Genug

Wie fuckin` gut es mir doch geht, dachte ich insgeheim. Wir saßen vor einem Restaurant Ecke Pohlstraße-Potsdamerstraße und streckten unsere Nasen in die Sonne. Vor uns standen zwei frisch gezapfte Pils, O. schmauste eine Gulaschsuppe, die beste von Berlin, wie sie sagte, das heißt, außer der anderen besten im Marcus-Bräu. O. redet gern in Superlativen. Ich bin zurückhaltender (was wohl meinem schwermütigen Wesen geschuldet ist). Es braucht einige Bemühungen, um mich aus meiner Höhle zu locken. Der gestrige Tag tat sein Bestes dazu. Beruhigt stellte ich fest, dass der Frühling meine Säfte noch in Wallung bringt. Das Jahr kommt langsam in Schwung. Da war es eine große Freude, dass ich wegen Wartungsarbeiten am Dokumentationssystem bereits um 13 Uhr Feierabend machen konnte. Wieder war Freitag und die inzwischen vierte Woche am neuen Arbeitsplatz geschafft. O. und ich genossen den Nachmittag an Sonnenplätzen. Wir kamen wiedermal nicht umhin zu erwähnen, wie gut wir es doch mit unserer Wohnung im Potse-Kiez getroffen hatten. Zwei schöne Parkanlagen liegen quasi vor unserer Haustür. Und inzwischen kennen wir genügend Supermärkte, Kneipen und Restaurants, die allesamt gut zu Fuß, mit Bus oder U-Bahn in wenigen Minuten zu erreichen sind. Mit dem Fahrrad bin ich in weniger als zehn Minuten am Potsdamerplatz oder in Kreuzberg… Zum Zoo sind es nur zwei U-Bahnstationen. Und das Beste: in fünf Minuten bin ich mit dem Fahrrad an der Arbeit!
Ich nippte am Pils und blinzelte in die Sonne, betrachtete die Hausfassaden, die vorbeieilenden Menschen…, die hübsche und intelligente Frau an meiner Seite. „Die Konsistenz ist anders“, sagte sie, „diese und die Gulaschsuppe im Marcus-Bräu sind die besten Berlins.“ Ich meinte dagegen: „Bestimmt gibt es in Berlin noch andere beste Gulaschsuppen, die du bloß noch nicht kennst.“ O. lachte hell und kindlich. Ihr Lachen kann mich auf die Palme bringen. Ich habe das Gefühl, dass sie sich über mich lustig macht. Doch sie betont stets, dass es pure Lebenslust ist. „Ich freue mich“, sagt sie, und ich grummele skeptisch.
Als sich die Sonne unter die Hausdächer duckte, wurde es sehr schnell kühl und wir verzogen uns ins Restaurant. Der Kellner flötete ein Lied. Wegen dem herrlichen Wetter, sagte er. Kaum hatten wir uns gesetzt, hatte ich es plötzlich eilig. Ich spürte einen Drang nach Rückzug… Rückzug in meine Höhle. Ich war satt: genug Bier, genug Sonne und lachende Frau.

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