Affenzirkus

Workshop zum Wochenstart. Eineinhalb Tage Spielchen in großer Runde gemixt mit Binsenweisheiten. Zwei weibliche Coaches, ich schätzte sie Mitte Vierzig, wollten uns aus der Reserve locken – natürlich alles zu unserem Besten. Ach ja, wir versprachen uns, dass alles im Raum bleiben sollte. Viel gibt`s dazu von meiner Seite auch nicht zu sagen, außer dass es emotional recht anstrengend war. Das meinten auch die Hühner, denen das Gackern stellenweise im Halse stecken blieb. Das Ganze war als teamfördernde Maßnahme von der Geschäftsleitung angedacht. Der Arbeitgeber macht sich Sorgen um unsere psychische Gesundheit. Oder anders gesagt: Der Krankenstand ist ziemlich hoch, und es gab zwischen den Hühnern ein paar Zwistigkeiten. Aber muss man auf jeden Zug springen, bloß weil es in der affigen Arbeitswelt gerade Mode ist? Was für ein dämlicher Affenzirkus das!
Okay, der Käs ist gegessen. Nun wieder Business as usual.
Ein Wochenende, an dem die Temperaturen nochmal zum Seele pflegen in den Biergarten einladen. Sehr wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr. Ich habe weiche Knie. Keine Ahnung, was mit mir los ist. Mein Selbstbewusstsein fährt Achterbahn.

12 Gedanken zu “Affenzirkus

    • danke!
      ich dachte bei mir: womit man heutezutage alles geld verdienen kann… irre! wer hat sich diesen mist nur ausgedacht? hauptsache psychomatsch. ein bisschen die köpfe der teilnehmer durcheinander rühren und mit ein paar neunmalklugen sätzen kommen. und die geschäftsleitung kann proklamieren, dass sie was fürs team tat. und wir (das team) sind hernach total geplättet mit einer million fragezeichen im kopf. na ja, ich will nicht zu sehr lästern: möglicherweise brachte es einigen hühnern was.
      dir auch ein schönes wochenende!

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      • Bei uns brachten die erarbeiteten „Lösungen“ nur kurzfristig etwas und vieles haben wir uns auch einfach aus den Fingern gesaugt, weil die Seminartante partout ein tolles Ergebnis haben wollte. In unserer Abteilung war nämlich eigentlich alles in Ordnung, aber irgendein Haar in der Suppe musste ja zu finden sein, damit das alles überhaupt einen minimalen Sinn ergab.

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  1. „Vulven malen“ auf dem Kirchentag, „mit Muscheln basteln“ als Vorbereitung für den Berufswiedereinstieg bei Hartzern, „Eierlaufen“ bei Milou – ich glaube da sind wieder Berufslobbys der Branche „irgendwas mit Psyche“ am Werk, die sich damit unentbehrlich machen wollen. …und unreflektierte Chefs, die daran glauben (wie als Kind an den Osterhasen).

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    • hach, wie menschlich doch alles ist! spürt ihr auch diese menschenliebe? mein gott! alles ist so wunderbar!
      seit zwei monaten haben wir eine neue reinigungskraft, der unsere büros, die küche und die toiletten putzt. wir nennen ihn „putzmann“, ein mexikaner…, ein lustiger typ. bei jeder gelegenheit sagt er: „arbeit macht spaß! feierabend – iiiihhh!“ …

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    • das hat, denke ich, sowieso niemand von uns geglaubt. bla-bla halt. aber man arrangiert sich, um keinen eklat zu verursachen. es war eine pflichtveranstaltung. augen zu und durch. gut gemacht, arbeitgeber! in meinen augen eher kontraproduktiv. aber gut, ich komme mit meinen kollegen/kolleginnen ganz gut aus. daran hat dieser affenzirkus nichts geändert.

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  2. Hört sich nach Supervision an. Die Idee dahinter ist nicht schlecht, denn Konflikte innerhalb des Teams können so belastend sein, das Mensch, je nach Sensibilität,daran erkranken kann. Rückblickend habe ich später festgestellt, dass ich mich aus dem Team zog – Krankschreibung – wegen der zahlreichen Konflikte, die um mich herum brauten und tobten. Ich musste erst mal raus und durchatmen können. Heute kann ich mich besser abschirmen und habe genug Erfahrung, um alles besser einordnen zu können.

    Aus Distanz erkannte ich, dass damals die Kollegen 50% ihrer Arbeitskraft dafür aufwendeten, auf ihre Art die Konflikte zu lösen. Und je höher die Instanz war, je spitzer waren die Pfeile. die auf unliebsame Kollegen geschossen wurden.

    Was ich heute weniger gut finde, ist, das ein junger Coach sich vor die Leute stellt. Es sollte ein Mensch mit viel Lebenserfahrung sein und der die entsprechende Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlen kann. So was, wie ein Häuptling bei den Indianern. Statt dessen schicken man „Hühner“ , die vielleicht selber in Konflikten leben, in die Teams. Sie stehen ja selber noch mitten im Leben und das Leben ist ja immer mit Konflikten beladen.

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    • Das Ganze lief unter „Workshop Teambildung und Entwicklung“ oder so ähnlich. Wir sind inzwischen ein relativ großes Team, wo es schon mal knistert. Auch gab es zwei Personen, die sich gemobbt fühlten… Mein Ding sind solche großen Runden nicht. Probleme berede ich lieber und zielführender im kleinen Kreis mit den Betroffenen.
      Dieses neunmalkluge und oberflächliche Geschwätz spare ich mir gern. Aber gut, die Geschäftsleitung dachte, wir hätten es nötig.

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