Morro Jable

Ein altes Ehepaar setzte sich auf der Café-Terrasse neben mich, Deutsche um die Achtzig. Wie ich bestellten sie Bier und bekamen dazu ein Schälchen gerösteter Erdnüsse. Auf der Markise des vor uns liegenden Lokals lauerten bereits die Tauben, drei an der Zahl. Wie die Geier saßen sie dort und starteten abwechselnd ihre Angriffe auf die Erdnüsse. Ich hatte mein Schälchen zurückgehen lassen. Mir waren die Nüsse zu fettig, und ich wollte sie nicht ständig gegen die Tauben verteidigen. Anders das alte Ehepaar neben mir. Der Alte hatte bereits in feindseliger Manier die Karte zusammengerollt. Er wartete nur darauf, dass die Vögel zum Tisch flogen und schlug dann fluchend nach ihnen. „Ich krieg euch noch!“ brüllte er, „ich schlag euch tot!“ Peinlich, peinlich, dachte ich bei mir, was für böse Menschen es gibt. Die Frau hielt sich etwas zurück, schaute aber ebenso grimmig. Der Alte führte sich auf wie ein Nazi-General. Er befand sich im Krieg mit den Tauben, und ich hatte das Gefühl, dass er dazu absichtlich diesen Platz ausgesucht hatte. Der Kellner ermahnte ihn. Vielleicht kannte er das alte Ehepaar bereits. Ich trank mein Bier zügig aus und bezahlte.

Morro Jable ist ein Hafenstädtchen. Nichts Besonderes, aber immerhin konnte man hier neben dem Tourismus ein wenig das einheimische Leben beobachten. Ich schlenderte herum, legte da und dort ein Päuschen ein und schoss mit dem Smartphone einige Fotos.

2 Gedanken zu “Morro Jable

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