MeNot

Seltsam, dass überhaupt sowas wie Emanzipation nötig ist. Wie kam es soweit? Welcher Neandertaler hat das verzapft? Wo fing das, was wir Patriarchat nennen, an? Es gab angeblich auch matriarchalische Völker. Wie nennt man eigentlich Kulturen, in denen die Geschlechter gleichberechtigt miteinander leben? Wir sollten uns was ausdenken. Nomen est omen.
Oder wäre ein Zustand der Gleichberechtigung auf Dauer einfach zu instabil? Es kommt wohl auf die Lebensverhältnisse an. Die Natur ist nicht blöde. Sie probiert dies und jenes aus… Evolution halt, Survival of the Fittest. Dummerweise wissen wir immer noch viel zu wenig darüber, wie Natur funktioniert, woher das Leben im Universum kommt, und warum. Wie hängt das ganze Gelumps zusammen? Und was für eine Stellung haben wir Menschen inne? Beweist das Universum etwa Humor?

Ich schweife aus. Ich wollte einen Beitrag über die Sinnhaftigkeit von Geschlechtergleichheit schreiben. Offenbar gibt es da ein Problem, wie man an der seit Monaten gärenden MeToo-Debatte sehen kann. Es fing mit dem Filmmogul Weinstein an – der Bösewicht schlechthin, schon rein äußerlich. Der sieht noch schlimmer aus als Bukowski. Frauen, die Karriere machen wollten, ließen sich von ihm sexuell anmachen. Alle wussten davon. Nix besonderes in Hollywood. Man knallt sich nach oben. An den Schalthebeln der Macht sitzen oft Arschlöcher. Und eben hauptsächlich Männer.
Die Frage, die sich mir stellt: Wie weit geht man für seine Karriere oder für Geld? Und das gilt unabhängig vom Geschlecht. Auf der einen Seite haben wir die Arschlöcher und auf der anderen die Arschkriecher. Nicht nur in Hollywood, sondern überall in hierarchischen Systemen.
Wie gesagt, alle wissen davon. Nicht erst seit Heute und dieser überzogenen oberflächlichen MeToo-Geschichte, welche sich eifrig durch die Medien bumst. Sie wird regelmäßig befeuert von angeblichen Opfern. Nach vielen Jahren melden sie sich zu Wort. „Ja“, rufen sie, „ich auch!“ Jetzt können wir es diesen Arschlöchern heimzahlen, sagen sich die Arschkriecher und kehren dabei ihre eigene beschissene Motivation und Feigheit unter den Teppich.
Keine Ahnung, ob Wedel auch zu den Arschlöchern gehört. Ganz davon abgesehen, finde ich es einfach ungehörig, was da in den Medien im Zuge von MeToo stattfindet. Das sind übelste Vorverurteilungen. Wo leben wir denn, dass wir Menschen bereits an den Pranger stellen, bevor ihre Schuld nachgewiesen ist? Jede Woche lesen wir einen neuen Artikel und raunen: „Ach, der also auch.“
Gleichberechtigung fühlt sich für mich anders an.

Okay, die Natur wird schon wissen, warum sie solche Kapriolen zulässt. Besser, wir wären alle Schnecken. Das würde zwar nicht das Problem der Arschkriecherei und des Machtmissbrauchs aus der Welt schaffen, aber zumindest die Geschlechterungleichheit.

Ein Gedanke zu “MeNot


  1. „mir kommen in deinem beitrag die opfer zu kurz, die es sicherlich gab. nicht alle anschuldigungen können erfunden sein.“
    „das weiß ich. und das macht dieses thema derart brisant. ich sehe parallelen zur hexenverfolgung im mittelalter. auch wenn hier niemand echt verbrennen muss. aber es geht darum, dass eine atmosphäre geschaffen wird, wo jeder total verunsichert ist. gab es da etwas in meiner vergangenheit, was man mir heute ankreiden könnte? sicher gab es das. wir sind alle keine engel…“
    „ist es aber nicht gut, dass endlich mal reiner tisch gemacht wird?“
    „reiner tisch? hier wird eine anzahl von menschen an den pranger gestellt, bevor überhaupt klar ist, wie valide die anschuldigungen sind. das ganze hilft meiner meinung nach nur den medien, die diese kampagne unterstützen, und irgenwelchen vergessenen groopies, die geil auf aufmerksamkeit sind.“
    „aber die wirklichen opfer existieren doch! das waren bestimmt nicht alles karrieregeile tussies!“
    „… stimmt. doch wird diese art der öffentlichen hetze und vorverurteilung niemandem helfen. allerdings wird unsere gesellschaft dadurch noch doppelbödiger, als sie schon ist. die zustände, welche das verhalten von machtmissbrauch und arschkriecherei fördern, bleiben gleich. somit werden probleme nur verlagert. man geht einfach noch subtiler bei seinen schweinereien vor.
    „es gibt also keine lösung, welche den opfern gerecht wird?“
    „ich weiß nicht. ich denke, dass wir alle gewissermaßen opfer und täter in einer person sind. als opfer müssen wir uns in den tätern wiedererkennen, und umgekehrt. wovor wir uns freilich sträuben… plötzlich gäbe es keine ausreden mehr, und was wären wir menschen ohne ausreden?“

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