Bewusstsein

Was ist eigentlich Bewusstsein? Ich dachte immer, dass es das höchste ist, was ein Lebewesen als ein Individuum auszeichnet. Ich verband es mit gedanklicher Selbstreflexion aber auch mit einer bewusst emotionalen Wahrnehmung von Dasein/Leben und Umwelt. Es folgten Fragen wie: Gibt es ein originäres ICH-Bewusstsein? Wer bin ich? Wie sehr bin ich ICH? Bleibe ich ICH im Laufe meines Lebens und darüber hinaus? Geht mein Bewusstsein über mich hinaus? Gibt es ein universelles Bewusstsein? Kann eine künstliche Intelligenz ein Bewusstsein entwickeln? Gibt es verschiedene Bewusstseins-Stufen ähnlich Erkenntnis-Stufen? Was bedeutet ein höheres Bewusstsein haben? Ist das Bewusstsein lediglich ein Spiegel, eine Art Kurzschluss im Denkprogramm?
Im Laufe meines Lebens musste ich jedenfalls erkennen, dass meine Mitmenschen ganz unterschiedlich „bewusst“ tickten. Mitunter fragte ich mich, ob mein Gegenüber eher so was wie ein Zombie war. Aber das mag daran liegen, dass wir oft nur unsere Fassaden zeigen. Trotzdem: Selten lausche ich in meinem Umfeld Gesprächen über das Bewusstsein und andere existentielle Themen. Das philosophische Interesse scheint einigermaßen rar gesät zu sein. Vermutlich haben manche Menschen Angst, sich mit derlei Thematik auseinanderzusetzen – könnten doch die bisherigen Lebensschwerpunkte und -maxime in Frage gestellt werden. Viel leichter ist es, wenn man sich in vorgefertigte Denkmuster von Religionen und Ideologien hineinbegibt… Ich dagegen dachte immer, dass gerade dieses eigene philosophische Nachsinnen ein entscheidendes Merkmal von Lebewesen mit Bewusstsein darstellt (– besonders bei Denkmonstern wie uns Menschen). Dabei saß ich einem weitverbreiteten Denkfehler auf: Man sollte besser nicht von sich auf andere schließen.
Heute habe ich mich damit abgefunden, dass ich mit meinem beharrlichen Infragestellen von uns eingeimpften Wirklichkeiten und Denkschemata relativ einsam bin… Es hilft nichts – ich muss immer weiterfragen. Irgendetwas ganz tief in mir verlangt danach. Ich nenne es Bewusstsein.


28 Gedanken zu “Bewusstsein

  1. Erkenntnisse erziehlt man durch Erfahrungen, nicht unbedingt durch Anhäufung von Wissen.
    Durch diese Erkenntnisse verändert sich auch das eigene Bewusstsein. Das Bewusstsein erreicht dadurch andere oder höhere Stufen, durch die man anders handelt.

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    • hm. meine erkenntnisstufe hat sich seit erreichen meiner geistigen reife nicht wesentlich verändert. aber natürlich taten sich durch neue erfahrungen immer wieder neue blickwinkel auf.
      meiner bescheidenen meinung nach braucht man weder neue erfahrungen noch neues wissen, um sich mit seinem bewusstsein auseinanderzusetzen und somit erkenntnisse zu den essentiellen fragen des daseins zu erlangen.
      im wesentlichen gilt: „ich denke, also bin ich.“ ich erweitere: ich denke und fühle, also bin ich.
      erfahrungen und wissen sammeln sich in jedem menschenleben anders. die grunderkenntnis des bewusstseins braucht weder einen großen wissens- noch einen großen erfahrensschatz… es geht eher um geistige reife.

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      • Es gibt Menschen die tappen immer wieder in die gleichen Geschichten ohne daran zu wachsen. Sie sehen es einfach nicht dass sie daraus lernen könnten, ihr Bewusstsein dadurch erweitern könnten oder wie du schreibst die geistige Reife zu erhöhen. Sie bleiben irgendwann in ihrer Reife einfach stehen.
        Früher dachte ich dass man mit fortschreitendem Alter auch reifer oder weiser wird, das kann ich aber bei vielen leider nicht bestätigen. Was etwas traurig ist.

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      • dass weisheit nicht unbedingt mit zunehmendem alter zunimmt, registrierte ich relativ früh.
        ich glaube nicht, dass menschen in ihrem leben einen wesentlich höheren bewusstseins- oder erkenntnisgrad durch erfahrungen und wissen erlangen können. vielleicht dann im nächsten leben.
        wir menschen werden mit unterschiedlichen geistigen reifegraden oder weisheitsgraden geboren. es geht dann im wesentlichen darum, dass man sich durch die umgebende welt sein originäres bewusstsein nicht verschmutzen lässt, – dass man sich immer wieder vor sich geistig/emotional nackisch macht.
        also: es geht nicht um zuwachs, sondern um ein vermeiden von abbau an bewusstsein und erkennntnis im laufe eines mehr oder weniger materialistisch oder sonstwie oberflächlich ausgerichteten lebens.

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      • Ich denke wenn manche erst einmal drin sind im Materiellen Wahn, geht es immer höher und weiter. Die Sucht und der Geltungsdrang lassen sich kaum zügeln. In meinen Augen wird damit aber nur etwas kompensiert.

        Ich denke schon dass man im Laufe des Lebens innerlich wachsen kann, höhere Bewusstseins Stufen erreichen kann. Man muss es aber auch sehen wollen.
        Ich war zumindest in jungen Jahren nicht so in mir Ruhend, hatte nicht diese geistige Reife oder dieses Bewusstsein.

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      • nein, wir sind ab einem gewissen alter geistig ausgereift. und je nach dem, wie wir uns von unserem ehrgeiz oder anerlernten denkschemata und weltsichten zuschütten lassen oder selbst zuschütten… verlieren wir den kontakt zu unserem originärem bewusstsein.
        das freischaufeln von all diesen einflüssen kann freilich im verlaufe eines lebens als ein wachstum an erkenntnis ausgelegt werden.
        meine devise war von anfang an: besser erst gar nicht zu sehr zuschütten lassen.

        jeder geht seinen weg, nati. ich kann hier nur von meiner sichtweise reden/schreiben.

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  2. ich denke die wenigsten Menschen befassen sich mit Philosophie und dem eigenen Bewusstsein. Ein interessantes Thema, so wie auch der Unterschied zwischen Bildung und Intelligenz.
    Erst kürzlich habe ich bedauert, dass ich nur so kurze Zeit auf diesem Planeten weile. es wäre doch toll, wenn man verschiedene Lebensmodelle mit unterschiedlichen ICHs ausprobieren könnte. Oft ist es schwierig, das alte Ich abzustreifen und das neue Ich anzuziehen. Für manche Dinge bin ich jetzt schon zu alt oder hätte vor Jahrzehnten einen anderen Weg einschlagen müssen.
    Ich mag die Idee sich immer mal wieder neu zu erfinden.

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    • Inzwischen denke ich, dass man diese verschiedenen Lebensmodelle reinkarniert durchleben kann. Für ein Leben wäre es zu viel. Und eine wesentlich größere Lebenserwartung macht nur Sinn, wenn wir ein so langes Leben… verkraften und geistig erfassen können.

      Bildung kann auch immer Miss- oder Fehlbildung bedeuten. Intelligenz wird im Zusammenhang mit Erkenntnis und Bewusstsein überschätzt.

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