Alles wie gehabt

Neujahr 2013. Ich sitze im EC von Klagenfurt. Ein letztes Mal. Beziehungsshowdown zum Jahreswechsel. Ich blicke aus dem Zugfenster auf die verschneiten Alpen, in meiner Brust bohrt der Stachel Wehmut. Er leistet wie immer ganze Arbeit – lässt kaum einen klaren Gedanken zu. Das Liebesaus hatte sich angekündigt, und wir ließen es geschehen. Sollte wohl so sein. Besser ein klarer Schnitt. Was nicht ist, ist nicht. Wozu sich was vormachen. Wäre nur nicht dieser verdammte Liebesschmerz. Die räumliche Distanz wird es leichter machen. Ich bestelle mir im Zugrestaurant Grüner Veltiner, den ich mit Cola Zero mixe. Acht lange Stunden, bis ich in Heidelberg ankomme.

Heute, gut fünf Jahre später in Berlin. Ich blicke aus dem Fenster in einen eiskalten Sonntagvormittag. Die Autokarosserien reflektieren die Sonne. Ein Licht-und Schattenspiel auf dem Kopfsteinpflaster der Straße. Meine Gedanken fahren Karussell. Bin ich nicht langsam zu alt für diesen Liebesscheiß – wozu der ganze Aufriss? Aber der Stachel sitzt tief. Ich weiß, dass sich der Schmerz nicht einfach auflösen wird. Es ist erst der Anfang.
Ich mixe einen trockenen Müller-Thurgau mit Cola Zero. Dazu Bluesmusik aus dem Internetradio. Alles wie gehabt.

9 Gedanken zu “Alles wie gehabt

  1. Als halbwegs sensibler Mensch, sollte man sich diesen ganzen Liebesscheiß ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr geben. Für mich waren solche Trennungen manchmal wie ein bisschen sterben. Hinterher wochenlang emotional am Arsch und depressiv in der eigenen Wohnung weggesperrt. Ich beneide da die fröhlichen Schlichtgestrickten, die mittags mitteilen, dass ihre Freundin mit ihnen Schluss gemacht hat und abends dann, dass sie ne Neue hätten. Grüße und Prost!

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  2. ich dachte, das gabs nur unter den teenies, dass die lieben öfter gewechselt wurden als die unterwäsche.
    bei mir war es nie so. ich litt jedesmal wie ein hund. mit siebzehn ebenso wie heute mit fünfundfünzig. die liebe war bei mir immer ein element (wie uran) mit einer gewissen halbwertszeit. okay, der vergleich ist nicht hundertprozentig. es ist ein wenig komplizierter. jedenfalls glaube ich, dass ich einfach nicht imstande bin, längere beziehungen als, sagen wir, im besten falle drei-fünf jahre zu führen.
    was solls. lebbe geht weiter. dummerweise entwickelte sich dahingehend keine hornhaut. fast könnte man glauben, ich bräuchte diesen scheiß schmerz in regelmäßigen abständen…

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  3. nach einer trennung litt ich auch wie ein hund, heutzutage bin ich frei von beziehungen und so weiter, ganz ehrlich? an liebe glaube ich schon lange nicht mehr, nicht nur altersbedingt, die erste zeit ist schön, dann kommt der alltag …

    ach, alles wie gehabt!

    ich bin übrigens KS, hatte dir auf twoday einen kommentar geschrieben …

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  4. ks… ks – ach so! klick!

    liebe ist für mich keine glaubenssache. die passiert einfach. und dann bin ich drin. so war es jedenfalls bisher. mal mehr, mal weniger. ein wenig steuern kann man das schon.
    du hast recht: … und dann kommt der alltag, was dann der anfang vom ende ist. außer man ist von der alten schule, wo man gefälligst diszipliniert bis zum bitteren ende am partner (seiner wahl) festhält. gewisserweise ist das ja für die fortpflanzung und die erziehung der kinder eine gute weile nötig. von natur aus.
    nun, ich habe keine kinder. bei mir gab es darum diesen familiären druck nicht.

    mal sehen, wie es bei mir weitergehen wird. momentan habe ich gar keine perspektive. freundschaft ist sowieso wichtiger.

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    • Ganz wichtig nach meiner Ansicht ist es jetzt, wirklich allein zu bleiben.
      Männer machen meist den Fehler in der nächsten Beziehung vergessen zu wollen.
      Frauen warten erst mal ab und sind eh klüger.
      Also abwarten, vielleicht entdeckst du das Alleinsein als einen Gewinn. Ich drücke dir mal dazu die Daumen.
      Du hast einige Vorteile auf deiner Seite, kannst mit Alkohol umgehen, manche gleiten da ab, hast einen sicheren Job mit einem sicheren Einkommen, und du bist in der Lage mit einer Wohnung auch in dieser Frage nicht zu „verwahrlosen“.
      Sehe es als eine Chance.
      Die Mehrzahl der erwachsenen Berliner leben übrigens so 🙂

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      • rein pragmatisch gesehen stimme ich dir zu. aber so ein liebesaus ist in erster linie eine seelische tortur, die erst mal überstanden werden muss. angst habe ich schon ein bisschen vorm versumpfen in berlin. wobei potentielle partnerinnen nicht vom himmel fallen. ich werde also das alleinsein genießen müssen. keine leichte zeit – ich spreche aus erfahrung.

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  5. du schaffst das schon. Die seelische Tortur mit einer Partnerin, wo es doch nicht klappt, ist schlimmer als das mit sich allein sein. Und irgendwann sagst du, ich darf(!) das Alleinsein genießen.
    Ich spreche auch aus Erfahrung.
    Sehe es einfach als den Beginn einer wunderbaren Zeit, in der es nur um dich geht, dem wichtigsten Menschen in deinem Leben Das sind Phasen, die man durchlebt. Wie schwer es anfangs ist, mag individuell verschieden sein. Versuche dein Leben zu struktuieren.
    Lass O.los und wünsche ihr alles Gute.
    Erst mal Abstand halten, ist nicht das Verkehrteste, denke ich, ohne euch zu kennen.
    Wenn ihr euch später auf einer anderen Basis als Freunde wieder trefft, werdet ihr überrascht sein. Aber das braucht Zeit. Ihr habt sie doch.
    Ich selbst halte Freundschaft im Alter zumindest viel wichtiger als Liebe. Die Erfahrung, dass so was meist schief geht, hast du nun mal gemacht. Schreibe einen Roman oder so was.
    Warum eigentlich nicht?

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  6. wenn es so einfach wäre. danke jedenfalls für deine ratschläge. nun bin ich auch nicht mehr der jüngste – hackte in meinem leben eine menge holz in sachen liebe. sicher ist es individuell, wie ein mensch in seinem leben liebe und freundschaft, allgemein den umgang mit seinen artgenossen pflegt, ebenso individuell wie hobbys und berufliche orientierung. das ist klar wie kloßbrühe. ich habe nicht vor, o. vorwürfe zu machen, und selbstverständlich wünsche ihr alles gute. aber wie ich es schrieb: der stachel sitzt tief. es wird eine weile dauern, bis die wunde zuheilt. bis dahin werde ich immer wieder phasen haben, die ich vor sehnsucht nach ihr kaum aushalte. das alleinsein mag viele vorteile haben, aber es ist prima dafür geeignet, sich in seinem leid zu vergraben, und alles tausendmal in seinem kopf hin- und herzuschieben.
    ich liebe von herzen, und ich leide von herzen. so ist das bei mir. klar, werde ich es wie immer durchstehen… froh bin ich nicht über das liebesaus. ich hatte mir mehr vorgestellt an gemeinsamer zukunft. dass es mal eine frau länger mit mir aushält – unglaublich.

    einen roman schreiben? nein, ich werde in nächster zeit pinsel und staffelei vermehrt hervorholen, um meine gefühle auf leinwand zu bannen. für manches gibt es keine worte.

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