Nichts, oder „Was verdeckt was?“

Frei von Gedanken schreiben. Die Wolken ziehen lassen. Ein Himmelbett am Strand. Das Rauschen des Meeres erzählt Romane. Ich lese die Postkarte von einem unbekannten Freund. Seine Zeilen wärmen mein Herz. Ich würde ihm gern antworten, aber ich habe keine Adresse, nur seinen Vornamen „Jürgen“. Danke für deine Karte im Traum, mein Freund.

Wie soll man frei von Gedanken schreiben? Ich will es versuchen. Einfach die Wörter loslassen… Der Zauberer lässt einen Gegenstand verschwinden, indem er ihn mit einem Tuch verhüllt. Aber der Gegenstand ist doch noch da – wir sehen seine Konturen. Der Zauberer lächelt ins Publikum und zieht mit einem Ruck das Tuch weg…
Wo verdammt ist der Gegenstand hin!? Wir reiben uns die Augen.

Das ganze Leben ist ein Verschwinden von Dingen. Wir fragen uns gar nicht, wohin sie gehen. Wo ist die Liebe? Wo sind meine Freunde? Wo sind Vater und Mutter?
Wo ist mein Leben? Die Illusion erweist sich als Wirklichkeit.

Alles steht in Bezug zu etwas. Die Verwirrung entsteht, wenn der Bezug wegfällt oder auf den Kopf gestellt wird.
Ein gedeckter Esstisch in der Umlaufbahn der Erde. Ich telefoniere mit Jürgen. Jürgen gibt`s nicht.

Ich stehe auf, um die fertige Wäsche aufzuhängen. Ich öffne die Trommel der Waschmaschine, greife ins Nichts und trage es zum Wäscheständer. Wie kann man nur so viel Nichts haben? frage ich mich beim Aufhängen.

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