Kurze Woche

Ich zog mich ins Schlafzimmer zurück, dessen Fenster zum Hof rausgeht, und schloss alle Zimmertüren. Einige Böller krachten trotzdem so laut, dass ich dachte, sie wären in der Wohnung explodiert. Gegen 1 Uhr ebbte der Lärm langsam ab. Ich schlief lange in den Neujahrstag hinein. Am späten Vormittag noch kaum jemand auf der Straße zu sehen. Ziemlich trist und nass draußen. Das Wetter haben wir schonmal aus dem alten Jahr mitgenommen. Ich bezog das Bett neu und stellte die Waschmaschine an. Ich lasse 2019 ganz langsam angehen. Ich habe mir nichts vorgenommen. Es kommt eh, wie`s kommt. Der Jahreswechsel ist ein willkürliches Datum, dem ich nichts abgewinnen kann. Man merkt nur wieder, wie die Menschen kollektiv auf solche Ereignisse konditioniert sind. Albern. Da fällt mir ein, ich habe den Kalender in der Küche noch nicht aktualisiert. Bei der Gelegenheit kann ich mir gleich überlegen, was ich heute esse.

Ich entschied mich für Spiralnudeln – schon mal Wasser aufgesetzt. Ich wandere von Fenster zu Fenster. Da wird die Straßenreinigung wieder was zu tun haben. Und in den Nachrichten lese ich von Unfällen wie nach jedem Silvester (z.B. „beim Böllern Hand abgerissen“. Das Idiotenkarussell dreht sich weiter: 2018, 2019… Okay, es gibt Schlimmeres als Weihnachten und Silvester, und offensichtlich haben sehr viele meiner Mitmenschen Spaß dran. Auch 2019 werden wir dasselbe Jahresabschlussprocedere erleben. Ist es nicht beruhigend, wenn man schon jetzt weiß, dass es am Ende wieder knallt? Sicher, nicht alle von uns werden es wieder erleben dürfen. Dafür einige zum ersten Mal. Wie war das überhaupt beim ersten Mal? Ich kann mich nur dunkel daran erinnern, dass die Erwachsenen beim Feuerwerk immer hin und weg waren. Sie standen um Mitternacht auf dem Balkon oder auf der Straße, und wir Kids durften dann auch mal gucken. Kapiert habe ich das Ganze aber nicht. Sie fanden es wohl irgendwie magisch – das heißt, die Frauen fanden es magisch, während die Männer einfach nur Spaß am Bumm-Bumm hatten.
Die Nudeln sind fertig. Gegessen wird aber erst später. Was sagt der Blick auf die Uhr? Das Neue Jahr ist bereits 12 Stunden alt. Wo nur immer die Zeit bleibt? Morgen zurück in den Büroalltag. Seid Ihr auch gut ins Neue Jahr gekommen? Na ja, wenigstens `ne kurze Woche.

8 Gedanken zu “Kurze Woche

  1. Seh ich genauso mit dem Jahreswechsel. Ein willkürliches Datum. In Wirklichkeit passiert da gar nichts, aber alle machen so ein Gewese drum. Bei uns gabs heute die Reste vom Raclette gestern: Bratkartoffeln. Wünsche Dir ein Gutes Neues Jahr!

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  2. danke, gute wünsche kann man immer gebrauchen. bei diesen masseweisen neujahrswünschen habe ich allerdings das gefühl, dass sie an wert verlieren, weil sie so oft ausgesprochen werden.

    ihr habt schon gegessen?
    bei mir gibt`s heute nudeln mit irgendeiner soße und hackbällchen. vor 16-17 uhr esse ich allerdings nie. mit vollem magen lässt sich meiner meinung nach nicht gut schreiben. immer wenn ich gegessen habe, werde ich faul – noch fauler, als ich sowieso bin.

    dir auch alles gute (unahbhängig vom neuen jahr)!
    (und grüße an schreibman!)

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    • In der Presse tauchten vor Silvester dieses mal aber sehr augenfällig gehäuft Kommentare auf, die von der Politik ein Böllerverbot forderten. Feinstaub, Rücksicht auf traumatisierte Flüchtlinge, Unfallgefahr, usw.. Denke die Grünen verbieten das, wenn sie demnächst mitregieren… 😉

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      • geböllert kann wegen mir in industriegebieten werden oder auf flächen wie dem tempelhofer feld, wo die, die es nicht lassen können, menschen (und anderen mitgeschöpfen), die das nicht wollen, nicht auf den sack gehen und sie nicht gefährden.
        das wäre so eine sache, wo die kommunen ihre bevölkerung darüber abstimmen lassen könnten. bestimmte bereiche sind bereits mit einem böllerverbot belegt. in wohngebieten sollte es ebenfalls verboten werden.
        ein generelles verbot wäre einfacher, – aber auch durchsetzbar?

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  3. Hier hat Philomena nicht einmal mehr aus dem Fenster geguckt, als das Geböllere losging. Ich guckte zumindest einmal in jede Himmelsrichtung, um zu eruieren, wer hier nicht bzw. am meisten böllerte, und ob sich diese Beobachtung dann mit der Einschätzung aufgrund soziologischer Feldstudien in der Nachbarschaft deckte. Tat es. Nebenan wurden danach noch stockbesoffen Schlager mitgegrölt – um kurz nach zwei war Schluss damit und ich konnte endlich einschlafen.

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