Wein, Bier und Süßes

Zwei ältere Damen saßen in dem gemütlichen Café in Pankow, als wir reinkamen. Die vollautomatisierte Öffentliche Toilette hatte versagt. Zuvor waren wir über das kleine Winzerfest geschlendert. Ein paar Stände auf dem Platz zwischen den Fahrbahnen der Breiten Straße. Es war ein prächtiger Herbsttag. Die Sonne brachte die Farben der Blätter zum Tanzen. Fürs Gemüt. Wir tranken ein paar Gläschen und kauften fürs Abendessen Zwiebelbrot und geräucherte Forellen.
Auf mich wirkt Pankow recht heimelig…
Die Sonne verabschiedete sich früh. In der Nacht wurde die Sommer- auf die Winterzeit umgestellt. Ich kann jedes Mal aufs Neue wiederholen, dass man sich dieses Prozedere ruhig sparen könnte. Es verwirrt nur – und wem bringt es denn was? Von mir aus immer Sommerzeit.
Auch die zwei alten Damen im Café thematisierten das kurz, aber vor allem schwärmten sie von den gebackenen Waffeln, die es gab. Leise säuselte die Musik vor sich hin – zum Nichthinhören. Wir waren froh, uns kurz aufwärmen zu können und die Toilette zu benutzen. Außerdem gab es Radeberger vom Fass. „Das dauert aber etwas“, sagte die Bedienung, typisch Berliner Schnauze. „Macht nichts“, antwortete ich, „wir haben Zeit.“
Zwischendurch betraten Leute das Café, um sich das angebotene Gebäck und den Kuchen anzuschauen. Freilich alles Selbstgemacht. Die Bedienung war ganz offensichtlich die Inhaberin des netten Ladens. Ich lauschte der Konversation der zwei älteren Damen. Die eine war etwas älter und offensichtlich seniler. Sie wiederholte immer wieder, wie gut ihr die Sachen schmeckten, und meinte zur Gastwirtin: „Vor 20 Jahren hätten Sie hier sein sollen!“ Woraufhin sie von ihrer Begleiterin zurechtgestutzt wurde: „Das hast Du vorhin schon gesagt!“
Die Beiden waren wirklich süß, alte Damen, wie man sie bei Miss Marple zum Kaffeekränzchen erwartet.
Wir tranken langsam das Bier aus. O. war durch die angepriesenen Kuchen in der Auslage auf den Geschmack gekommen. Sie konnte nicht widerstehen und ließ sich ein paar Teile einpacken…

5 Gedanken zu “Wein, Bier und Süßes

  1. Ich fühle mich angesprochen. Zwar bin ich keine zwei alte Damen sondern nur ein alter Herr, doch die Regelmäßigkeit, mit der man mich fast jeden Tag in einer Luxuskonditorei findet, spricht Bände. Ich nehme fast immer eine Cremeschnitte und einen kleinen Schwarzen (Mokka) und beschäftige mich ca. eine halbe Stunde, die Rätsel in einem grindigen Boulevardblatt zu lösen. (Die Kronenzeitung hat die höchste Auflage, angeblich sogar in Europa.) Aber einige Artikel sind gut und die Rätsel sind ein Prüfstein, wie klar ich noch denken kann. Es sind zwei Sudokus, zwei Kreuzworträtsel und ein Bilderdifferenzsuchrätsel. Die meiste Zeit geht auf das schwere Sudoku auf. Heute habe ich 17 Minuten gebraucht. Alles andere geht ruck-zuck. Noch! Ich stoppe die Sudokus, um festzustellen, in welcher Tagesverfassung ich mich befinde.
    Also schon etwas blöde. Ab und zu treffe ich auch Bekannte dort. Und die Ingrid, die Katja, die Paula, … die kennen mich schon und ich muss normalerweise nicht einmal mehr bestellen.
    Und das Ganze läuft unter „gesund“, denn schließlich muss ich mit dem Rad zum Nachbarort fahren. Das sind gemessene 1,4 km 🙂

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  2. ja, an diesen ein paar teilen werde ich bestimmt die ganze woche futtern 🙂 das fest war wirklich nett, der wein hat sehr elegant geschmeckt.

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