Mal so zwischendurch

Ich finde es vorsichtig gesagt unverschämt, dass den Leuten komplexe Gesetzeskonstruktionen wie das Datenschutzgesetz oder das Urheberrecht vor den Latz geknallt werden, ohne ihnen eine Anleitung oder anderweitige Hilfen an die Hand zu geben, wie sie z.B. als Blogbetreiber nicht in Konflikt mit diesen Vorschriften kommen. Ein solches Vorgehen öffnet z.B. Tür und Tor für ungerechte und unverhältnismäßige Abmahnpraktiken, mittels derer sich fiese und skrupellose Anwälte bereichern. So einfach kann Geld verdienen nur in einer verkorksten Gesellschaft sein. Für jeden Scheiß braucht man heute ein Spezialwissen oder entsprechende Beratung. Das sieht in meinen Augen so aus, als ob man gar keine mündigen Bürger wünscht, indem man Gesetze und Vorschriften derart kompliziert gestaltet und im Fachjargon formuliert, dass man unmöglich allein mit dem gesunden Menschenverstand durchsteigt. Und wer sind die, die uns sowas zumuten? Ja, das wüsste ich gern, wer diese vermaledeiten Armleuchter sind, die solche Gesetze auf den Weg bringen und verabschieden. Keiner kann mir sagen, dass unsere Politiker da besser durchblicken, wenn sie nicht gerade Jura studierten, als… ich oder du, als der Laie von nebenan, der zuhause einen Computer hat und vielleicht aus privaten oder geschäftlichen Gründen ein Blog oder eine Website anlegt.
Mann, ich könnte platzen vor Wut! Das ist genau das, was ich an unserem Gesellschaftssystem schon immer hasste! Dieses an der Realität und dem Volk vorbei entscheiden… Die Menschen werden eingeschüchtert und kleingehalten. Alle paar Jahre sollen sie das richtige Kreuzchen machen und ansonsten am Besten die Schnauze halten, jeden Scheiß erdulden und brav in ihrem Job malochen.
So gesehen gehöre ich auch zu den Wutbürgern, aber nicht zu dem rechten Gesocks um AFD und Pegida, sondern zu den roten Socken. Ab und zu muss man mal Dampf ablassen! Auch dazu ist ein Blog da. Und ich finde es klasse, dass wir alle diese Möglichkeit im Internet nutzen können. Aber vielleicht gibt es gute Gründe, warum ich meine Meinung anonym sagen will, nicht um als Troll das Web unsicher zu machen, sondern weil ich z.B. nicht will, dass mein Arbeitgeber oder meine Verwandtschaft hier liest. Als ich noch in der Altenpflege arbeitete, prangerte ich manche Missstände, die ich erlebte, an (nannte selbstverständlich dabei niemanden namentlich). Trotzdem wäre mein Arbeitgeber sicher nicht begeistert gewesen, wenn er auf den ein oder anderen Text auf meinem Blog gestoßen wäre. Solchen Konflikten will ich durch meine Blog-Anonymität aus dem Wege gehen, weil ich natürlich auf meinen Arbeitsplatz angewiesen bin. Es kann aber auch andere meiner Meinung nach legitime Gründe geben für das Aufrechterhalten der Anonymität im Netz…

So, das war`s erstmal. Ich würde mir ein paar Gedanken von euch dazu wünschen. Bin ich mit meinem Ärger allein? Sehe ich die Dinge falsch?

24 Gedanken zu “Mal so zwischendurch

      • entschuldige, dieter, ich bin jetzt wieder am computer, mit dem handy habe ich das antworten vorhin nicht richtig hingekriegt.
        also: ich meinte, dass sie solche themen, politisch oder auch existentiell, lieber aussparte. da blockte sie ab. ich nahm das hin, obwohl ich gern vieles mit ihr diskutiert hätte. bestimmt machte sie sich auch über dies und das tiefgreifendere und auch kritische gedanken, aber sie wollte darüber nicht reden.

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      • nun, meine gedanken habe ich sowieso mitgeteilt, und einige davon sind auf den blogs nachzulesen. ich musste es halt hinnehmen, dass von ihr dazu wenig kam.
        es kann auf dauer schon frustrierend sein, wenn man sich mit partner oder partnerin nicht ausreichend über die dinge austauschen kann, die einen bewegen/beschäftigen. jeder legt halt andere schwerpunkte, zeigt gefühle unterschiedlich und bewertet lebenssituationen anders. dumm gelaufen, sagt man dann.

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  1. Wo leben wir denn, dass wir uns fürchten müssten den Mund aufzumachen? Noch! herrscht Meinungsfreiheit. Und es kein Wort verkehrt daran, was du geschrieben hast. Heutzutage herrscht nur noch eines: GELD, GELD, GELD, die Menschen stehen gaaanz weit hinten, außer denen, die eben genug GELD haben, um sich „einzukaufen“…

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      • Aus Angst um Job (Geld), Reputation und Anerkennung. Jeder will geliebt oder gemocht werden – deshalb wird er ein rundgelutschtes Seifenstück. Bloß nicht auffallen oder anecken. Eierlos durch den Alltag – machen schließlich alle so.

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      • ich glaube nicht, dass es in allen fällen bewusste anpassung oder bewusster opportunismus ist. die menschen sind in der mehrzahl einfach so. jeder von uns hat diese leichtfertige, „eierlose“ seite an sich. nur nicht jeder reflektiert es. und nicht jeder ist gleich „eierlos“ und angepasst. das leben an sich ist für viele kampf genug, der alltag für viele schwer genug – da will man sich nicht auch noch schwere gedanken machen, sondern flüchtet lieber in die seichte muse und den materialismus mit seinen verführungen.

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  2. Lobbyistenverbände (Juristen, Landwirte, Pharmaindustrie, Rüstungskonzerne etc.) formulieren Gesetzestexte vor und reichen sie bei Staatssekretären ein, die sie den Ministern dann vorlegen, damit diese sie in den Gesetzgebungsprozess einbringen… Abgekartete Vetternwirtschaft, immer schön am Wähler vorbei. Hauptsache die Wirtschaft brummt und es winken dort nach der Politikerkarriere hochdotierte Aufsichtsrats- oder Beraterposten. Wenn etwa ein Minister eine Lex Volkswagen verabschiedet, bekommt er später bei VW einen Sesselfurzerjob mit fünfstelligem Monatslohn für vier mal anwesend sein… Die ganze Politik, der Staat, der Klüngel ist ein verottender Kübel Scheiße – meine Meinung. Dagegen hilft Flucht (Auswandern, zumindest innerlich) oder Fundamentalopposition. Aber eigentlich auch gar nichts… Wenn Wahlen etwas ändern könnten, dann wären sie verboten.

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    • Damit muss ich dann leider leben. Früher hatte ich hunderte Bekannte, nun vielleicht noch ein halbes Dutzend. Früher 20 Freunde, heute zwei oder drei… Wer nach der Wahrheit sucht, hinter die Kulissen schaut – der isoliert sich. Gründlich.

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      • ich hatte noch nie viele bekannte und freunde. und momentan habe ich so gut wie gar keine mehr. okay, es gibt vielleicht noch ein paar, aber die können mich nicht im alltag unterstützen, weil sie ganz woanders ihren lebensmittelpunkt haben.

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      • Bei mir auch so: einer lebt 250 km entfernt, der andere 500. Der einzige ortsansässige Kumpel hat dann Schichtdienst und kaum Zeit… Zum Glück wohne ich in nicht alleine – sonst hätte mich inzwischen wieder eine fette Depression im Griff.

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      • nun, da meine partnerin fort ist, habe ich ganz schön zu kämpfen. wenigstens habe ich einen job und dadurch ein paar soziale kontakte. aber eben nur auf kollegen-basis. dann gibt`s noch das pub, wo man mich inzwischen grüßt, aber das ist eine ziemlich eingeschworene gemeinschaft, zu der ich, glaube ich, gar nicht gehören will. aber die peripherie ist besser als nichts – ich werde wenigstens wahrgenommen, die bedienung weiß schon, was ich wünsche…, und alle paar monate kommt es sogar zu einem gespräch.

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  3. Also über Abmahnanwälte kann ich ein Lind singen. Sie schöpfen die Möglichkeiten das Gesetzes bis an die oberste Grenze aus mit dem Worten, dann man ja froh sein kann, dass man kein Gerichtsverfahren den Hals gehängt bekommt. Zum Glück hat die Politik ihnen Grenzen gesetzt und Abmahnsumme beschränkt, damit die Abgemahnten dadurch nicht in existentielle Situation geraten und am Ende als wohnungslose Sozialfälle dem Staat auf der Tasche liegen.

    Das Juristendeutsch der zahlreichen Ratgeber im Internet ist für mich als Laien sowas wie ein böhmischer Wald.. Der erste Satz passt noch in mein Gehirn, der zweite vielleicht auch noch, aber der dritte gelesene Satz wirft das Verständnis der ersten beiden Sätze wieder auf den Haufen. Und schon ist bei mir Hopfen und Mals verloren und es überkommt mich sie Sorge, den Abmahnanwälten in die Hände zu fallen. und das nur, weil ich einen Satz für mich falsch ausgelegt habe.

    Auf der anderen Seite war es wohl wichtig, was den europaweiten einheitlichen Datenschutz betrifft, auf politischer Ebene klare Richtlinien zu schaffen. Ich erinnere an den letzten Datenschutzskandal von Facebook. Mark Zuckerberg hat kräftig Prügel dafür beziehen müssen.und es hat uns gezeigt, was man mit geklauten Daten alles machen kann, sogar die Präsidentenwahl im Amerika beeinflussen.
    Und wenn ich an die zahlreichen gefakten Verkaufsportale denke, die den Menschen sorglos das Geld aus der Tasche ziehen, ohne eine Gegenleistung dafür zu bringen. Die sollen gefälligst ihren Namen im Internet hinterlegen, damit Man sein Geld persönlich abholen kann

    Dummerweise werden hier auf WP bei kostenlosen Nutzern Werbung eingeblendet und das ist, was mich unsicher macht und darüber sollte die Nutzer dieser Option vielleicht besser aufklärt werden oder einen juristisch sauberen Link zur Verfügung stellen bekommen, wie der mit dem HInweis auf Cookies.

    Zugegeben, ich fühle mich als Privatnutzer in dieser Hinsicht eher dem Datenschutz negativ ausgeliefert, als geschützt. Gefällt jemanden meine Meinung nicht, kann er morgen schon vor meiner Tür stehen und mir seine Meinung vor den Latz knallen.

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    • ja, das kann passieren… pass auf, nächstens stehe ich vor deiner tür, lawe!
      aber im ernst: nehmen wir mal an, dass ich den neonazis unangenehm mit meinen meinungen auffalle… ich habe keine lust, von deren schlägern vermöbelt zu werden. mit gewissen meinungsäußerungen kann man sich bei manchen menschen sehr-sehr unbeliebt machen…, was man oft an den shitstorms in den sozialen medien sieht, wo ehrbare menschen beschimpft und bedroht werden, bloß weil sie z.b. auf der seite einer minderheit stehen. und dann habe ich also meine anschrift auf dem blog stehen und darf darauf warten, dass bei mir die fensterscheiben eingeschmissen oder hasstiraden an die hauswand geschmiert werden…
      es gibt idioten genug, denen es spaß macht, wenn sie mal wieder jemanden aufs korn nehmen und einschüchtern können. und wer schützt einen dann?
      auch das sollten die datenschützer bedenken, wenn es um websites oder blogs von privatpersonen geht. die werbung, die auf wordpress auf mein blog zwischengeschaltet wird, kann ich nicht beeinflussen. ich kann auch nicht die werbelogos auf meinen klamotten beeinflussen. wir werden mit werbung von allen seiten zugemüllt, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. alleine die werbung als argument für ein impressum kann ich nicht nachvollziehen, wenn man sich von der werbung auf seinem blog klar distanziert. was anderes ist es, wenn ich mit der werbung geschäftliche interessen verbinde z.B. als partner von amazon oder ähnliches.
      auf meinem blog geht es aber ausschließlich um meine texte, gedichte, bilder, erlebnisse, meine erfahrungen, meine gedanken und meine meinungen. die verkaufe ich nicht, die kriegt jeder umsonst geliefert, wenn er oder sie es denn will. ich dränge mich niemandem auf.

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  4. Als meine Adresse einmal im Internet gepaart mit ein paar Verunglimpfungen geoutet wurde, führte das in Berlin (wo ich damals wohnte) dazu, dass ein Auto brannte, das man für meins hielt und spätabends öfters Randalierer vor meiner Wohnung auftauchten und Parolen skandierten… Anderthalb Jahre lang verließ ich ohne Waffe nicht mehr das Haus. War eine Scheißzeit. Deshalb plädiere ich für die Anonymität aller (nicht-kommerziellen) Blogger!

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  5. da hast du diesbezüglich herbe erfahrungen hinter dir, die mir gott sei dank bisher erspart blieben. beschimpft wurde ich zwar auch, aber lediglich auf den blogs und literaturforen. besonders klare statements und böse satiren können solche shit-reaktionen hervorrufen. auch neid kann ein faktor sein.
    gut, wäre ich schon in rente, würde zumindest die gefahr der enttarnung durch den arbeitgeber wegfallen… nein, lieber anonym bleiben. es gibt zu viele gewaltbereite schwachköpfe.

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