie wieder zurück in diese Tretmühle. Es war wie ein Befreiungsschlag. Doch schon meine ersten Besuche bei der Bundesagentur für Arbeit holten mich zurück auf den Erdboden. Von einer Tretmühle wechselt man fast übergangslos in die nächste. Die Bundesagentur saß mir bereits im Nacken, als ich von ihnen noch gar kein Arbeitslosengeld bezog. Ich hatte selbst gekündigt, musste mich aber natürlich sofort arbeitslos melden… Wozu zahlte ich eigentlich jahrelang in die Arbeitslosenversicherung ein? dachte ich oft bei mir. Ständig machten sie mir Stress. Ich fühlte mich wie der letzte Arsch.
Nun gut, nach einigen Arztbesuchen und eingereichten Attests konnte ich sie wenigstens davon überzeugen, dass ich nicht mehr für die Altenpflege vermittelbar bin. In der Zwischenzeit zog ich nach Berlin, weil ich dort eine Liebe gefunden hatte. Und nach einigen mir von der Bundesagentur angewiesenen Zwangsterminen bei Sklavenhändlern, also Zeitarbeitsfirmen, die im Ergebnis fruchtlos blieben, wechselte man die Strategie in Richtung Umschulung bzw. Weiterbildung, um bald darauf festzustellen, dass man als Arbeitsagentur für mich nicht mehr zuständig wäre, sondern die Rentenversicherung. Mein Weg führte mich sodann in die Burg der Rentenversicherung. Und tatsächlich bewegte sich endlich was! Ich landete in einer Schule (in Neukölln), um mich zum Dokumentationsassistenten weiterbilden zu lassen. Ein Jahr war damit mein weiteres Auskommen gesichert, denn solange sollte die Weiterbildung dauern. Die Bundesagentur für Arbeit hatte ich damit erstmal von der Backe. Allerdings büßte ich damit auch einen guten Teil meiner in der Arbeitslosenzeit (wenigstens 1 Jahr lang) genossenen Freiheit ein. Die Tretmühle zeigte sich nun per Schulbank und Prüfungen. Doch was blieb mir anderes übrig? Lange war mir klar, dass wir alle Gefangene des Systems sind. Also zumindest all jene, denen der Weihnachtsmann keine Millionen schenkte. Es ging darum, dass man sich irgendwie durchwurschtelte und dabei nicht die Nerven verlor. Bestenfalls hat man ein paar Kameraden und Kameradinnen, so dass man sich gegenseitig stützen kann. Ich bin eher der Einzelgänger-Typ. Immerhin hatte ich damals noch eine Liebe.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich schloss die Weiterbildung ab und ergänzte diese mit einer spezielleren Fortbildung zur Tumordokumentation. Wenn schon denn schon, dachte ich – und so kam ich zu dem Job, den ich derzeit mache.
März 2017- seitdem bin ich wieder Vollzeitmitglied in der Tretmühle. Oder: Willkommen zurück im Club der Arbeits-Zombies! … Von Anfang an heische ich nach Teilzeit, welche aber von der Geschäftsleitung nicht erwünscht ist. Ich will wenigstens ein kleines Stück Freiheit zurück. Das kann doch nicht so schwierig sein, dachte ich. Ich bin bloß ein kleines Rädchen im Getriebe. Wen interessiert es, ob ich 100 oder 75% am Arbeitsplatz bin? Wo ist das Problem? Bin ich das Problem, weil ich mir etwas Unmögliches wünsche?

13 Gedanken zu “Kurze Vorgeschichte (2014 – 2021)

  1. Dein wilder Wunsch nach wenigstens ein bisschen mehr Freiheit will wohl nicht verstanden werden, was schade ist, aber nicht „Ende der Fahnenstange“ sein muss…Irgendwie und -wo tun sich vielleicht noch Wege auf…Manchmal durch Kontakte zu bestimmten Menschen entstehend, vielleicht einfach mal `ne Möglichkeitensammlung machen, angefangen bei Beratung Caritas oder …!?
    Gruß von Sonja

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    • mit der kirche hatte ich leider keine guten erfahrungen, liebe sonja. in der altenpflege hatte ich 1x die caritas und 1x die diakonie als arbeitgeber.
      auch als kind und junger mann empfand ich die institution kirche eher als eine relativ heuchlerische geschichte und trat deswegen aus diesem verein aus.
      ehrlich gesagt gehöre ich nicht gerade zu den schäfchen, die sich in persönlichen dingen gerne beraten lassen. aber danke für deinen gutgemeinten kommentar… wirke ich derart hilfsbedürftig??
      der wunsch nach mehr freiheit sollte nicht als krankheit oder defizit angesehen werden. ich frage mich oft, warum sich nicht viel mehr menschen nach mehr persönlicher freiheit sehnen – oder andersherum, warum sich so viele menschen vom herrschenden system unterdrücken lassen, bzw. sich bedingungslos einfügen.

      gruß von mir in deinen sonntag

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  2. Ins Auge sticht mir hier der 7-Jahres-Zyklus. Alle 7 Jahre „erfindet“ sich der Mensch neu. Die einen finden das Schwachsinn (oder neu: Verschwörung), für andere ist das „normal“. Für mich ist es normal. Mir wird schnell langweilig in den Berufen, bei den Arbeitsstellen oder die Dinge laufen nicht so, wie ich mir das vorstelle. So wie ich das lese, ist das bei dir auch der Fall. die Teilzeit hast du bis jetzt nicht bekommen. Ade Freiheit. Schlimmer: Friss oder stirb! So einen Arbeitsplatz hatte ich auch mal. Ich hatte sogar einen Teilzeit-Arbeitsvertrag, doch mit dem Zusatz, dass ich Vollzeit arbeite, je nach Arbeitsaufkommen. Ich konnte nie früher gehen, weil immer mehr Arbeit da war. Unglaublich, aber wahr. Am Ende habe ich gekündigt. Ich fühlte mich ver*****t.
    Ich habe 2016 bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen, also noch 2 Jahre Zeit für die Umsetzung der Veränderung. Dann kommt sie aber auch. Ich spüre schon den neuen Wind an manchen Tagen.

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    • ja, alle paar jahre drückt der schuh, und dann müssen neue her, oder man muss am alten schuh was ändern…
      ob das immer 7 jahre sein müssen – woiß i net. kommt auf die schuhe an.
      leider betrifft diese sehnsucht nach veränderung nicht nur den job, sondern auch die liebe. bis 7 jahre schaffte ich es nie mit einer frau. das höchste waren 5.

      einen kleinen trost habe ich in der aktuellen angelegenheit: mein antrag auf unbezahlten urlaub ging durch! ich rechnete nicht damit und schaute deswegen erst heute morgen auf dem dienstlaptop nach. uff! – 2 wochen, um mich in ruhe zu sortieren…

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  3. Was ich irgendwann lernte ist, dass mein Großteil der persönlichen Unzufriedenheit im Job am Mangel an Wertschätzung lag. Sei es die erbrachte Arbeitsleistung, die eigene Meinung oder das persönliche Befinden. Dazu gehört auch der Respekt des Arbeitgebers vor den Wünschen zu Teilzeit oder Arbeitsplatzgestaltung. Geholfen hat mir letztlich nur ein Arbeitsplatzwechsel.

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