Grüß Gott, liebe Spießer!

Ich glaube, dass es dem ein oder anderen Leser manchmal etwas unscharf, gar vakant anmutet, was ich eigentlich unter Spießern verstehe – ein Begriff den ich in meinen Beiträgen immer wieder mal unterbringe, wenn ich mich von gesellschaftlich tumben Brauchtümern und anderen unreflektierten menschlichen Verhaltensweisen sowie Massenphänomenen abgrenze.
Drum versuche ich hier und jetzt eine grobe Auflistung einiger für mich typisch spießigen Anwandlungen und Einstellungen. Das nahende Weihnachtsfest erscheint mir als geradezu passende Gelegenheit.

 

Spießer kleben an unsinnigen Konventionen und Traditionen wie ausgekaute Kaugummis unter alten Schulbänken.

Dumme Spießer begründen ihr Festhalten an Konventionen damit, dass es immer schon so war und alle anderen es ebenso machen.

Intelligentere Spießer begründen ihr Festhalten an Konventionen, indem sie deren gesellschaftlichen Nutzen hervorheben. Nach dem Motto: Wir brauchen Weihnachten, um uns alle wieder lieb zu haben. Wir schießen an Weihnachten nicht aufeinander. Zerstrittene Familien kommen zusammen, und alle sind plötzlich nett zueinander… Ausserdem würde unsere Wirtschaft ohne Weihnachten zusammenbrechen, und dann die Arbeitsplätze, die daran hängen! – Hach! Warum ist nicht immer Weihnachten?

Spießer gehen Populisten auf den Leim. Hitler und andere scheußliche Despoten dieser Welt wären ohne ein ausgeprägtes Spießertum nie an die Macht gekommen.

Spießer bezeichnen sich als die Mitte der Gesellschaft. Leider sind sie das auch.

Spießer sind meist Materialisten und hängen ihre Fahne nach dem Wind.

Spießer dienen gern dem Vaterland.

Spießer verehren den Papst. Oder die Queen. Oder Khomeini. Oder Stalin. Oder die Deutsche Bank.

Spießer sind nette Mitmenschen, solange man sie nicht mit unangenehmen Fragen belästigt.

Spießertum und Weltoffenheit schließen sich aus.

Spießer lügen und glauben, dass sie die Wahrheit sagen.

Spießer leugnen Fakten, wenn sie ihnen nicht in den Kram passen.

Spießer heucheln nach Herzenslust.

Spießer hegen selten Selbstzweifel.

Spießer bleiben zu jeder Zeit Spießer.

Spießer gibt es überall. Es gibt keinen Ort und kein Volk auf der Erde ohne Spießer.

Spießer sind angepasste Arschlöcher.

Spießer sind untereinander die besten Spießgesellen.

 

Das sollte für`s erste reichen. Hoffentlich trat ich niemandem zu nahe.

8 Gedanken zu “Grüß Gott, liebe Spießer!

  1. Ich finde, Du übertreibst ein bisschen. Ja, ich finde Weihnachten auch spiessig. Aber ich mache mit. Die Alternative wäre, die dunkelsten Tage des Jahres allein im stillen Kämmerlein zu verbringen. Oder irgendwo, allein. Ist das so erstrebenswert? Statt dessen ist das ein netter Anlass, wieder mal die ganze Familie zu treffen. Meistens verstehen wir uns gut. Aber wir würden einander vergessen, wenn wir Weihnachten nicht hätten, fürchte ich.

    Dieses blöde „gg“ bei meinem Benutzernamen unten kann ich nicht ändern. Es wird mich eines Tages wahnsinnig machen. Ich grinse nicht. Im Gegenteil: Ich schwöre gerade alle Zeichen, weil ich Weihnachtsgeschenke einpacken und Weihnachtskarten schreiben muss.

    Liebe Grüsse von Frau Frogg

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    • liebe frau frogg, schön, dass du von dir hören bzw. lesen lässt. ich hoffe, das liegt nicht an weihnachten…
      es geht mir nicht nur um den weihnachtswahnsinn und auch nicht um das besinnliche feiern von weihnachten, sondern um viele eingeschliffene in meinen augen sinnlos bis absurde gesellschaftliche konventionen, unser festhalten daran… bei weihnachten vor allem die monströse konsummaschinerie, den tanz ums goldene kalb, dem sehr viele menschen frönen. ich habe also eher was gegen die entartung solcher festlichkeiten. für silvester gilt dasselbe.
      ja, an weihnachten wird mir nebenbei besonders bewusst, wie spießig unsere gesellschaft im innersten ist. das spießertum halte ich für eine interkulturelle seuche. vom spießer zum zombie ist es nicht weit. die menschen agieren wie fernsgesteuert, auf weihnachten konditioniert, weitgehend ohne ein selbstkritisches hnterfragen ihres verhaltens. aber wie gesagt, weihnachten ist nur ein phänomen von vielen im spießertum. ein anderes gerade in deutschland weit verbreitetes spießerdogma ist die verherrlichung des autos und den platz, den man den autos einräumt, obwohl auf das konto des autos unglaublich viele umweltsünden gehen. zum vergleich der waffenwahn der amis… all diese irrationalen dummen verhaltensweisen und wahnideen gehen meist vom spießertum aus. dasselbe gilt z.b. für parteien wie der afd, durch welche der latente rassismus und rechtsnationalismus in der mitte unserer gesellschaft zu tage tritt. solche populistischen parteien werden zu einem guten teil von spießern getragen.
      aber gut, die menschen werden sich nicht so schnell ändern. ab und zu muss ich mich aber von dem ganzen sichtbaren idiotismus unserer welt abgrenzen, damit ich nicht zu sehr abstumpfe und genauso deppert werde.
      ich will niemanden persönlich beleidigen…

      dir schöne feiertage und viel spaß im kreis der familie!

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    • eine korrekte definition von spießer sicher nicht. gibt es die denn?
      lag auch nicht in meiner intention, das spießertum allgemeingültig zu beschreiben. ich zählte einige punkte auf, die mir spontan beim begriff „spießer“ einfielen. meiner meinung nach steckt in jedem von uns ein stück spießer (auch in mir). mir geht es vor allem um das unreflektierte spießer-sein mit seinen auswüchsen im kulturellen leben. besonders das unbedingte festhalten an konventionen, regeln, brauchtümern, traditionen, vorurteilen, gesellschaftsklassen und hierarchien zähle ich dazu. warum halten sich in gesellschaften so lange gewisse vorurteile und dumpfbacken-meinungen? oder sie brechen wieder hervor, obwohl man glaubte, sie lange schon besiegt zu haben – woran liegt das? ich halte das spießertum dafür verantwortlich, das sich gegen aufklärung und fortschritt stemmt.

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      • würde ich nicht sagen. aber die grenzen sind verwaschen. spätestens seit auch die grünen zu spießern wurden. am unspießigsten finde ich noch die linken.
        ich war damals sehr enttäuscht von den 68ern, die sich binnen weniger jahre zu spießern mauserten. ich verstand das nie, denn das war in meinen augen ein rückschritt von progressivität hin zu angepasstheit und oberflächlichkeit.

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