Was machte ich in Posen?

Ich lief mir Blasen. Dachte mir, bevor ich in Berlin mit dem Finger in der Nase steckenbleibe – mal was anderes sehen. Mit dem EC waren es dreieinhalb Stunden. Recht komfortabel. Auf der Hinfahrt reiste ich 1. Klasse, weil so kurzfristig nichts anderes zu bekommen war. Für Zeiten wie Ostern sollte man am Besten schon etliche Wochen vorher wissen, wohin man seinen Arsch bewegen will. Ich haderte damit zu lange. Der Typ im Reisebüro war noch nicht mal fähig, ein Zimmer für mich zu finden. Ein Problem war, dass ich nicht im Besitz einer Kreditkarte bin, weil bei der Buchung übers Internet zumeist eine Kreditkartennummer verlangt wird. (Ich hasse Kreditkarten!) Okay, ich besorgte mir ohne den inkompetenten Heini vom Reisebüro ein Zimmer. Muss ja nicht das Sheraton sein. Über Booking.com kam ich zu einer Pension, wo ich für die zwei Nächte nur gut 40 Euro berappte, freilich ohne Frühstück, und Toilette auf dem Flur.

„Nur das Teuerste ist gut genug“, meinte die Schaffnerin provokant, als sie meinen Fahrschein begutachtete. Ich war perplex über ihren Spruch und musste erstmal schlucken. „Ich kriegte nichts anderes mehr“, erwiderte ich verärgert und verwundert zugleich. Was meinte diese Person damit? Sie arbeitete doch selbst in diesem Verein, der mir das Erste-Klasse-Ticket quasi aufgenötigt hatte. Am liebsten hätte ich mit ihr eine Diskussion angefangen, aber sie knipste bereits die nächsten Fahrkarten ab… Ich trat ihr in Gedanken in ihren hässlichen dicken Arsch.
Gefühlt war die Reise ziemlich kurz. Ich hörte meine Lieblingsmusik über Ohrstöpsel und trank Dosenbier. Als ich ankam, hatte ich ein paar Orientierungsprobleme. Überall Polen, noch viel mehr als in Berlin. Aber ansonsten sah es auf den ersten Blick nicht viel anders aus.
Ich war in Posen – was machte ich allein in Posen? Egal. Man muss doch ständig irgendetwas machen. Nach kurzem Herumirren fand ich die Pension. Alles war gut. Ich wollte sowieso gleich wieder raus. Der Tag war sonnig wie das gesamte Ostern. Ich schlappte drauflos…

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20 Gedanken zu “Was machte ich in Posen?

  1. keine ahnung, warum sie gerade mir gegenüber diesen spruch absonderte… wirkte ich arrogant auf sie? und wenn – warum? das verwirrte mich. leider bin ich selten schlagfertig genug, um sofort eine spritzige antwort auf den lippen zu haben.

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  2. Was auch immer die hatte….ich bin kürzlich auch 1.Klasse gefahren, teilweise ist das gar nicht so viel teurer. Und wenn das schon „das Beste“ ist, hat die Bahn echt nicht viel zu bieten….😉….man hat halt etwas mehr Platz, wenn man allerdings Pech hat, ist es genauso voll wie in der 2. Klasse, mehr Service gibt es auch nicht immer, und die Schaffner sind auch nicht netter…..
    Es gibt viele Polen in Polen? 😄…..wer hätte das gedacht….!😄

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    • Keine Ahnung, was diese Trulla mit mir hatte… Abgehakt. Wenn man einen Sparpreis erwischt, kommt man auch in der 1. Klasse mal günstig zu einem Platz. Ich war froh, dass ich für Karfreitag überhaupt noch dieses Ticket kriegte.
      Ja, es gab erstaunlich viele Polen in Posen, relativ mehr als Deutsche in Berlin.

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  3. Das war eine feine Idee hinzufahren. Zu solchen Kurz-Aktionen, die auch einer gewissen Vorbereitung bedürfen, kann ich mich leider fast nie aufraffen.

    Schön, dass du auch Pol_innen gesehen hast. Wirklich erfrischend, mal nicht von Deutschen genervt zu werden.

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