Ich wachte auf

… und alles erschien mir völlig unmöglich – wie die Welt ist, wie die Welt geformt ist mit ihren Dingen und Kräften. Es war, als ob ein Kartenhaus zusammenbricht, und ich plötzlich verzweifelt in einer absoluten Leere stehe, haltlos und verloren… Was ist das Leben? Was soll das alles?!
Ich versuchte zurückzufinden in die vertraute Ordnung, in die Selbstverständlichkeiten, die plötzlich wegbrachen. Kann es sein, dass hinter der Wirklichkeit nichts ist… gar nichts? Ist, was ich täglich schaue, lediglich eine fragile Fassade?
Es dauerte ein gutes Weilchen, bis sich der Schrecken der absoluten Nicht-Verortung (in dieser Welt) wieder legte. Die steife scheinbar unabänderliche Normalität stellte sich langsam wieder her. Ich glitt zurück in den Kokon meines Lebens…
Ein gruseliger Schauer blieb, der sich kaum in Worte fassen lässt.

 

26 Gedanken zu “Ich wachte auf

  1. Das ist ein interessanter, gruseliger kleiner Text. Deine Zeilen lesen sich für mich fast wie eine Warnung, bloß nicht hinter jede Fassade zu schauen. Wer weiß schon, ob man damit umgehen kann, was man dahinter möglicherweise sieht … Brrr.

    Gefällt mir

  2. etwas ganz normales: sich den fragen des lebens stellen müssen.
    antworten finden für sich selbst. was ist mir das leben? wer und
    was bin ich? was will ich?
    das, was du hier beschreibst ist für mich ein moment der klarheit
    und wahrheit, die sich ein stück weit öffnet und man muss
    schauen, ob man sich traut, dieser wahrheit ins auge zu sehen.
    wenn nicht, kommt sie wieder, bis du den mut hast.
    so ist meine interpretation. grusel sehe ich darin nicht, auch wenn
    es durchaus beängstigend sein kann und auf eine art fordert. aber
    letztlich bringt es wahrheit und tiefe. es ist auch ein moment des
    neuanfangs, da sich etwas offenbart hat, was sich zuvor nicht gezeigt hat.

    Gefällt 1 Person

    • nun. es gibt schon abstufungen des hinterfragens von leben/existenz. ich beschäftige mich seit meiner kindheit damit. darum schreibe ich, darum bin ich kreativ.
      im falle dieses textes erwischte mich das gruselige gefühl, dass das leben an sich auf fassaden aufgebaut ist – nicht nur der sinn, den man selbst dem leben gibt, sondern einfach alles: die materie, die naturgesetze, die kräfte, formen und uns selbstverständlich umgebenden dinge… wie ich es schrieb, ist es für mich schwer in worte zu fassen, was ich empfand. ich hätte vielleicht für leser wie dich das gruselige daran besser herausarbeiten müssen.
      als einen moment der klarheit würde ich es nicht beschreiben… es war eher ein moment der ungeheuren unfassbarkeit und haltlosigkeit. alles brach plötzlich weg… aber was sah ich? ich sah in eine undefinierbare schwärze/leere. es war keineswegs gott, den ich sah oder ein licht. es war der pure horror des bewusstseins.

      Gefällt 1 Person

      • ich verstehe und lese es auf meine weise. so ist das mit worten, mit dem, was mitschwingt und an interpretation und verstehen möglich ist und wird dir sicher bekannt sein.
        ungeheure unfassbarkeit, ja, solche momente habe ich auch schon kennen gelernt. in beide richtungen.
        vielleicht entwickelt sich hieraus ja noch etwas, weiteres, das es für dich fassbarer macht.

        Gefällt 1 Person

      • nein, ich denke: das gruselige ist eben, dass die wahrheit unfassbar ist. wenn man mit ihr in berührung kommt, wird man geistig aus dem karussell des lebens herausgeschleudert… trotzdem besitzt diese „verbotene tür“ eine magische anziehungskraft (auf mich). es ist ein schmaler grat hin zum irrsein… nichts für ängstliche naturen.

        Gefällt mir

      • ich finde nicht, dass sie unfassbar ist, sondern tatsächlich fassbar ist. nur manchmal nicht im ersten schauen und annähern. schauen, verstehen, weiter gehen, schauen, verstehen, weiter gehen, so in etwa (ist mein weg). der blick wird geweitet, so empfinde ich das, was du „hinasschleudern“ nennst. es ist etwas positives.

        Gefällt mir

      • und natürlich lassen sich texte wie dieser, wo es um schwer begreifbare inhalte geht, wo sich die inhalte dem begrifflichen entziehen, von den lesern je nach erfahrungsschatz und geistigem volumen bzw. geistiger ausgerichtetheit unterschiedlich lesen und interpretieren.

        Gefällt 2 Personen

  3. Wenn man das Leben, die Welt, die Menschheit an sich betrachtet kann es einem nur gruseln. Es gibt so viele Perversionen die geduldet und öffentlich getragen werden, als normal angesehen und hingenommen werden. Wenn man sich all dessen so überdeutlich bewusst wird, könnte man sich direkt eine Kugel geben, denn so laut schreien könnte keiner.

    Gefällt 1 Person

      • darum, dass alles wegbricht, was die existenz ausmacht, dass alles fassade ist, nicht mal eine besonders feste fassade, dass die wand zwischen unserer rationalen wirklichkeit und dem absoluten irrsinnigen „nichts“ hauchdünn ist.
        man muss das nicht verstehen…

        Gefällt 1 Person

      • Ich ahne wa du meinst.
        Manchal ist es nur ein Fingerschnipp und nichts ist mehr so wie wir es kennen.
        Wir balancieren ständig auf zu dünnen Seilen…
        Ein Schritt zu weit und du bist im Irrsinn gelandet und gefangen.

        Gefällt 1 Person

      • wie gesagt, es ging mir hier nicht um das mögliche/unmögliche im kokon der uns allgemein zugängigen wirklichkeit, sondern um den (gruseligen) kurzen blick hinaus…
        lediglich absolute bewusstheit kann einen solchen zustand hervorrufen… alle denkmuster werden gesprengt. verstand und sprache bleiben auf der strecke. am ehesten kann man das gefühl für sich einfangen und versuchen durch bilder zu vermitteln.

        Gefällt 1 Person

      • Mich treffen manchmal Erkenntnisse direkt nach dem Aufwachen. Wenn der Verstand noch nicht in der Realität angekommen ist und der Tag unschuldig vor mir liegt. Nicht immer schön, aber diese Erkenntnisse enthalten die brutale Wahrheit.

        Gefällt 2 Personen

      • Bei vollem Verstand gelingt es mir nicht oder ist es mir noch nie passiert.
        Tagträumereien, ja… Wenn der Verstand zu wenig zu tun hat bei automatisierten Aufgaben. Da höre ich bei Autofahrten regelmässig Hörbücher um abgelenkt zu sein und nicht ständig denken zu müssen.

        Gefällt mir

      • ich brauche keine automatisierten aufgaben zum tagträumen. ich tagträume sehr gern. ich habe keine angst vor dem kopf-gefühlswirrwarr. das ist wie eine große legokiste, in der die legosteine ungeordnet herumliegen… mit inspiration lässt sich reingreifen und das ein oder andere für sich zusammenbasteln. man nennt es kreativität.
        die frage ist, ob man extreme bewusstseinszustände aushalten will oder kann. ein labiler mensch kann hysterisch reagieren und angstpsychosen entwickeln…

        Gefällt 1 Person

      • Tagträumereien gehen bei ernsthaften Aufgaben nicht wo der Verstand benötigt wird.
        In Tagträumereien vertiefe ich mich aber gern, eine Wohltat für den Kopf.
        Zuviel Nachdenken ist aber auch nicht gut, dass gibt nur Kopfschmerzen, deshalb die Hörbücher.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.