Once Upon a Time in Hollywood

Greifswalds einziges Kino lag etwas versteckt im einzigen Shoppingcenter ganz oben. Ich mag lieber die alte Sorte Kino und nicht diese sogenannten Kino-Center, aber die haben leider wie die guten alten Kneipen inzwischen Seltenheitswert.
Nichtsdestotrotz freute ich mich auf den neuen Tarantino als abendfüllende Unterhaltung, denn ich wollte so früh nicht zurück ins Hotel… Und, was soll ich sagen: der Film enttäuschte mich nicht. Ich hatte im Vorfeld gehört, er sei etwas langatmig. Nein, das war er in meinen Augen gar nicht. Natürlich war er mit 161 Minuten lang. Und es gab nicht so viele Gewaltszenen, wie man es aus anderen Tarantino-Filmen kennt. Aber als das Licht anging, wunderte ich mich, dass schon Pause war. Ich mochte, was ich auf der Leinwand sah, wie mit Tarantino typischer Ironie ein Bild auf das Hollywood der Siebziger geworfen wurde. Dabei konnten sich die beiden Hauptprotagonisten Brad Pitt und Leonardo DiCaprio prima selbst auf die Schippe nehmen. Die Geschichte mit den Hippies um deren Leitwolf Charles Manson, welche in einem brutalen Verbrechen gipfelte, war aus meiner Sicht lediglich ein Spannungsfaden, der in das Szenario künstlich eingeflochten wurde. Es ging in der Hauptsache um das menschlich kaputte Hollywood dieser Zeit (wie es z.B. Bukowski in seinem Roman „Kaputt in Hollywood“ treffend beschrieb). Es ging um Figuren, die den Bodenkontakt verloren hatten. Zum einen die Schauspieler und Regisseure, die dem Geld- und Anerkennungswahn verfallen waren – und gewisserweise passend dazu die Hippies (auf eine ähnliche Art irre), die im Drogenrausch kranken Ideen und Idolen folgten. Als dann in der Schlusssequenz diese beiden Welten aufeinandertrafen, konnte es nur höllisch werden. Höllisch sarkastisch und zerstörerisch. Es blieben nur Witzfiguren… Die Gewalt war eine Farce. Der Film endete ganz nach meinem Geschmack.
Danke Tarantino.

16 Gedanken zu “Once Upon a Time in Hollywood

  1. Schön war auch die Szene mit Bruce Lee. Ich fand ihn für einen Tarantino überwiegend sehr ruhig, aber auch für mich verflog die Zeit ziemlich schnell, gelangweilt habe ich mich jedenfalls nicht. Und das Ende…ja, das war wieder ganz Tarantino.

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  2. Vielleicht sollte ich diesen Film zum Anlass nehmen, nach fast einem Jahrzehnt diesbezüglicher Abstinenz mal wieder ins Kino zu gehen… Der Letzte Film, für den ich im Kino war, war 2010 der Banksy-Film „Exit Through the Gift Shop“…

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      • Na, ich glaube die Abstinenz dauert schon so lange an, weil es hier in der Nähe nur solche Multiplex-Scheiße gibt, mit üblem Publikum und noch üblerer Filmauswahl… Als ich vor einigen Jahren in der gelobten Stadt wohnte, gab es dort noch zahlreiche kleine Programm-Kinos. Eines davon war sogar noch ein „Raucher-Kino“ (dort sah ich dann passenderweise Jim Jarmuschs „Coffee and Cigarettes“).
        Die wirklich guten Filme sehe ich dann halt etwas verspätet auf DVD – eventuell werde ich demnächst auch mal streamen (ich bin immer super spät dran mit der Nutzung neuer Technologien)…

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      • ich gehe auch nicht allzuoft ins kino, mehr zum zeitvertreib, wenn es regnet oder ich zeit totschlagen will. gut, wenn dann was läuft, was mir gefallen könnte.
        in den wintermonaten gehe ich naturgemäß öfter ins kino als im sommer.
        so war der kinobesuch in greifswald mein erster seit monaten.
        ja, ich mag diese kinopaläste auch nicht, aber das schrieb ich ja schon.

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