Wer kein Herz hat, kann nicht herzkrank werden

Die Personalchefin bügelte meinen Antrag auf Teilzeit ab. Sie argumentierte betriebswirtschaftlich mit der Bürobelegung. Man müsse schon sehr wichtige Gründe vorbringen. Möglicherweise sehe ich einfach zu gesund aus (bin alleinstehend, habe kein Kind zuhause oder ein Elternteil, um das ich mich kümmern muss). Auch ist es nicht mein Ding, Mitleid zu erbetteln. Ich kündigte an, ihrem ablehnenden Bescheid zu widersprechen, dann freilich ausführlich begründet und mit ärztlicher Bescheinigung.
Reichlich aufgewühlt und demoralisiert ging ich in den Feierabend und gab in der Kupferkanne allen Gästen einen aus. In der Nacht schlief ich kaum. Ich nahm mir kurzfristig Urlaub für ein verlängertes Wochenende. Danach weitersehen. Am besten werde ich Montag den Arzt aufsuchen…

Hinzu kommen die nach wie vor deprimierenden Nachrichten hinsichtlich der weltweiten Corona-Massenpsychose, die gewaltig an meinen Nerven nagen. Ich fühle mich wie in einem Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt.
Wenigstens der momentan Goldene Oktober ist eine kleine Freude, und dass ich in der Kupferkanne mein Bier auch als Ungeimpfter bekomme.

 

32 Gedanken zu “Wer kein Herz hat, kann nicht herzkrank werden

  1. Biete doch die befristete Teilzeit als Überbrückung an, vll erst mal für ein oder zwei Jahre. Dann kann dein Arbeitgeber schauen ob es geht. Wenn sie deinem Arbeitsplatz als Teilzeitstelle durchwinken, muss der rein theoretisch immer als Teilzeitstelle angeboten werden. Die Brückenteilzeit ist für beide Seiten flexibler und stabiler. Für die Brückenteilzeit brauchst du auch keinen Grund, wie zum Beispiel Pflege oder Kindererziehung angeben.

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    • brückenteilzeit ist ein gutes stichwort. ich bin kein jurist im arbeitsrecht. sowieso muss ich noch mit dem betriebsrat über diese sache reden. es sollte nicht schaden, wenn mir mein hausarzt eine bescheinigung ausstellt, in welcher er aufgrund meiner diagnosen eine teilzeitanstellung befürwortet. oder so ähnlich.
      die personalchefin kommt als kaltherzige justitiarin daher, die strikt die unternehmensinteressen vertritt. wahrscheinlich kann ich diese barriere nur juristisch knacken. ich hätte es lieber auf einer menschlichen ebene gehabt.

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      • das ist doch keine drohgebärde. ich war durchaus kompromissbereit. allerdings beharrte ich auf eine konkrete aussicht, während die personalchefin mir lediglich eine unklare perspektive anbot.
        freni, hätte ich nachgegeben, wäre mein unbedingter wunsch auf teilzeit nicht mehr glaubwürdig gewesen. ich muss konsequent bleiben… sie müssen mir entgegenkommen. wenn ich jetzt nachgebe, bin ich am arsch – auch wenn es verständlich wäre. wer mich kennt, weiß, dass ich nicht einfach aufgebe (siehe meine fahrradreisen)
        ich lasse mich nicht von diesen unmenschen einschüchtern.
        ….

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    • mit dem betriebsrat sprach ich kurz nach meinem antrag. die vorsitzende, zu der ich ein gutes verhältnis habe, sowie der stellvertretende vorsitzende waren dummerweise jetzt im urlaub. ich hätte gern einen von beiden als unterstützung beim gespräch gehabt… nächste woche werde ich mit der betriebsratsvorsitzenden darüber reden.
      auf eine juristische unterstützung (z.b. von verdi) will ich erst zurückgreifen, wenn die geschäftsleitung auch meine nächste anfrage auf teilzeit ablehnt. es wird sich hinziehen. oder sie werden endlich mal menschlich.

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      • Ist immer gut wenn man auf Unterstützung zurück greifen kann die Ahnung von der Rechtslage haben. Dabei kommt es ja auch oft auf die Größe des Betriebes an.
        Ich drücke dir die Daumen Bon, auch wenn es wohl einen längere Geschichte wird.

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      • jedes daumendrücken hilft mir moralisch. danke nati.
        nein, ganz allein stehe ich nicht. ich bin ein offener mensch und berichte freilich auch den hühnern – also zumindest jenen, die mir näher sind.
        in die schlacht muss ich allerdings alleine ziehen.

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      • freilich gibt es da teilzeitkräfte. vor allem frauen mit kindern oder alten eltern, um die sie sich kümmern müssen. bestimmt gibt es auch welche, die aufgrund gesundheitlicher einschränkung in teilzeit arbeiten. (den überblick hat nur die geschäftsleitung.) aber da muss man halt sozusagen seine hosen runterlassen und belege für die handycaps vorzeigen… nun gut, wenn sie es so wollen. allerdings müssen sie dann auch mit einem langem ausfall meiner arbeitskraft rechnen…

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      • Irgendwie wird es einem immer schwer gemacht, ob man mehr oder weniger arbeiten möchte.
        Selbst ins Home Office zu gehen wurde Jahrelang boykottiert. Dank Pandemie sah man aber dass auch dies wunderbar funktionieren kann.
        Der Mensch an sich ist oft zu unflexibel.

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      • viele arbeiten wie roboter. dazu gehören justitiare, politiker, techniker, wissenschaftler, bürokraten… natürlich nicht alle, aber mehr als genug.
        die menschlichkeit geht dabei immer mehr baden. nicht erst seit corona, sondern auch schon viele jahre vorher – soweit ich das nach fast 6 jahrzehnten erlebter geschichte sagen kann.
        jetzt kann einem nur noch schwindelig werden… es tut mir so leid um die menschen, die ich eigentlich als „gut“ wahrgenommen hatte, die sich jetzt verhalten wie grausame/angepasste jäger.

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      • Du bist einer der Wenigen der bei der abgrundtiefen Wahrheit bleibt.
        Du beschönigst nichts und laberst niemanden nach dem Mund.
        Aber diese Frage hast du mir schon ein paar Mal gestellt.
        Einen schönen Nachmittag wünsche ich dir Bon.

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      • habe ich das? danke für deine antwort, nati.
        ich bin von geburt an ein ehrlicher mensch. aber ich hatte einige rückschläge. und ich kam nicht um die anpassung herum. im kern blieb ich aber immer derselbe.
        schön, dass dir gefällt, was ich so schreibe… und denke.

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    • ich arbeite in einem unternehmen, das hauptsächlich von frauen diktiert wird – das muss ich dazu sagen.
      normalerweise habe ich damit kein problem. schließlich komme ich aus der altenpflege…
      aber in meinem jetzigen job kann ich nicht ganz ausschließen, dass frauen bevorzugt werden, wenn sie wünsche äußern.

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      • das verstehe ich jetzt nicht, was Frauen mit Altenpflege zu tun hat. Aber es ist auch schon später Abend. vielleicht verstehe ich es morgen.
        ich glaube diese Frauen bei dir in der Firma wollen stark da stehen, deshalb geben sie nicht nach. Im Grunde sind sie arm dran und vielleicht frustriert. ist das jetzt diskriminierend gegenüber Frauen? Puuuh. ein schwieriges Thema. ich würde mir einfach noch einen Termin geben lassen und so tun, als ob das 1. Gespräch nicht stattgefunden hat. ich würde es so oft wiederholen, bis sie mir die Teilzeit genehmigen. Weil wahrscheinlich nichts dahintersteckt. Es ist einfach bla bla dir gegenüber. Weil du ein Mann bist. und das ist der Punkt! es ist Diskriminierung. Nur weil du keine Kinder und keine alten Eltern hast.

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      • auch in der altenpflege arbeiten in der hauptsache frauen, und es gibt viele weibliche chefs. die teilzeit kriegte ich aber in der altenpflege problemlos durch.
        strebsame justitiarinnen, die mit 30 in der geschäftsleitung sitzen, müssen sich wahrscheinlich noch beweisen… keine ahnung.

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      • ah so..
        ja, deine Chefin möchte sicher erfolgreich werden, weil sie denkt, dass sie dann glücklich ist und geliebt wird. Erfolg mag sexy daherkommen, aber es ist nur oberflächlich. Solange sie ihre Mitmenschen und Mitarbeiter nicht mit dem Herzen versteht, wird es nichts werden.. Sie ist auf dem falschen Pfad.

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      • bei uns gibt es eine ganze menge chefinnen. die streiten sich dann in leitungsteamsitzungen um ihre kompetenzen oder sonstwas.
        diese personalchefin erlebte ich das erste mal. sie ist nun mal in diesem fall zuständig.
        sie kennt mich null. und ich kenne sie null. wobei: nach dem gespräch kenne ich sie ein wenig.

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