Parasite

Irgendwer hat über Nacht den Himmel geputzt. Strahlendes Blau statt grauer Wolkensuppe. Die Sonne steht so tief, dass ich nur ihre Reflexionen im Herbstlaub und in den Fenstern sehe. Als ich das Fenster zum Lüften öffne, fröstelt es mich. Ich lasse die kalte Morgenluft in meine Bude, die sich sogleich gen Boden senkt und durch die Räume kriecht. Ich reibe meine nackten Glieder. Bald bin ich wieder am ganzen Körper käsig. Und: alt werde ich. Treffe ich zufällig auf mein Spiegelbild, erschrecke ich… Gestern z.B., als ich in den Potsdamer Platz Arkaden an einer Bar saß und mich im Spirituosenregal spiegelte. Ich legte meine Stirn in Falten, ebenso das Gesicht im Spiegel. Mist! Da ich mir den Tag nicht verderben wollte, lenkte ich meinen Blick auf die TV-Bildschirme an der Wand, auf denen Fußball lief. Bundesligakonferenz. Augsburg – SC Paderborn und Union Berlin – Mainz 05. Ich musste noch etwas Zeit totschlagen bis zum Kinofilm. Eingekauft hatte ich schon. Alles war somit für diesen Tag in Sack und Tüten.

Ehrlich gesagt hatte ich mir etwas mehr von „Parasite“ erwartet. Vielleicht lag es aber auch an meiner Verfassung, dass mir der Film etwas zu lang wurde. Nett gemacht war er jedenfalls und auch gut in Szene gesetzt. Zum einen die Schmarotzer-Familie, die auch bildlich „ganz unten“ bzw. „im Keller“ lebt, zum anderen die Upperclass-Familie in ihrer modernistischen Villa. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals gelingt es der Schmarotzer-Familie, sich in der Villa breit zu machen… als Hauslehrer, Kindermädchen, Hausdame und Chauffeur. So weit so gut. Danach kippt die Sozialkomödie zunehmend ins Absurde und gipfelt schließlich in einer blutigen Katastrophe. Streckenweise sehr konfus. Ich kam nicht immer hinterher. Besonders gegen Ende.
Fazit: Viele Menschen müssen ein Leben als Schmarotzer/Parasiten führen, verkriechen und verstecken sich, müssen lügen und betrügen, um auch etwas vom Kuchen abzubekommen. Dabei verkaufen sie sich an die privilegierte Klasse und entwickeln dabei nach und nach einen Widerwillen und Hass gegen jene, bei denen sie sich einnisteten (oder gegen jene, die in ihre Welt einbrechen und ihr relativ gesichertes „Parasiten-Keller-Dasein“ bedrohen).
Meine abschließende Erkenntnis ist, dass sie, Wirtsfamilie und Parasiten, alle gleich bescheuert sind.
Ich halte den Menschen per se für einen Parasiten. Er beutet die Erde bis zum Letzten aus. Er spielt sich als Hausherr in einer „Villa“ auf, die ihm nie gehörte und auch nie gehören wird.

20 Gedanken zu “Parasite

  1. Normalerweise sollte ein Parasit seinen Wirt nicht umbringe – dass passiert in der Natur vor allem, wenn es zu einer Fehlbesiedlung des falschen Wirtes kommt… Bleibt die Frage: Auf welchen Planeten hätten wir Menschen eigentlich gesollt?

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    • ich gehe davon aus, dass die meisten menschen, die die erde/natur ausbeuten, ihren „wirt“ bzw. das ökosystem nicht umbringen wollen. sie haben offenbar nicht den überblick über ihr handeln, oder sie sind ähnlich wie ein süchtiger auf `nem selbstzerstörerischen tripp. ausweichsmöglichkeiten gibt es für den menschen nicht. richtig bewusst scheint das ihm nicht zu sein. aber vielleicht lernt er als parasit noch dazu… und schafft es, den wirtskörper in seiner gier und blödheit nicht ganz zu zerstören.

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  2. Ja…wir Menschen sind dieee Parasiten , die die Erde als ihren Wirt ansehen. Es gibt zwei Arten von Parasiten. Die erste ist die, die ihren Wirt „nur` auslaugt, d.h. nur schwächt, aber nicht sterben lässt. Der Bandwurm ist z.B. solch ein Parasit. Und es gibt Parasiten, die ihren Wirt töten und dann auf einen neuen Wirt umsetzen müssen. Zu dieser Art von Parasiten zählen wir Menschen, denn man schaut sich ja schon heute nach bewohnbaren Planeten um. 😀

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    • sehe ich auch so, lawe. ich glaube aber nicht, dass wir den absprung auf einen anderen wirtsplaneten rechtzeitig schaffen. die riesigen dimensionen des alls werden uns in unsere schranken verweisen. wir sollten momentan alle energie darauf verwenden, auf der erde langfristig überleben zu können. für alle wird es sowieso keine „rettungsboote“ geben. nur für ein paar wenige, die dann jahrtausendelang durchs all reisen müssen, bis sie irgendwo einen adäquaten ort finden. okay, dann vielleicht besser den mars irgendwie bewohnbar machen.
      wie auch immer.
      menschen sterben, kulturen sterben, zivilisationen sterben… das ist aus unserer relativ primitiven sicht zwar tragisch, aber nichts besonderes.
      ich ärgere mich dabei hauptsächlich über die verlogenheit und dummheit/ignoranz der spezies mensch.

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      • Der Mensch – zumindest ein großer Teil – glaubt vielleicht in seinem Größenwahn, das er unverletzlich ist. Niemand mag sich vorstellen, dass wir als Menschen die Erde derart überlasten, so dass sie für uns keinen „Wirt“ mehr darstellen kann. Wo nix mehr zu holen ist, ist nix mehr zu holen. Auf der anderen Seite gibt es noch einen anderen Spruch: „Gott passt auf, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen“ Vielleicht ist da was wahres dran und es ändert sich etwas in den Menschen. Gestern machte mit jemand Hoffnung, als er über die nachfolgende Generation sprach.. Achja..das war Jan Weiler, ein Buchautor. Die nachfolgende Generation hat andere Ziele und nicht wie die jetzige nur ihren Wohlstand im Kopf. Sie haben erkannt, dass auch der Wohlstand den Menschen nicht weiter bring. ganz im Gegenteil. Wenn der Mensch sich nicht über Kriege ausrottet, dann über den Wohlstand. Also müssen neue Konzepte her, die das Überleben der Menschen auf diesem Planeten auf Dauer sichern.

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      • ist eine frage, wie man wohlstand für sich definiert. das teuflische ist das unbedingte festhalten am „wachstum“. ein dauerhaftes überleben auf der erde gibt es für die menschliche zivilisation nur, wenn sie sich materiell einschränkt und die güter dieser erde gerechter verteilt.

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      • genau..dauerhaftes Wachstum kann es nicht geben, weil die Ressourcen der Erde bald aufgebraucht sind. Wir leben jetzt schon auf Kosten der nächsten Generation und diese wird schon hart wegen des Klimawandels verängstigt. Ich erinnere mich noch an die Reaktion meiner Tochter – sie war damals 16 Jahre alt- als Schlagzeilen im damaligen kalte Krieg die Lettern auf den Tageszeitungen sogar bei uns im Osten groß und größer werden ließen. Damals kam sie zitternd und bibbernd heim und hatte Sorge, ums könnte in nächster Zukunft eine Atombombe auf den Kopf fallen. Heute ist es Greta, die von der Angst befallen ist und für eine Zukunft kämpft, die auch für ihre Generation lebenswert bleibt.
        Leider müssen erst derart ernstliche Bedrohungen vor Ort unser Leben aus den Angeln heben, bevor der Mensch umdenkt.

        Als Verbraucher müssen wir nur unsrer Kaufverhalten ändern, dann ist die Wirtschaft gezwungen sich umzustellen. Aber die Lösung kann nur global gefunden werden und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen großer Unternehmen auch nicht im tiefsten Ausland möglich sein. Viele tragen billige Kleidung, die durch Sklavenarbeit geschaffen wurden.
        Puh..das war wieder eine lange Antwort. Ich hoffe nahezu fehlerfrei ..denn ich schicke sie unkorrigiert auf den Weg ;-D

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      • ich glaube nicht, dass greta angst hat… sie sieht die dinge eher kopfmäßig und versteht nicht, dass die welt augenscheinlich wie die titanic auf den eisberg zusteuert, ohne dass die, die am ruder sind, also die herrschenden klassen, politiker, wirtschaftsbosse, hinreichend reagieren.
        gretas gefühle diesbezüglich sind wahrscheinlich ärger und unverständnis. nein, sie hat keine angst. ihre welt basiert auf verstand und logik… und sie kritisiert die erwachsenenwelt zurecht für ihre untätigkeit, ihre ausreden und ihre ignoranz.
        ich kenne das wesen der menschen… (leider) – die kinder und jugendlichen, die heute noch demonstrieren, werden übermorgen die fehler ihrer eltern wiederholen. warum? weil sie ihre unschuld verlieren. genauso erging es den 68ern – der kapitalismus saugte sie auf.

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      • Auf jeden Fall bewegt sie eine Menge und sie will „dass ihr Angst bekommt“ so, ihre Formulierung. Das gute ist, das sie auf Grund ihres Autismus durch nichts zu beeindrucken ist. Niemand kann sie stoppen. Sie schreibt ihre Reden selbst und man glaubt. ihre Worte kommen aus einem reifen Menschen.
        Aber ich bekam schon vor vielen Jahren Angst, als ich ein Buch über Umwelt und Klima las. Darin wurden keine drohende Szenarien beschrieben, sondern nur Tatsachen beschrieben. Ich musste dann nur eins und eins zusammenzählen und er überkam mich ein großer Schrecken. Das Buch wurde 1999 das erste mal veröffentlicht. Heute bestätigt sich fast alles, was ich als logischen Schluss aus dem Buch zog.
        Ich hoffe, dass die Menschen klüger werden oder klugen Menschen in der Zukunft überwiegen und es ihnen noch nach gelingt, die Kurve noch rechtzeitig zu kriegen, damit das Schiff nicht mit dem Eisberg kollidiert. Ein guter Vergleich übrigens 🙂

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      • der vergleich ist nicht auf meinem mist gewachsen. bereits 1984 schrieb joseph weizenbaum, ein prof. für informatik (cambridge/usa) ein kleines buch mit dem titel „kurs auf den eisberg“, wo es genau darum geht, worüber wir heute wiedermal reden…

        ich habe schon lange keine angst mehr, was krieg oder andere menschliche zerstörungskräfte angeht.
        ja, vor dem tod habe ich schon angst, aber der ereilt mich so oder so, egal auf welchem hintergrund. für die menschheit, im speziellen für die nächsten generationen tut es mir leid, dass sie die natur nicht mehr so erleben können, wie ich es teilweise noch durfte…
        an ein herumreißen des ruders glaube ich nicht mehr. es geht nur noch darum, wann das elend ein ende haben wird – ob in diesem jahrhundert oder im nächsten.

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      • wann genau ich die Info aufgeschnappt habe, weiß ich nicht mehr. Aber ich war noch eine junge Frau,, als ich im DDR TV eine Doku über Klima gesehen habe. Vielleicht vor 30 oder 40 Jahren denke ich. Es muss da schon Wissenschaftler gegeben haben, die ganz weit in die Zukunft schauen konnten. Im Bezug auf Klima sagten sie, dass es 5 vor 12 wäre und 10 Sekunden vor 12 würde unwideruflich der Countdown laufen, danach gäbe es kein Zurück mehr.
        Es heißt, die welt hat ihre Klima schon mehrfach geändert. Das kennen wir ja auch schon aus der Geschichte. Jedoch wäre das Tempo heut zu rasant, als dass sich Lebenwesen und Umwelt darauf einstellen und umstellen können.

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      • der ganze mist hängt doch zusammen. man kann das klima nicht von der umweltzerstörung und unserer materialistischen lebensweise trennen. wir quälen und morden tagtäglich unsere mitgeschöpfe auf der erde. es muss doch jedem idioten einleuchten, dass unser rücksichtsloses verhalten mittel- bis langfristig konsequenzen haben wird… also negative konsequenzen für uns selbst.
        klimawandel hin- oder her… das ist nur ein weiteres symptom einer krankheit, die sich „mensch“ nennt.

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      • also das kann ich so auch unterstreichen. Es wird noch viele Generationen dauern, bist sich die „Dämlichkeit“ in den Köpfen der Menschen komplett eingeschrumpft ist oder nur noch unbedeutend winzig klein geworden ist 😀

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