Plötzlich ging alles ganz schnell

Das Notebook war da, und unser IT-Mann half mir am nächsten Tag per Telefon bei der Anmeldeprozedur. Das dauerte etwas, weil mein Arbeits-Notebook noch in der Winterzeit tickte. Warum auch immer, denn es sollte sich automatisch synchronisieren. Nach einigem Herumprobieren hatte es sich dann doch noch von selbst umgestellt. Gut Ding braucht eben Weile, vor allem in der IT. Und niemand weiß so genau, was sich da im Hintergrund abspielte… Ist auch egal – Hauptsache, es funzt jetzt!
Nach drei Tagen im Homeoffice kann ich bestätigen, was darüber allgemein gesagt wird: Es hat Vor- und Nachteile. Die Bildschirmarbeit zuhause empfand ich eindeutig als anstrengender, was kein Wunder ist, denn im Büro habe ich einen größeren Bildschirm und außerdem zwei. Anfangs eine große Umstellung, aber Mensch entwickelt relativ zügig praktikable Arbeitsweisen, so dass ich mit der Abarbeitung der Tumorfälle inzwischen ganz gut zurechtkomme.
Den privaten Bereich mit Arbeit zu verbinden, ist… also, ich weiß noch nicht, wie ich das finden soll. Ich wache morgens auf und befinde mich quasi schon im Büro. Da kann ich auch gleich loslegen, oder? Und ich fing die letzten Tage wirklich eine Stunde früher als sonst mit Arbeit an, obwohl ich den Wecker auf eine Stunde später gestellt hatte. Was soll ich mich noch auf der Couch herumfläzen und Morgenmagazin gucken? Das kann ich auch im Hintergrund laufen lassen.
Nun wollte ich mir und den anderen beweisen, dass ich im Homeoffice genauso produktiv bin wie im Büro und war darum ziemlich konzentriert bei der Sache. Seltsam ist aber dann der Übergang in den Feierabend. Normalerweise der beste Moment des Tages verkommt im HO zu einem einfachen Herunterfahren des Rechners. Es fehlt das Ritual des Arbeitsplatzverlassens und des Abschiednehmens von den Kollegen/Kolleginnen. Die Hühner fehlen mir sowieso mit ihrem Lachen und Gegacker… Habe ich eigentlich schon Vorteile genannt?
Na ja, in meinen vier Wänden fühle ich mich wohler und freier als im Büro. Da ich alleine wohne, kann ich mich während der Arbeit nur selbst ablenken/stören. Dann fällt der Arbeitsweg weg (der ist bei mir aber nicht weit). Der Nachteil dabei: Mensch läuft Gefahr, noch bequemer als ohnehin zu werden. Da werde ich unbedingt gegensteuern müssen, falls ich längere Zeit HO machen sollte. Wenn`s nach mir geht, werde ich noch ein Weilchen durchhalten. Ich will diese neue Erfahrung weiter für mich austesten. Es ist uns freigestellt, jederzeit zurück ins Büro zu kommen, stunden- oder tageweise.
Aber erstmal Wochenende! Neben mir auf dem Schreibtisch liegt das Arbeits-Notebook. Ich sollte es vielleicht woanders deponieren. Abschalten von HO, Tumoren… und Corona. Blues einschalten.

 

12 Gedanken zu “Plötzlich ging alles ganz schnell

  1. Dieser fehlende Abstand zwischen Arbeit und frei – das ist auch für mich der grösste Nachteil. Es passiert sogar, dass man länger arbeitet 😦
    Ich räume dann immer die Unterlagen weg um so das Gefühl zu haben, dass es vorbei ist. Aber wie du sagst – runterfahren und Schluss. Im Büro freut man sich immer total, zieht sich an, sagt tschüss und so, das geht hier nicht. Aber die Zeit, die man gewinnt, die ist echt gut.

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    • du sagst es. die zeit, die man gewinnt… und zusätzlich eine gewisse freiheit, die man aber anfangs nicht richtig einordnen kann (alles irgendwie seltsam).
      ich muss ho noch eine weile ausprobieren, um die vor- und nachteile für mich besser zu erkennen….

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  2. Das ist schon eine große Umstellung. Grade, weil Arbeitsplatz und Privatraum nicht an getrennten Orten ist. Der Arbeitsweg hatte für mich immer was von einer Umschaltpause zwischen beiden Bereichen. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich gut, dass man heute diese Möglichkeiten hat. Du wohnst zwar in der Nähe deiner Arbeit, aber andere haben vielleicht lange Arbeitswege, per Bus und Bahn.
    In Rostock war schon letzten Montag zu merken, das die kleinen Geschäfte geöffnet hatten. Am Montag ging es noch, aber am Dienstag war die StraBa schon proppe voll. An 1.50 m Abstand war nicht zu denken.
    Es gibt ja ein Trost. Irgendwann ist auch die Coronazeit vorbei und das alte Leben holt uns wieder ein 😀

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    • das normale leben wird wiederkommen… ehrlich gesagt, will ich es gar nicht unbedingt.

      ja, die umstellung aufs homeoffice ist gewöhnungsbedürftig. ich werde noch ein weilchen brauchen… und vielleicht will ich lieber zurück ins büro. sowieso eine frage der zeit. der betrieb hat das ganze ja nur im zuge der corona-krise angeleiert.

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  3. Ich habe ca. eine Woche gebraucht, bis ich mich auf HO umgestellt hatte. Die erste Woche fand ich auch alles merkwürdig, fast unwirklich, und anstrengend, weil ich ebenso wie du von zwei Bildschirmen auf ein kleines Notebook umstellen musste. Seit ich den großen Monitor habe, ist alles viel besser geworden. Es stimmt, gewisse Büro-Rituale fallen weg, aber auch daran gewöhnt man sich schneller, als man denkt. Tatsächlich sollte man sich aber etwas zum Ausgleich suchen, sonst fehlt einem die Bewegung. Das merke ich sehr stark und muss ich auch noch ändern.

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