Der Schleim hat sich gelöst

Im Spiegel blicke ich auf einen Dreitagebart, was äußert selten vorkommt, eben nur, wenn ich krankheitsbedingt das Bett hüte und in meinen Säften schmore. Nach drei Tagen ahne ich, warum Einzelhaft eine Folter ist. Wobei ich jederzeit rausgekonnt hätte. Meine Isolation war freiwillig. Kein Gespräch, kein Mensch, der einem Beachtung schenkt, während ein paar Meter weiter alles seinen gewohnten Lauf nimmt: die Autos über die Straße poltern, und die Menschen vorm Fenster vorbeilaufen. So ähnlich muss es auch den Alten gehen, die in ihren Wohnungen vereinsamen und dahinvegetieren. Vielleicht hie und da ein paar Worte beim Bäcker oder an der Supermarktkasse. Danach zurück in die vier Wände Einsamkeit.
Als ich mich am Dienstag auf der Arbeit krankmeldete, meinte die Oberdokumentarin: „Dann lass dich mal ein paar Tage verwöhnen.“ Worauf ich bitter lächelte und meinte: „Das glaube ich eher nicht – meine Partnerin arbeitet sehr viel.“
Aber gut. Ich bin das Alleinsein von früher gewohnt. Hart ist es trotzdem. Wenigstens fühle ich mich heute schon besser. Der Schleim hat sich gelöst. Keine erhöhte Temperatur, kein Halsweh. Am Nachmittag werde ich mit dem Bike ausreiten. Im Sanitätsfachgeschäft liegen ein Paar neue Einlagen für meine Plattfüße abholbereit. Danach Einkaufen. Und ein Bier im Pub ist auch drin. Ja, mich gibt`s auch noch, haha. Das Übliche.

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