Tja

Anscheinend wurde ich bei meiner Fahrt durch Polen derart durchgeschüttelt, dass nun eine Taste meines Outdoor-Smartphones (von mir unbemerkt) abfiel. Ärgerlich, da ich das Teil erst vor einem Jahr kaufte. Ich werde es wohl einschicken – schließlich habe ich Garantie drauf.
Nachher bei der Morgentoilette werde ich mich mal etwas sorgfältiger im Spiegel betrachten. Kann ja sein, dass an mir auch etwas abfiel. Ein Ohr zum Beispiel, oder so ein anderes Kleinteil…
Nein, ganz im Ernst: Oft bemerkt man kleine Veränderungen erst nach Tagen oder Wochen. Dazu zwei Beispiele: Erst einige Monate nach dem Einbruch (November 2015) fiel mir in einem hellsichtigen Moment auf, dass der Einbrecher auch das Sparschwein mit dem Kupfergeld mitgehen ließ. Eigentlich war es vom Bett aus gesehen gut sichtbar auf dem Kleiderschrank gestanden.
Und aktuell, als ich wie jeden Werktag in der Kupferkanne meine Mittagspause machte, beim Bier verträumt auf die Steinmetzstraße schaute, wurde mir plötzlich gewahr, dass die eigentlich unübersehbare Litfaßsäule verschwunden war. Ich sprach Gabi, die Bedienung, darauf an, und sie sagte, dass die schon einige Tage weg sei. Auch sie hatte es nicht gleich registriert.
Typisch Wahrnehmungspsychologie – wir kriegen weniger mit, als wir denken, und unseren Erinnerungen dürfen wir sowieso nicht vertrauen. Vieles ist vom Gehirn getürkt.

21 Gedanken zu “Tja

  1. Mir wäre es wie dir gegangen. Mittwoch morgen gab es schräg gegenüber von unserem Haus einen Polizei- und Feuerwehreinsatz. Ein Autounfall war es wohl. Am nächsten Tag schien mir an der Stelle alles normal. Erst, als man mich auf den dortigen Baum aufmerksam machte, fiel mir auf, dass die Krone fehlte und der Stamm völlig aufgespalten war. Die Krone lag einige Meter weiter auf einem unbebauten Grundstück, die habe ich gestern Abend erst gesehen! In meinen Gedanken hatte die Feuerwehr sie mitgenommen. Es hieß ja in der Zeitung „Die Feuerwehr beseitigte die abgebrochenen Reste.“
    Wahrscheinlich ist das eine Schutzfunktion unseres Gehirns. Wenn wir immer alle Unterschiede in unserer Umwelt bemerken würden, wären wir wohl bald „überladen“. Ob Baum oder Litfasssäule da sind oder nicht, ist für das Menschtier nicht (über-)lebenswichtig.

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      • wir menschen sind heute derart detailversessen, dass wir den wald vor lauter bäumen nicht mehr sehen – also genau umgekehrt… wir sehen nicht mehr den gesamtzusammenhang, weil wir durch die spezialisierung unseres wissens und unserer wahrnehmung blind für das große ganze sind.

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  2. Damit meinst du die Informationsflut durch die Medien, oder? Davor muss man sich wirklich schützen. Da findet das oben genannte „Überladen“ statt. In Wirklichkeit sind wir nicht so. Sonst hätten wir Baum und Litfasssäule bemerkt.
    Btw. Der Erfinder der Säule hieß und schrieb sich Litfaß. Wäre „Litfaßsäule“ nicht die richtige Schreibweise? Hm… Noch so ein nicht lebenswichtiges Detail.

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    • indirekt – ich meine die spezialisierung in beruf, wissenschaft und auch in unserem denken (in unserer sprache).
      das merkt man z.b. daran, dass wir ständig alles mögliche ergoogeln müssen. wir sind ohnmächtig gegenüber der geballten wissensflut – wobei das meiste wissen irritiert oder für den arsch ist.
      ich arbeite z.b. im bereich der medizin, wo ich oft das gefühl der überforderung habe, weil alles unendlich komplex ist und sich im ständigen fluss bzw. progress befindet.
      die richtige schreibweise von „litfaßsäule“ – jetzt hast du mich verunsichert….

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      • Oh, daran hatte ich nicht gedacht. Ich befinde mich gerade in Erwerbsunfähigkeit und kann mich davor diesbezüglich einigermaßen schützen. Allerdings bin ich durch meine Erkrankung (Nierenisuffizienz und Transplantation) den verschiedensten Ansichten und Meinungen ausgesetzt – von konservativ bis völlig ungebunden. Das stresst mich ungeheuer, weil ich als Laie gezwungen bin, mich mit Informationen und Entwicklungen auseinanderzusetzen, die nichtmal Fachleute einhellig beurteilen. Da ist die Überforderung definitiv da.

        Litfaßsäule – als Deutschliebhaber musste ich das jetzt wissen und habe gegoogelt (was sonst?) – wird weiter mit ß geschrieben, weil es sich bei Litfaß um einen Eigennamen handelt. Solche unterliegen nicht den Rechtschreibregeln und werden deshalb nicht in Reformen einbezogen. 😊

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      • als laie ist man gerade in der medizin total überfordert. und das ist furchtbar für die betroffenen, wo es unter umständen um leben oder tod geht. da fehlt es oft an sensibilität und sprachlicher bildung bei den fachleuten. außerdem nehmen sich viele ärzte viel zu wenig zeit für den patienten. es besteht keine persönliche beziehung wie früher zum hausarzt. der patient ist einer behandlungsmaschinerie ausgeliefert… scheiße das. auf der anderen seite wüsste ich bei dieser massenversorgung auch keine alternative.
        nur die reichen leute können sich leisten, was wir uns eigentlich für jeden menschen wünschen.

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      • Ja, das erlebe ich andauernd. Es schadet auf jeden Fall der Psyche, wenn nicht auch organisch. Von zu passiven Ärzten bis hin zu übereifrigen habe ich alles schon erlebt. Wenn man dem als Patient ausliefert und nicht eigene Informationen einholt, kann das ein schlimmes Ende für einen haben.

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      • da muss ich dir leider zustimmen. es ist auch glückssache, an wen man gerät. wenn`s dumm läuft, gerät man an den falschen… ; und ist das kind dann in den brunnen gefallen, und man fordert schadenersatz, kann man eine ähnliche scheiße auf juristischer ebene erleben. nur wenige werden alt genug, um in den genuss einer entschädigung wegen einer nachgewiesen fehlerhaften behandlung zu kommen… es ist irre! man verliert gleich doppelt!
        aber das ist die welt, in der wir heute leben – sie ist geldbestimmt. menschenleben haben nur einen wert, wenn es sich um prominente handelt.

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      • Ja, das ist wirklich traurig. Mit Schadensersatzkram verschwende ich keine Zeit. Das bringt eh nix. Lieber versuche ich es jetzt anders zu machen und selbst auf mich aufzupassen. Da hat der Zeitaufwand wenigstens einen Sinn.

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      • diese schadensersatzsachen kriege ich ab und zu über die medien mit – seeeeehr frustrierend für die opfer. ich hätte für sowas auch nicht die geduld und nerven, sowieso nicht die kohle.
        ich hoffe, dass ich persönlich so lange wie möglich nicht das erleben muss…, was ich damals z.b. als pflegekraft in der altenpflege mitbekam etc.
        aber gut, ich bin ja nun schon scheiß alt – bleibt die hoffnung, dass es schnell geht.

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      • Diese Hoffnung hat wohl jeder. Ich auch. Bei mir ist die Lebenserwartung durch die Krankheit eh herabgesetzt, da hoffe ich, dass mir das Pflegeheim erspart bleibt und ich vielleicht einfach durch die Nebenwirkungen der Dialyse den Löffel abgebe.

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      • Mach dir keine Sorgen, alles gut! ☺️ Ich bin nur realistisch und weiß, dass die Spendernieren nicht ewig halten. Insofern habe ich einfach weit in die Zukunft geguckt!

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      • Schlechter geht immer. Besser wäre aber auch gegangen. Aber nun ist es, wie es ist.
        Wenn du alt bist, nehmen sie deine Organe auch nur noch für Alte. Wenn überhaupt. Mach dir da mal keinen Kopf mehr. 😉

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      • ich dokumentiere jeden tag einige dutzend krebsfälle… wenn ich mir da immer einen kopf machen würde. aber mit einem menschen zu reden, der direkt von einer doofen krankheit betroffen ist, ist eben was anderes.

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