Der Film läuft mir nicht davon

„Intrigo – Tod eines Autors“ wäre einen Kinobesuch wert, denke ich. Ich mag Krimis, die ins Philosophische abdriften. Der Krimiautor Hakan Nesser, der die Vorlage zum Film schrieb, ist bekannt für hintersinnige Krimis. Gelesen habe ich allerdings noch nichts von ihm.
Die Besetzung mit Ben Kingsley, Benno Fürmann, u.a. Veronika Ferres ist ganz ordentlich, und er läuft in Wohnungsnähe am Potsdamer Platz.
Eigentlich wollte ich mir „Bad Times at the Al Royale“ anschauen, aber der läuft nur noch am Abend 22 Uhr 10 – und das ist mir zu spät, zumal der Streifen fast zweieinhalb Stunden geht.
Liegt schon ein paar Jahre zurück, dass ich allein ins Kino ging, meist um die Zeit totzuschlagen. Als ich Anfang des Jahrtausends in Heidelberg mit einem Psychologiestudium begann und mich während des Wintersemesters täglich in der Stadt herumdrücken musste, füllte ich die Nachmittagsstunden des Öfteren mit Kinobesuchen. Leider lief meist Schrott. Nur wenige Filme blieben mir in Erinnerung. Na ja, besser als stundenlang in der Mensa rum zu hocken oder in der Kneipe. Zu öde auf die Dauer. Ich war schon immer ein einsamer Wolf, der gerne alleine herumstreunte. Die vielen Menschen in der Stadt stimmten mich nach einer Weile depressiv. Im Kino dagegen war ich in den Nachmittagsvorstellungen nur mit wenigen anderen im Kinosaal, hatte es warm, ließ mich von dem Schrott, der über die Leinwand flimmerte, berieseln und trank Dosenbier. Am liebsten saß ich in der Nähe der Toiletten. Wenn ich nach dem Film rauskam, war es bereits dunkel, und ich schlappte die Hände tief in den Manteltaschen vergraben durch die Fußgängerzone vorbei am Psychologischen Institut zur Bushaltestelle. Mir war klar, dass so nichts aus dem Studium werden konnte. Mir fehlte es am nötigen Ehrgeiz für eine akademische Laufbahn. Doch damals wollte ich es nochmal wissen…
Mit den Frauen ist es ein ähnliches Dilemma wie mit meinem vergeblichen Herumstudieren: ich lernte einige Herzdamen kennen, aber eine Verbindung fürs Leben wurde nie daraus. Dabei wäre ich verdammt froh, endlich einen bleibenden Heimathafen zu finden in Sachen Liebe. Schließlich wird man nicht jünger. Die Welt wird kälter um mich herum, und ich gleichzeitig schwächer. Meine letzte Beziehung war mit so viel Hoffnung verknüpft – und ich verhob mich dabei gründlich. Aus diesem Tief wieder herauszukommen, ist scheiße schwer. Es gibt Momente, wo ich nicht weiß, ob ich`s nochmal packe.

Gehe ich heute oder morgen ins Kino? Nur kein Stress. Der Film läuft mir nicht davon.

8 Gedanken zu “Der Film läuft mir nicht davon

  1. Hallo Bo.,
    „Bad Times at the Al Royale“ hab ich gesehen, Allerdings, als der Film in die Kinos kam und er schon im frühen Nachmittag gezeigt wurde. Das ist wieder ein verdammt gutes Kammerspiel und tollen Darstellern. Als ich das Kino verließ, glaube ich, ich wäre nur eine Stunde drin gewesen, so gut dosiert wurde die Spannung aufgebaut, bis alles, wie sollte es anders sein, in ein ShowDown mündete. „Jeder der Hotelgäste hatte eine Chance auf Erlösung, bevor alles zum Teufel geht.“ dieser Satz bringt den Film auf den Punkt. Er gefiel mir am Ende besser als „The Hateful 8“ . Das war ja auch ein Kammerspiel und am Ende gingen alle zum Teufel.

    LG LaWE

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  2. Ich studierte im Laufe der Zeit diverse Fächer – und machte später nichts daraus. Ich war mit allerlei Frauen zusammen – und machte auch daraus nichts. Kommt mir deshalb arg bekannt vor, wie es bei Dir so ausschaut. Tja. Komische Zeiten für Leute wie uns. Ringsum lauter Organisierte und Strukturierte. Funktionsfetischisten… 😉
    Kann man sich eigentlich einen Film antun, in dem die Ferres eine Hauptrolle hat?

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  3. was du alles weißt. es gibt noch schlechtere schauspieler als till schweiger sogar mit einem weit größeren marktwert. man muss nur über den atlantik gucken.
    aber was soll`s – manchmal können schechte schauspieler richtig gut sein, wenn sie in die rolle passen.

    Gefällt 1 Person

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