Der Hund

Ich sehe sie regelmäßig mit ihrem Yorkshire Terrier vorbeitrotten. Mal auf unserer, mal auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als wir vor drei Jahren hier einzogen, erkundeten wir die Umgebung und stießen am Bülowbogen auf ihre Kneipe. Einige Male machten wir auf unseren Spaziergängen Rast darin. Nur ein paar ältere Stammgäste hockten an der Theke, lebende Fossilien. Ich glaube, sie nannten sie Karin. Es wurde wenig geredet. Stoisch zapfte Karin die Pils, ihre Mimik karg. Das Lokal war düster und rauchig. Wir saßen an einem der Tische, etwas deplatziert anmutend. Karin lächelte selten, doch wenn sie es tat, war es ein gutes Lächeln. Die Zeit schien in dieser Gruft stillzustehen. Und der Hund, der eigentliche Herr im Hause, wachte aufmerksam über alles. Wir tranken das gut gezapfte Pils und wunderten uns über das verstaubte Ambiente sowie die Figuren, die wir sahen. Ebenso wunderte man sich sicherlich über uns: Was führt die denn hier rein?
Seit damals erkenne ich die alte Karin sofort, wenn sie mit ihrem Hund auf ihrer Runde bei uns vorbeikommt, immer gleich mit einer Kippe im Mund.

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