Drückeberger

Das Spanferkelessen im Pub war auf 19 Uhr angesetzt. Geschlossene Gesellschaft. Eine Art Pub-Weihnachtsfeier für die Stammgäste. Ich hatte am Nachmittag einen Frisörtermin zwei Hauseingänge weiter und wartete im Pub. Ich kriege automatisch eine SMS, wenn`s so weit ist.
Sita bediente und sprach mich auf das Spanferkelessen an.
„Du kommst doch? Ich habe dich eingetragen.“
„Klar“, antwortete ich. Ich werde jedes Jahr vom Wirt eingeladen, aber wenn der Tag dann da ist, habe ich den Termin entweder nicht auf dem Schirm, oder ich habe schlicht keine Lust.
Der Frisörtermin verzögerte sich. Es war mittlerer Nachmittag, so gegen 16 Uhr. Ich trank mein Bier im Pub und wartete. Der Wirt spendierte mir einen Korn. Harry gab mir das nächste Bier aus.
„Du kommst doch nachher auch?“
„Klar“, meinte ich und: „Danke!“
Endlich war es soweit. Eine SMS signalisierte mir, dass ich drankam. Ich trank schnell aus und gab Sita Bescheid, dass ich nur kurz beim Frisör sei. „Kein Problem“, sagte sie.

Ich mag Frisörbesuche nicht. Sie kommen in meiner Unbeliebtheitshitliste gleich hinter Zahnarzt- und anderen Arztbesuchen. Warum sehe ich dort im Spiegel stets viel hässlicher aus als zuhause? Wegen der Helligkeit? Ganz besonders schlimm wird es, wenn die Frisörin mir am Schluss per Handspiegel zeigt, wie meine Rübe von hinten aussieht. „Alles recht so?“ „Ja“, antworte ich schnell.
Gut, dass die gesamte Prozedur selten länger als 15 Minuten dauert. Noch kurz die Haare ausspülen, abfrottieren, bezahlen, und ich latsche die paar Meter zurück ins Pub.

Inzwischen war kaum noch jemand zugegen. Es ist wie bei einem Tsunami: das Wasser zieht sich erstmal zurück, bevor die große Welle kommt. Ich bestellte noch ein Bier. Sita begutachtete meinen Haarschnitt.
„Guuut!“
Anstandshalber lächelte ich. Die Uhr sagte: Noch fast zwei Stunden bis zum Spanferkel-Showdown. Ich spürte, wie ich langsam meine sowieso nicht üppige Lust an diesem Event verlor. Mist aber auch! – Ich bin ein Mensch, der normalerweise zu seinem Wort steht.
Der Wirt war vollauf beschäftigt mit den Vorbereitungen, als ich mich verdünnisierte.
„Ich gehe dann auch noch mal… kurz Luft schöpfen. Bis dann!“
„Jo.“
Ein verhaltenes Winke-Winke, und draußen war ich. Uff! Hatte eben ein anderer mehr vom Spanferkel… Wenigstens erledigte ich den Frisör, den ich zwei Wochen lang vor mir herschob. Im Prokrastinieren bin ich spitze.

 

9 Gedanken zu “Drückeberger

  1. Ja, das kann ich auch äußerst gut. Bei manchen Sachen ist es zwar hinderlich, da kämpfe ich auch gegen an. Aber anderes ist irgendwie immer lästig genug, um es ein anderes Mal zu machen. Oder gar nicht.

    Liken

  2. oh…schade, dass dein Spanferkel jemand anders gegessen hat. 😦

    Wir Frauen bekommen beim Frisör immer einen schwarzen Umhang umgelegt und der lässt meine Gesichtszüge wesentlich härter aussehen, als wenn ich in meinen Spiegel schaue. Das Licht ist da viel viel freundlicher zu mir und der Spiegel auch 😀

    Liken

Schreibe eine Antwort zu bonanzamargot Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.