Abschiedsessen

Auf dem Teller Wildschweinbraten, Rosenkohl und Salzkartoffeln. Die Sonne im Nacken. Sie sitzt mir mit einer großen weißumrandeten Sonnenbrille gegenüber. Ich hatte in einem Anfall von Sehnsucht die törichte Idee zu dem Treffen bei Mutter Hoppe, das erste Lokal, in das wir einkehrten, als ich sie damals in Berlin besuchte. Vor gut vier Jahren. Unser Gespräch verläuft stockend. Die Fronten wie gehabt. Sie will an der Situation nichts ändern, trotzdem an der Beziehung zu mir festhalten. Ich sage, dass ich unter diesen Umständen keine Grundlage mehr für eine Beziehung sehe, wenigstens eine Perspektive bräuchte. Ich spüre die Sinnlosigkeit meiner Worte. Mein Innen verhärtet sich. Kein Weiterkommen. Was ist mit uns passiert? Das gute Essen steht im Widerspruch zur Situation. Sozusagen eine Henkersmahlzeit, denn ich beschließe, sie nicht wiederzusehen. Es tut verteufelt weh.
Sie umarmt mich zum Abschied, küsst mich. Ich drehe mich zur Seite. Nur mühsam kann ich die aufsteigenden Tränen zurückhalten. Die Wunde ist offen. Nur weg, denke ich. Konsterniert radle ich den Weg zurück, mitten durch Berlin, wo fast alles mit ihr verknüpft ist. Könnte ich doch nur die Erinnerungen abtöten.

10 Gedanken zu “Abschiedsessen

  1. Es ist besser einen Schlußstrich zu ziehen, alles andere ist nur Quälerei, so empfand ich es damals nach der Trennung meines EX-Ehemannes. Alles Gute dir und „halte die Ohren steif“ …

    es vergeht!

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  2. Halte mal gut durch, die nächste Zeit wird hart! Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass das selten länger als zwei oder drei Monate lang dermaßen belastend bleibt. Irgendwann gehts wieder… Viel Kraft und einen unzergrübelten Sonntag wünsche ich Dir!

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  3. Hallo Bo.,
    wenn dir im Sommer die Berliner Decke auf den Kopf fällt, der Fernbus nach Rostock wäre eine gute Fluchtmöglichkeit Ich biete sie dir an. Vielleicht sogar schon im Juni, wenn du möchtest, Lass es dir durch den Kopf gehen. 😉
    Nach der räumlichen Trennung muss nun die innere Trennung folgen. Das ist der schwierigste Teil dieses Prozesses und dieser braucht seine Zeit und die sollte Mann oder Frau sich nehmen. Du willst keinen halben Sachen und so muss die Trennung halt schärfer vollzogen werden,, Vielleicht ist das die bessere Entscheidung, denn so macht man sich den Weg für die eine Zukunft frei, in die vielleicht ein neuer Partner Platz finden kann.

    LG La We

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  4. Guter Beschluss von dir, sie nicht wiederzusehen. Ich würde mich an deiner Stelle dran halten. Sonst schließt sich diese Wunde nie.
    Das gilt übrigens auch für sie. Es sei denn, ihr seid beide Masochisten.
    Besser ist es nach vorn zu schauen und die Nase keck und neugierig in den Wind zu stecken, was das Leben noch so bieten mag.
    Vier Jahre sind doch eine lange Zeit. Irgendwann überwiegen die guten Erinnerungen.

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