Morgenstund

Schön, den neuen Tag erwachen zu sehen. Den schwarzen Vorhang der Nacht ablegen und in der Morgendämmerung von Südseeinseln träumen. Ich liebte schon immer den Morgen, wenn alles noch halb schläft, erst in Vorbereitung ist. Ich ziehe den Rollladen hoch. Ich lasse mir Zeit mit der Morgentoilette und dem Lesen der Nachrichten aus aller Welt… Die meiste Zeit sitze ich einfach nur da, höre Musik und blicke gleichsam in mich wie in den anbrechenden Tag. Acht Stunden Büro liegen vor mir. Acht Stunden Tumordokumentation. Inzwischen lebte ich mich halbwegs ein. Die Hühner (und Gockel) werden mir immer vertrauter. Und die Arbeit geht mir auch besser von der Hand. Trotzdem: acht Stunden sind acht Stunden. Zurzeit pflege ich die pathologischen Berichte ein. Vieles wiederholt sich. Es ist wie exotische und komplizierte Kochrezepte lesen… Nicht selten entsteht Interpretationsspielraum (und Kopfschmerzen). Was soll ich also wie dokumentieren?
Die Dokumentarinnen diskutieren viel. Eigentlich sind sie ständig am Quatschen. Die Bürotür steht offen und ich lausche mit einem Ohr. Ja, diese Hühnertruppe ist größtenteils recht lebhaft mit dem Mundwerk. Die Dienstbesprechungen ufern jedes Mal aus. Wir „Neuen“ sind hinterher verwirrter als vorher. Ein regelrechter Dokumentationsdschungel tut sich auf, durch den man sich als Neuling peu à peu kämpfen muss.

Der neue Tag grinst durchs Fenster. Ein Sonnenstrahl bleibt an der Hausfassade gegenüber hängen. Ich werde mich langsam in Schale schmeissen…

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