Die Welt ist kein Uhrwerk, und der Mensch keine Maschine

Ich verließ meinen Körper. Es fühlte sich an wie das Ausziehen eines Handschuhs. Dabei dachte ich: Es geht also wirklich…

Die Waschmaschine läuft. Ich war für meine Verhältnisse fleißig. Ich bezog das Bett frisch. Wieso kommen mir gerade jetzt diese Gedanken? Ich hielt meinen Arm in den Tümpel, und es streifte mich. Nur leicht. Ich konnte aus meinem Körper schlüpfen wie aus einem Handschuh. Mehr weiß ich nicht mehr. Ein paar Gedankenmomente lang hatte ich dieses Gefühl wieder…, aber ich konnte es nicht festhalten. Ich ziehe meinen Arm wieder aus dem Tümpel und streife die Nässe über Augen und Stirn… Zurück im Sonntag, Ende März, am Tag der Umstellung von Normal- auf Sommerzeit. Als ob die eine Stunde den Bock fett machen würde. Die Welt ist kein Uhrwerk, und der Mensch keine Maschine. Die Technokraten mit ihren dämlichen Ideen. Auch jetzt zu Pandemiezeiten. Rasenmäher-Methode statt differenziertes Erörtern der Maßnahmen und ihrer Folgen. Man presst alles in ein entworfenes System, das man für alternativlos hält… Andere Ansätze werden erst gar nicht angehört. Es ist zum aus der Haut fahren.
Seit ich denken kann, werde ich in vorgefertigte Systeme gepresst. Die Autoritäten scheißen darauf, ob du damit einverstanden bist oder nicht. Erwünscht sind gehirngewaschene Spießer, keine quer denkenden Rebellen…
Okay, haben wir also wieder Sommerzeit. Sei`s drum. Wobei es Menschen gibt, die unter den Zeitumstellungen leiden. So meine alte Bürokollegin, die sich dann regelmäßig ein paar Tage frei nahm, weil ihr Biorhythmus total aus der Spur geriet.
Haben Technokraten eine Seele? Sieht für mich nicht danach aus. Dummerweise beherrschen sie die Welt. Sie legen dein Herz auf die kalte Herdplatte. Sie bestimmen, was falsch und richtig ist. Und natürlich ist alles zu deinem Besten. Schön, dass wir diese schlauen Menschen haben, die wissen, was für uns gut ist.

Die Waschmaschine hat fertig. Es ist fast Mittag. Wo ist die Zeit nur hin?

 

25 Gedanken zu “Die Welt ist kein Uhrwerk, und der Mensch keine Maschine

      • Die Zeit bist du. Man muss sich also fragen, wo man selbst geblieben ist.
        In meinem Text nahm ich die „Zeitumstellung“ als Beispiel, wie die Technokraten unser Leben bestimmen… und wir zu ihren Marionetten wurden, die alles mitmachen.

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      • In der ersten Woche rennt mir förmlich die Zeit davon, es macht müde, die Zeitumstellung. Im Herbst macht es mir weniger aus.
        Vieles ist getacket, von Außen. Da liegt es an uns was wir aus der übrigen Zeit, die uns bleibt, so machen.

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      • es liegt an uns, die von außen aufgezwungene zeitdiktatur zu hinterfragen. ich weiß, dass man sich kaum dagegen wehren kann. das system ist übermächtig. ich plädiere aber dafür, dass man sich dabei nicht selbst was vormacht.
        das ist in meinen augen der erste schritt…, dass man seine eigenen gedanken und gefühle nicht verbiegen lässt.

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      • Klar kann man es hinterfragen, nur nutzt es wenig.
        Da müsste man fernab der Zivilisation leben, als Selbstversorger.
        Da gäbe es nur die eigene Zeit.

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      • es geht nicht um den nutzen, nati. es geht um geistige aufrichtigkeit bzw. authentizität.
        ich möchte nicht aussteigen. das wäre irreal. ich würde abseits der gesellschaft wahrscheinlich eingehen wie ein primel. ich brauche menschliche nähe… auch wenn ich mich von den geistigen affentänzen meiner mitmenschen abgestoßen fühle. in dieser zwickmühle befinde ich mich… und das kannst du meinen texten entnehmen.

        schön, wenn du und andere zeitgenossen dieses problem weniger haben.

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      • Das ist wirklich eine Zwickmühle, nicht mit aber auch nicht ohne dem leben zu können. Ich weiß nicht ob ich damit Probleme habe.
        Ich hätte so völlig ohne Orientierung, ohne Rahmen meine Probleme. Wobei ich mir meinen Rahmen selbst wähle, es so wähle dass es mir gut geht. Sonst rebbeliert es auch in mir.

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      • liebe nati, mein text handelt nicht primär um die zeitumstellung. es geht um das „in sich sein“. dazu muss man sich vielleicht auch mal vorstellen, aus sich heraus zu kommen. es geht also um die eigene identifikation – das wahrnehmen seines selbst… mit all den fragen, die damit auftauchen. es geht um „echte“ bewusstwerdung, soweit wir dazu als menschen befähigt sind.
        in der gesellschaft, die mich umgibt, fühle ich mich sehr oft fremd… ich finde keine harmonie zu der technokratischen und kapitalistischen welt.

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      • Ich weiß was du damit sagen möchtest Bon.
        Zeitumstellung ist nur ein Teil davon.
        Man kann sich der Norm nicht so einfach entwinden wie man möchte.
        Alles ist damit strukturiert, ergibt ein wenig Ordnung in all dem Chaos.
        Manchmal kann man sich davon für eine Weile freimachen und es genießen. Im Alltag wäre es wenig hilfreich.

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      • die natur hat ihre ordnung. das ist richtig. aber der mensch verändert diese ordnung. er erhebt seine ordnung zum nonplusultra. das halte ich für falsch und unnatürlich. ich sträube mich gegen normen, die mir mitmenschen aufdrücken – nein, nicht prinzipiell, aber dann, wenn sich in mir etwas dagegen sträubt. und da gibt es einiges…
        du hast recht, ich kann mich nicht einfach dem entwinden. es fehlt mir die kraft. ich will schließlich überleben. aber in meinem geiste begehre ich auf. gestern wie heute. von diesem aufbegehren kannst du in vielen meiner gedichte und texten lesen.
        ich weiß, dass ich damit kaum mitmenschen erreiche…, aber ich brauche dieses ventil, sonst kann ich mir gleich einen strick nehmen.

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      • Ich finde es gut dass du Schreiben als Ventil nutzen kannst.
        Irgendwo muss es ja hin um nicht verrückt zu werden.
        Es ist auch egal ob und wie viele du damit erreichst, es dient ausschließlich dir und deinem Seelenleben.

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  1. viele spielen leider nur die rebellen… stecken aber wie alle anderen tief im arsch des kapitalismus.
    oder sie waren rebellen und ließen sich mit der zeit weichspülen – tragen es aber immer noch zur schau.
    ich mag bowie als musiker/künstler. aber auch er knickte ein. oder er war nie ein echter rebell.
    schaue doch mal auf die rolling stones… okay, sie machten gute musik, sie wurden zu idolen, aber in ihren herzen entwickelten sie sich zu spießern. und so gibt es noch viele mehr.

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    • vielleicht war Bowie in der 70ern ein Rebell. ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich seit März 2020 unendlich enttäuscht von fast allen Musikern und Schauspielern bin. Von vielen hatte ich eine hohe Meinung und jetzt sehe ich, dass sie schweigen, dass sie Mitläufer im System sind. Dass sie wahrscheinlich Geld für ihr Schweigen bekommen. Irgendwoher muss ja der Ruhm gekommen sein, nämlich von der Angepasstheit! wie traurig!
      Die Stones… ja, sie waren gewiß Rebellen, aber das ist lange her. Jetzt sind auch sie angepasst, wie so viele.
      Ich hatte Konzerttickets von einer Band für letztes Jahr. Der Termin wurde jetzt wieder verschoben. Ganz unten in der email stand das Statement der Band… bla bla… dann: „Impfen, statt schimpfen.“ Danke! Gestorben! Setzen! nie und nimmer möchte ich die live sehen.
      Sehr wenige haben noch Hirn und Mumm und setzen sich ein. Wir kennen einen deutschen Schauspieler, der sich wirklich engagiert. Er schreibt Briefe an alle möglichen Institutionen. Ja, es wird nicht viel bringen, aber er tut etwas! und nur das zählt!
      Ich habe keine Lust mehr mich anzupassen. Meine Lieblingsantwort ist momentan standardmäßig: „Nein, auf gar keinen Fall!“ erst dann denke ich vielleicht darüber nach, ob doch… aber lieber verzichte ich.

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      • eine krähe hackt der anderen kein auge aus.
        die prominenten, erfolgreichen künstler sind von den maßnahmen nicht existentiell betroffen. sie können da „durchtauchen“. und für ihr renomme ist es freilich besser, wenn sie sich nicht zu den „covidioten“ gesellen.
        viele halten es wahrscheinlich für unklug, offen zu sagen, was sie denken… andere verlassen sich einfach darauf, dass die regierung die richtige strategie wählte und sind genauso wie ottonormalbürger opfer der corona-propaganda.

        ich schätze menschen, die sich nicht leicht verbiegen lassen und zu ihren haltungen und idealen stehen. und ich schätze menschen, die ihren eigenen gehirnkasten einschalten.

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