Unterwegs…

Oft kroch mir ein unangenehmer Fäulnisgeruch in die Nase, vor allem auf den Waldstrecken. Eine Menge Schmeißfliegen und andere Insekten flogen mir ins Gesicht und in die Augen. Ein besonders ekelhaftes Vieh flog mir direkt in den Rachen, so dass ich es nicht mehr hochwürgen konnte. Selbst mit Fisherman`s Friend wurde ich den üblen Geschmack nicht los und dachte noch Kilometer später darüber nach, auf welchen Kadavern und welcher Scheiße das Vieh vorher gesessen hatte.
Die Ostseeküste Dänemarks roch an vielen Stellen unangenehm süßlich, etwa wie eine nahe Schokoladenfabrik – irgendwie pervers. Und diese Milliarden kleinen Strandfliegen konnten einen verrückt machen. Die Badegäste störte das allerdings nicht. Überhaupt scheinen viele Menschen resistent gegenüber äußeren Eindrücken zu sein… , z.B. die vielen freisprechend telefonierenden Fußgänger und Radfahrer, die mir in Dänemark auffielen. Vor allem junge Däninnen liefen derart durch die Gegend und laberten quasi mit der Luft, während sie ihren Kinderwagen schoben oder joggten.
Im Großen und Ganzen genoss ich meinen Aufenthalt in der Natur. Immer wenn ich in die Nähe größerer Städte kam, wurde ich aus meiner Trance gerissen… Ich war wieder unter meinesgleichen, auch wenn ich die Menschen in Dänemark schlecht verstand. Das Dänisch war sehr ungewohnt für meine Ohren – ähnlich Chinesisch. Aber das Bier war okay, nur eben schweineteuer, über das doppelte der von Deutschland gewohnten Preise. Das belastete ganz schön meine Urlaubskasse. Als ich in die dänischen Urlaubsorte an der Küste und in die Städte kam, zeigten sich die Menschen unbeeindruckt von den hohen Preisen, und ich fragte mich, wo sie all das Geld dafür verdienten. Umso näher ich mir die Leute anschaute, desto rätselhafter erschien mir ihre Liquidität. Die Dänen gehören nicht gerade zu den Schönsten der menschlichen Art (fand ich): rein äußerlich eine Mischung aus Amerikaner und Engländer – fett und oft schlampig angezogen. Also nochmal: wie kommen diese Figuren nur zu so viel Geld, um sich Bier für umgerechnet fast 10 Euro das Glas zu leisten? Das gilt freilich nicht nur für die Dänen, sondern auch für die Touristen aus Deutschland, England, Polen, Tschechien… Ich trank mein Bier und betrachtete die Menschen um mich herum, oder las ein paar Seiten von „The Rum Diary“.
Die Welt zeigt sich mitunter ziemlich undurchsichtig für einen geradeaus denkenden Geist. Warum gibt es z.B. im Hauptbahnhof von Kopenhagen keinen Buchladen mit internationaler Presse? Die junge Dame an der Touristeninfo zuckte nur bedauernd die Schultern. „It`s a shame!“ entfuhr mir spontan, und ich trollte mich zurück unter die Massen von Reisenden. Schließlich fand ich in einem Supermarkt einen Zeitungsstand mit dem Spiegel, der Süddeutschen und natürlich der Bild. Nachdem ich „The Rum Diary“ ausgelesen hatte, war ich hungrig nach neuem, halbwegs anspruchsvollem Lesestoff, an dem ich eine Weile knabbern konnte. Also kaufte ich erstmal den Spiegel

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