Fuck!

In martialischer schwarzer Kluft, es fehlten nur noch die Sturmhauben, marschierte ein Trupp von 6 Polizisten (darunter eine Polizistin) auf die Menschen zu, die sich im Park zum Relaxen niedergelassen hatten. Ein wenig frische Luft tanken, dazu ein paar Sonnenstrahlen genießen (nicht jeder hat einen Balkon, Garten oder eine Terrasse zuhause) – was soll also daran schlecht sein, wenn man den nötigen Abstand zu den anderen Parkbesuchern einhält? Auch ich saß dort herum und genoss nach dem Lebensmitteleinkauf ein paar Minuten Freiheit unter herrlich blauem Himmel.
Barsch wurde ich von einem der Polizisten aufgefordert, mich sofort auf den Heimweg zu machen, als ob ich mit meinem Verhalten für die Ausbreitung des Corona-Virus verantwortlich wäre. Ich erklärte, dass ich einkaufen war und nun noch frische Luft schnappte. Das einschüchternde Auftreten der Polizei ließen bei mir Puls und Blutdruck in die Höhe schnellen. Wortlos wollte ich mich nicht fügen. Ich wüsste nicht, gegen welche von Frau Merkel, ihres Zeichens Bundeskanzlerin, in ihrer letzten Rede vorgetragenen Regeln (ab 4:20) ich verstoßen hätte. Ein zweiter Polizist mischte sich ein…, und ich verstand, dass eine weitere Diskussion mir nur Ärger einbrächte. Es ging nicht um Aufklärung, sondern um eine Machtdemonstration der Exekutive. Die Staatsgewalt wollte uns (Uneinsichtigen) zeigen, wo der Hammer hängt. Verärgert machte ich mich auf den Heimweg. Warum nennen sie es „Kontaktsperre“, wenn es defacto ein Ausgangsverbot bedeutet? Befinden wir uns auf dem Weg in einen Polizeistaat?
In meinen vier Wänden angekommen brauchte ich noch ein gutes Weilchen, um runterzukommen.
Auch heute will ich es mir nicht nehmen lassen, nach dem Einkauf am Nachmittag eine kleine Rast im Park einzulegen. Ich freue mich den ganzen Tag auf diesen Moment, ein Stündchen rauszukommen. Selbst Knastis kriegen schließlich ihren täglichen Hofgang.

 

15 Gedanken zu “Fuck!

  1. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Polizei schon entnervt ist und nicht mehr so entspannt reagieren kann, wenn sie mit den Bürgern sprechen. Berlin mit seiner hohen Bevölkerungsdichte und es waren ja noch zu viele Menschen letzte Woche unterwegs. Dummerweise hat es dich getroffen, den, der es nicht einmal mag, „zu Hauft“ aufeinander zu sitzen. Mich hat es – in einem anderen Zusammenhang – auch mal so arg getroffen und fühlte mich wegen „Nix“ zusammengeschissen und Dummkopf bezeichnet wurde, der in der Schule wohl nicht aufgepasst hätte. Dem Wachmann war aber anzusehen, dass sein Blutdruck schon auf 180 war und jedes Widerwort hätte nix gebracht. Wahrscheinlich war ich grade die Millionste, die just in dem Moment gegen die Regel verstoßen hatte und nun das Maß bei dem Wachmann voll war.
    Wir werden noch ganz andere Sorgen bekommen. Man macht schon Pläne, wie man mit der vermehrten häuslichen Gewalt, mit der man jetzt rechnet, fertig wird. denn zu all dem, wird auch die Polizei gerufen.

    Aber ich kann verstehen, dass du erst mal angepisst warst und es noch ein weile dauern wird, bevor sich dein Blutdruck wieder absenkt. Die werden weiter harsch werden und besser ist, man richtet sich zu Hause ein, falls deine Firma auch erst mal ihre Tore schließt.

    Morgen erwarten alle die neusten Zahlen von Robert Koch Institut. Jeder hofft, dass nach 10 Tagen die Infektionen sichnicht mehr täglich verdoppeln, sondern sie dendenziell zurück gehen.

    Ich sende den Text ohne Korrektur ab. Meine Enkelin macht grade Facetime mit mir, ich soll ihr bei den Aufgaben helfen ..

    LG La We

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    • Lawe, ich verstieß gegen keine Regel! Es war polizeiliche Willkür. Bei allem Verständnis für den nicht einfachen Job der Polizei erwarte ich mehr Professionalität und Sensibilität. Schließlich geht es hier um unsere Grundrechte!

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      • betr. professionalität würde ich mir wünschen, dass sie flyer an die leute verteilen, worauf konkrete verhaltensvorschriften und regeln geschrieben stehen.
        betr. sensibilität würde ich mir wünschen, dass sie nicht in einer solch martialischen attitüde auf die menschen zugehen. sie fordern doch damit geradezu konfrontationen heraus. die meisten menschen leisten leichter folge, wenn sie sich nicht willkürlich gemaßregelt fühlen.

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  2. Alleine im Park sitzen ist für einige Polizisten nicht gleich alleine im Park sitzen, je nachdem, wie viele noch alleine dort herum sitzen. Viele alleine im Park sitzende Menschen werden dann wohl als eine Versammlung angesehen.

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  3. Habe ich auch gerade geschrieben so was:

    Die Stadt ist trotz der milden Temperaturen menschenleer, hin und wieder huscht jemand mit hellgrünem Mundschutz über den Marktplatz und ab und an wird das Bild durch einen Rollator abgewechselt. Die Polizei ist omnipräsent, man findet anscheinend, dass ich herumlungere, und empfiehlt mir (noch höflich), meine Bleibe wieder aufzusuchen. Aha, denke ich, wenn man draußen ist, dann sollte man es besser eilig haben, alles andere wirkt verdächtig. Ich bin mir unsicher, was ich darf, was die Polizei muss, in dieser Situation war noch niemand von uns. Eingesperrt ohne ein Verbrechen, kontrolliert und gefühlt auf Schritt und Tritt überwacht. So muss sich ein Chinese fühlen, der nicht ganz der Norm entspricht. Diese Vorstellung eines Überwachungsstaats ist für mich absurd, weltfremd und unmöglich. Heute erlebe ich am eigenen Leib, was es heißt, der meisten normalen Freiheiten grundlos beraubt zu werden. Beim Weitergehen werde ich sauer auf den Bullen, der mich antreibt wie der Viehhirte einen renitenten Bock, fehlt noch der Klaps auf den Hintern mit dem Schlagstock. Arschloch. Am liebsten würde ich umkehren und ihm meine Meinung sagen. Da ich weiß, dass es nichts bringt, mit der Staatsmacht zu diskutieren, lasse ich es. Die kann man höchstens verklagen, oder, falls man dazu keine Lust hat, subversiv unterwandern und hintergehen. Das Kontaktverbot einfach umgehen und alles vögeln, was Titten hat und auf zwei Beinen läuft.

    Wir brauchen dringend mehr Menschenverstand und weniger Autorität. Die Blockwarte erleben ihre Hochzeit. Jeder Pimpf in Uniform, der vor nem Baumarkt steht, kriegt einen Ständer wegen seines Job …

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