Sommer…

Staffelei erstmal weggepackt, und das „Wohnzimmer“ erstrahlt wieder in voller Größe vor mir. Ich bin zufrieden mit den zwei Schmierereien aus den letzten Wochen/Monaten. Nun Leinwände und Acrylfarben nachkaufen. Ich stelle fest, dass ich ziemlich verschwenderisch mit den Farben umging. Platz an den Wohnungswänden habe ich für neue Werke kaum. Ich will nicht alles vollhängen. Also werde ich immer mal ein paar Bilder austauschen. Heute bin ich zu faul dazu. Kommt Zeit, kommt Wandlung. In den Schränken entdeckte ich immer noch Kram, der mich an „sie“ erinnert – also weg damit in den Abfallsack! Ich leide nach wie vor unter den Folgen des Trennungs-Schocks. Sieht so aus, als müsste ich einen verdammten Berg überwinden, um dann endlich auf der anderen Seite die Geschichte endgültig hinter mir lassen zu können.
Im Büro läuft inzwischen alles weiter wie gehabt. Frust und Lust halten sich gerade so die Waage. Jeden Tag ein Kampf hin zum Feierabend. Kaum aufbauende Momente, – immerhin eine gute Kollegin, die nur selbst ziemlich frustriert ist, und am liebsten die verbleibenden zwei Jahre bis zu ihrer Rente abkürzen würde. Sie erinnert sich an bessere Zeiten in der Tumordokumentation, als die Arbeit noch sinnträchtiger erschien. Ich kenne die alten Zeiten nicht, von denen sie redet, und bin bisher froh, dass sich der Leistungsdruck in Grenzen hält. Es gibt für das Gehalt, das wir bekommen, bei weitem schlimmere Jobs. Auch wenn ich zurzeit ganz schön in den Seilen hänge, will ich durchhalten. In ein paar Wochen wartet außerdem mein Jahresurlaub. Eine Fahrradreise ist geplant. Diesmal über Hamburg an die Nordseeküste.

Zwischen dem Sommer, der sich dieses Jahr wirklich ganz schön ins Zeug legt, und mir, steht eine riesige Mattscheibe. Ich komme nicht zu ihm durch…, schaffe es nicht, die Mattscheibe zu umgehen, um mich in seine Arme fallen zu lassen, um ungezwungen das schöne Wetter und die sommerliche Kulisse zu genießen. Ich packe es einfach nicht. Ich bin noch lange nicht über den Berg.

4 Gedanken zu “Sommer…

  1. Hallo Bo.,
    mir hatte mal jemand gesagt, die Trauerarbeit wegen einer gescheiterten Beziehung hält halb so lange an, wie die Beziehung dauerte, Das hatte ich damals für mich so angenommen; Ich hatte mich in dieser Zeit bewusst abgelenkt bzw.gezielt nach Ablenkung gesucht und damit die entstandene Leere auszufüllen.

    Das hat mir geholfen, wieder auf Distanz zu kommen. Nicht nur zur Beziehung, die sich aufgelöst hat, sondern auch zu dem Teil, die gescheiterte Beziehung als Leere in meinem Inneren hinterlassen hat.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
    LG La We

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    • ablenkung ist leicht gesagt…
      da ich schon einige trennungen durchlitt, weiß ich ganz gut bescheid über die seelischen torturen während solcher tage. das hilft nur nichts. es ist ähnlich wie bei einer erkältung… bloß langwieriger.

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  2. Wie lange ist es jetzt her mit der Trennung? Bei mir waren immer die ersten drei Monate danach mit Abstand am schlimmsten – danach flaute die Trauer allmählich wieder ab. Beste Heilung wäre wohl eine neue Verliebtheit… 😉 LG und Prost! Sommer werden übrigens medial und gesellschaftlich überbewertet…

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    • vier monate… ich habe es mir nicht im kalender angestrichen.
      die trauer und andere unschöne gefühle kommen in wellen. of ganz unerwartet. wahrscheinlich durch etwas ausgelöst… eine kleinigkeit, ein gedanke, eine erinnerung… keine ahnung. sicher werden mit der zeit diese wellenartigen kummer-anfälle weniger heftig. aber der sommer ist futsch. na ja, vielleicht besser, als wenn ich den salat im winter gehabt hätte.
      ich finde die warme jahreszeit schon okay – weil es schneller mit dem an- und ausziehen geht…
      eine neue verliebtheit würde sicher erstklassig ablenken. sieht aber grade nicht danach aus, als ob sich eine frau in mich verliebte, in welche ich mich auch verlieben könnte.

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