Viele Alltagssituationen sind schwer in Literatur umzusetzen

Es kommt vor, dass ich beim Bier in der Kneipe sitze und wie aus dem Nichts taucht ein Satz vor meinem geistigen Auge auf. Keine Ahnung woher. Man sinniert im Zigarettendunst vor sich hin, gegenüber das Spirituosenregal…, im Ohr das Gebabbel der anderen Gäste, ohne zuzuhören, – ist also völlig in sich versunken… und plötzlich taucht ein Satz auf, eine Aussage zu irgendwas, ein Furz des Hirns, eine Sternschnuppe, die hinter der Stirn aufblitzt, um sofort wieder zu verblassen, wenn man sie nicht festhält. Früher trug ich darum immer einen Notizblock mit mir rum, heute hat man Smartphone.
Im Folgenden einige dieser Sätze aus den letzten Wochen. Der Titel dieses Beitrags gehört auch dazu. Es geht nicht um die Aneinanderreihung geistiger Glanzleistungen. Dazu fehlt es mir an intellektueller Grundausstattung. Sie sind mehr so was wie Farbsprenkel in Worten.

Warum kann ich mich nicht an meine Zukunft erinnern? (19.02.2019)

Der Spiegel zeigt dir den Teufel. (19.02.2019)

Fußball: Wir schauen zu, wie sich zwanzig Typen den Arsch aus der Hose rennen. (16.02.2019)

Mit dem Schwanz in einer Frau drin zu sein, hat schon was. (16.02.2019)

Gelesen: Angeblich erkennen Frauen die Stärke eines Mannes an seiner Stimme. (05.02.2019)

Die Sehnsucht der Materie nach Geist… (03.02.2019)

Ich glaube an die Quantenphysik. (27.01.2019)

Und wenn es nur ein Irrlicht ist, so ist es doch mein Leben. (25.01.2019)

Frauen sind Gefühlskapitalisten. (18.01.2019)

Wie muss ein Raum beschaffen sein, damit er Bewegung zulässt? (11.01.2019)

Ich meine, Sex sollte nicht in Arbeit ausarten. (06.01.2019)

Ich verstand nie, dass sich Frauen, die wesentlich mehr Ehrgeiz als ich hatten, auf mich einließen. (29.11.2019)

Früher klangen die Stimmen anders. (17.11.2019)

20 Gedanken zu “Viele Alltagssituationen sind schwer in Literatur umzusetzen

  1. Manches Bonmot darunter… 👍😁 Meinte der letzte Aussprecher die Stimmen im eigenen Hirn, als er befand „früher klangen die Stimmen anders“ – oder doch die seiner Mitmenschen in summa? Denn der Spruch ließ mich wirklich gerade aufmerken – die Art, wie miteinander geredet wurde, war früher tatsächlich eine andere! Wacher, fokussierter, weniger vernuschelt bzw. pseudo-theatralisch, echter, reflektierter, druckvoller, lebendiger und lebensklüger. Heute wird luschiger und weicher geredet, oft auch inhaltlich verkürzter und wortärmer – oder aber es wird bewusst inszeniert. Gerade jüngere Frauen reden oft, wie die Synchronisation von Hollywoodfilmen, wenn sie extrovertiert sind und nicht schüchtern-vernuschelt. Die Kerle klingen weicher, harmloser, als früher. Labern mehr und schweifen ab. Oder sind auch anders wortkarg, als früher – eher verstockt wortkarg, als souverän wortkarg… Ja, früher war der kommunikative Sound der Menschen irgendwie anders gestimmt.

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  2. auch die stimmen selbst, wenn ich alte filme gucke oder alte hörspiele höre. mag sein, dass das an der technik liegt, aber nicht nur. ich meinte ja nur, dass die stimmen in einiger hinsicht anders klangen. auch die optik war eine andere. daran kann ich mich sogar noch dunkel in meinem leben erinnern. es gab auch andere gerüche. ich will nicht bewerten, ob es früher besser war. ich wundere mich nur, wieviel sich innerhalb weniger jahrzehnte änderte – in jeglicher hinsicht. für mich ist es schwer, dieses gestern, das noch gar nicht so lange her ist, mit dem heute zu verbinden.

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    • So gehts mir oft auch. Irre, wie kurz es erst her ist, dass wir eine völlig andere Zeit mit anderen Werten und einer anderen Gesellschaft hatten…
      Philomenas Vater packte seine beiden Töchter im Kindergartenalter aufs Motorrad und knatterte mit ihnen ohne Helm durch die Siedlung. Heute wäre das Auslöser für einen Polizeigroßeinsatz, eine Flut von überregionalen Pressemeldungen und den Einsatz eines Trauma-Interventions-Teams von Kinderpsychologen…

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      • also, an mir lag`s nicht, dass alles so grauenhaft überkompliziert, überempfindlich und überreglementiert wurde. an dir sicher auch nicht.
        scheiße, wer war da nur am ruder, und von welchen schwachköpfen wurden diese typen gewählt? also von mir nicht.

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      • In Kindergärten wird erschreckenderweise schon „Soap“ gesprochen. Dramatische, dem Alter der Kinder absolut nicht entsprechende Sätze. Selbst gehört. Da darf man 3mal raten, was das Lieblingsprogramm der Mutter ist. Gerüche… Kochwäsche, Kohleintopf, Holz,-und Kohleöfen… alles fast weg, der massive Geruch von Frühling fehlt in der Stadt. Außerdem wird die eigene Nase älter und schlechter.

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      • Ist ganz normal, dass Kinder zu allen Zeiten nachplappern, was sie hören… Mich beschäftigt der schnelle Wandel von Sitten, Sprachgewohnheiten und Moden. Überall auf der Welt. Die Menschen kommen nicht mehr hinterher. Es entsteht eine Verzerrung von Oberfläche/Form und Inhalt, und das halte ich nicht für gut.

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      • Ich weiß nicht, wo ich das mal gelesen hatte: Ein alter Indianer, zum ersten Mal in einem Auto, bat den Fahrer, anzuhalten.
        Als dieser ihn fragte, warum er denn anhalten wolle, antwortete der Indianer „Damit meine Seele nachkommen kann.“
        Damals dachte ich zum ersten Mal richtig darüber nach, wie schnellebig alles wurde. Und ob ich überhaupt immer hinterherkomme oder es schon zu schnell ist. Und das war in der 80ern……

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  3. … früher war vieles anders, diese Empfindung liegt wohl an der zeitlichen und räumlichen Distanz, die wir uns volens nolens verschafft haben.

    Hey und Gruß nach Berlin!

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  4. Ich finde in diesem Zusammenhang gut, was sangsalavela schreibt – die Seele kommt der schnellen Bewegung und den vielen Veränderungen nicht mehr hinterher. Dies hat meiner Meinung nach zur Folge, dass die Welt immer oberflächlicher wird…

    Was hat dich denn mal wieder auf mein Blog verschlagen? Freut mich.

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  5. Stimmt, anstrengend ist es schon, noch anstrengender wäre mir Stunden im Büro abzusitzen. Manch alter Rettich braucht mal auch ab und zu etwas Bewegung 🤣
    Gruß in deinen Tag.

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