Lethargischer Blick in den Sonntag

Die Chinesen sind uns sechs Stunden voraus. In Shanghai fand der Der Große Preis von China statt. Sieger mal wieder Hamilton, Bottas auf Platz Zwei, Vettel Dritter. Nichts Aufregendes – im Prinzip die Fortsetzung der letzten Saison. Ferrari kriegt die Kurve nicht, und Mercedes zieht davon. Ich mag den bodenständigen Vettel lieber als den Sunny Boy Hamilton. Ich würde Vettel mal wieder einen Sieg gönnen. Aber es soll nicht sein. Nicht seine Zeit, nicht die Zeit von Ferrari.
Unruhig wie ein Tiger im Käfig wandere ich durch die Wohnung, wische das Blut auf, lüfte, putze da und dort Staub. Draußen pisst es. Das Pflaster glänzt vor Nässe. Scheiße aber auch! Am Abend stieß ich im Dunkeln brutal mit dem linken großen Zeh an eine Möbelkante. Autsch! Ich bemerkte zuerst gar nicht, dass ich wie ein Schwein blutete. Notdürftig umwickelte ich die Wunde mit einem Kleenex Tuch und lagerte das Bein hoch, aber da hatte ich bereits eine anständige Blutspur hinterlassen.
Ich schalte den Fernseher wieder aus und meinen Lieblingsbluessender Aardvark an. Der läuft eigentlich immer, wenn ich nicht gerade in die Glotze schaue. Ab und zu höre ich auch meine Lieblingsmusik auf Spotify, nur stören mich die bescheuerten, überlauten Werbeeinblendungen. Trotzdem werde ich nie ein Bezahl-Abo eingehen. Auch nicht auf WordPress oder einer anderen Plattform. Scheiß Kapitalisten! Sie wollen einen weichkochen – aber nicht mit mir! Ich weiß, sie haben die Welt längst im Sack. Widerwillig schaue ich mir ihr Drecksspiel an. Auch mich halten sie freilich an der Leine, aber zähmen werden sie mich nie!
Um etwas Gemütlichkeit aufkommen zu lassen, zünde ich ein paar Kerzen an. Dann gehe ich auf eine Porno Seite und hole mir einen runter. Bedürfnisse müssen befriedigt werden. Ist doch nichts dabei. Noch geht`s… Noch genieße ich das bisschen Freiheit, das ich hier in Berlin habe. Wenn erstmal die Chinesen die Kontrolle übernehmen, hat sich das auch. Die Chinesen sind groß im Kommen. Sie streben die Weltherrschaft an – da bin ich mir ganz sicher! Die Zukunft wird ein weltumspannender chinesischer Kakerlaken-Staat sein. Sie krabbeln bereits zu Tausenden durch Berlin – wie ferngesteuert – und kundschaften aus, was ihnen sowieso bald gehört.
Ich bin kein besonders ängstlicher Mensch. Ich frage mich nur in aller Regelmäßigkeit: Wozu das alles? Wozu die materialistischen und ideologischen Perversionen menschlichen Treibens? Wer hat uns ins Gehirn gekackt??
Ich suche die Zeitanzeige auf der Fußleiste meines Notebooks. Ich warte, bis eine Minute rum ist. Ich warte auf die nächste und übernächste Minute. So geht das. Das ist Zeit. Darum sitze ich hier. Es ist meine Lebenszeit.

8 Gedanken zu “Lethargischer Blick in den Sonntag

  1. In meinem alten Blog hatte ich mal eine Animation erstellt, wie ich vor einem riesigen Ladebalken sitze und diesen auf den Tod (100%) wartend anstarre… Im Prinzip ist es das: Man wartet darauf, dass alles irgendwann „completed“ ist. Auf den letzten Atemzug, mit dem man dann 100% der vorgesehenen Lebenszeit erreicht hat…
    Ich glaube, Chinesen ist es genetisch unmöglich so zu denken, so passiv-lethargisch-desillusioniert. Sie scheinen mit einem erheblichen Anteil von Ameisen-Genen ausgestattet zu sein. Strebsam zum Wohle des Haufens. Deshalb werden sie irgendwann alle anderen überwallen…
    Gute Zeh-Besserung.

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    • als individualist und künstler ist mir die chinesische ameisen-art fremd sowie unsympathisch. bei den chinesen ist die „gleichschaltung“ besonders ausgeprägt (warum auch immer). kapitalistische oder ideologisch fremdgesteuerte zombies haben wir überall auf der erde. jahrhundertelang kämpften die menschen um ihre freiheit, nun geben sie sie für ein apple und ein ei wieder her. und die allermeisten merken gar nicht, wie sie ihre seele peu à peu verkaufen. sie werden von geburt an ferngesteuert bzw. manipuliert. das ganze ist eine schande für den menschlichen geist.

      mein zeh schmerzt inzwischen nicht mehr. er grinst mich in zeh-manier frech an und meint, ich hätte nicht alle tassen im schrank.

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  2. Ich fand Formel1 früher spannender, als alles noch weniger durchcomputerisiert war.
    Gleichschaltung hat viel mit Angst zu tun, denke ich; je ängstlicher das Individuum, und damit unsicherer, desto mehr bemüht es sich um Sicherheit verheißenden Gleichklang mit anderen.
    Dann wären Chinesen ein sehr angstgesteuertes Volk, unterbewußt.

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    • ich fand die formel 1 noch nie besonders spannend…, eher entspannend, wenn man vor der glotze sitzt. ein bisschen blala dazu und ein bier süffeln, einfach zur ablenkung von all dem anderen scheiß. wenn schon zu tote langweilen dann mit der formel 1 oder der bundesliga.
      ob die chinesen ein besonders ängstliches völkchen sind… keine ahnung. dafür spräche, dass sie diese opulente mauer bauten…

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      • Das FahrGeräusch der Boliden erinnert mich an die Sonntage meiner Kindheit 😉
        Fußball ist höchstens beruhigend wegen dem ganzen Grün, aber da schaue ich lieber aus dem Fenster, Fußball mag ich echt nicht so 🙂
        Aber so zum Runterkommen so etwas schauen, ja,… ich weiß, denke ich, was Du meinst.

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      • bei sportsendungen fast aller art denke ich an meine kindheit, d.h. an stinklangweilige sonntage, an denen nichts anderes im tv kam. morgens die rappelkiste, und danach sport bis zum abwinken: biathlon, skispringen, springreiten, dressurreiten, eiskunstlauf… was hab ich mir als teenie nicht alles an öden sonntagen reingezogen.

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