Quälende Fragen und Frühling für Depperte

Man kann das Weltall einfach nur als monströse und kuriose Ansammlung von Raumzeit und Materie ansehen. Jedoch warten vereinzelt Wissenschaftler mit fantastischeren Sichtweisen auf. Fakt ist, dass sehr vieles im Universum sprichwörtlich im Dunkeln liegt. Ich empfinde das Dasein als eine Einladung an die Fantasie. Nur knallharte Materialisten können der Anziehungskraft des Fantastischen widerstehen. Bei manchen mutet es wie ein krampfhaftes sich sträuben gegen alles, das nicht in ihre Köpfe passt (was sie sich nicht erklären können) an. Ich erinnere mich noch gut an die Nachmittage, als ich bei meiner Mutter in der Küche saß und wir über Gott und die Welt fabulierten. Der Vater schaute kurz bei uns rein, winkte grinsend ab und verzog sich wieder. So was hatte nichts mit seiner Realität zu tun. Er tat das Nachdenken über solch geistige Dimensionen als Spinnereien ab. Er wurde regelrecht verlegen, wenn wir ihn zu Themen wie Liebe oder Glauben ansprachen. Ich verstand nie, was in seinem Kopf vorging. Wie konnte er das alles ausblenden? Ich glaube, er hatte Angst, sich im Irrgarten des Unwägbaren zu verlieren. Und in der Tat gibt es auf der Welt nicht wenige Zeitgenossen, die sich in abstrusen Ideen und Ideologien verirren, – die sich mangels eigener Gedankenkraft von großmäuligen Heilsverkündern (oder Religionen) einwickeln lassen. So gesehen war mein Vater, der in seinem Leben nur wenigen einfachen Prinzipien folgte, ein weiser Mann. Es war für ihn nicht von Belang, ob es Gott gab oder nicht. Aber es gehörte sich, zu gewissen Anlässen in die Kirche zu gehen. Der gesellschaftlichen Konvention (dem Mainstream) musste man ungefragt folgen. Ich weiß nicht, ob er an irgendetwas glaubte. Er sprach nicht darüber. Noch heute rätsele ich über den Menschen, der mein Vater war…
Ebenso rätsele ich über die Welt, in der ich lebe, über das Universum, das Sichtbare und Unsichtbare, die unendlich vielen Kapriolen der Existenz. Was ist das alles? Wieso ist es da, und woher kommt es? Was habe ich damit zu tun? Wo ist mein Platz? An meinen Fragen änderte sich nicht viel seit damals, als ich bei meiner Mutter in der Küche saß und wir über das Dasein philosophierten. Vieles davon war sicher Spinnerei, aber es machte Spaß – es war schön, mit einer anderen Person über diese Dinge zu sinnieren. Ich fühlte mich verstanden, auch wenn die Fragen offenblieben, die ich stellte.
Nein, ich glaube nicht, dass das Universum (sozusagen) nur Staub ist. Es gibt Forscher, die es für ein Lebewesen halten oder für ein riesiges Gehirn… Alles könnte auch einfach nur Einbildung oder ein Märchen sein. Zum Verrücktwerden das Ganze. Ich sitze hier mit meinem unterbelichteten Verstand und stelle Fragen zu Sachen, die weit über mein Vorstellungsvermögen hinausgehen. Tut das not?

Langsam kommt das Wochenende in Schwung. Wie von den Wetterfröschen vorhergesagt wird es sonnig bei fast frühlingshaften Temperaturen. Also nichts wie hinaus in diese merkwürdige Welt, die sich (hier) Berlin nennt. Eine Spritztour mit dem Fahrrad zum Schlachtensee, bei einem frischgezapften Bier in die Sonne blinzeln und (fast) an nichts denken.

11 Gedanken zu “Quälende Fragen und Frühling für Depperte

  1. Vielleicht ist die Menschheit eine schlechte Reality-TV-Show zur Unterhaltung von Aliens? 😉
    Ansonsten grüble ich mehrere Stunden pro Tag über Grundsätzliches und Unendliches nach. Das Universum und die Teilchenphysik sind dabei ebenso oft Hauptthema, wie die natürliche Evolution. Wieso kommt in einer perfekten Welt ausgerechnet soetwas wie die Menscheit heraus? Stellen die Witwe Pachulke, Studienrat Meier-Rinnscheidt und Opa Scholz tatsächlich die „Krone der Schöpfung“ dar? Im gesamten Universum? Sind Trump und der Papst die mächtigsten Entitäten, die nach über einem dutzend Milliarden Jahren entstanden sind? Warum? Ist das nicht alles im höchsten Grade lächerlich? Sinnlos? Obszön? 🤨🥴😬😂

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  2. ja. mich macht es traurig und sogar ärgerlich, dass ich sterben werde, bevor ich die chance zu antworten erhalte. ich fühle mich in etwa so, wie sich ein schiff fühlen muss, das auf dem trockendock verrottet.
    da hilft nicht mal ficken. ich meine sogar, dass ich viel zu viel zeit mit ficken vergeudete.

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  3. ich traf bisher nur wenige menschen, mit denen ich gut über das universum und das dasein philosophieren konnte – so gut, dass wir dabei glatt die zeit vergaßen.
    auf den blogs entsteht fast nie solch ein ausführlicher und tiefgehender gedankenaustausch.

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  4. Ich kann zwar auch nicht die Rätsel des Universums lösen, aber in einem Punkt bin ich mir sicher, nämlich dass die menschengemachte Krücke „Gott“ nichts mit der Erschaffung zu tun hat. Logisch, Beweise habe ich nicht.

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  5. das sage mal einem gottgläubigen… soll sogar unter naturwissenschaftlern kirchgänger geben.
    gott ist außerdem nicht gleich gott – es kommt doch sehr auf die kulturbedingte verwendung des gottesbegriffes an.
    erklären kann ich mir die welt weder mit noch ohne gott.

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