Montagstief

Eine Last drückt auf meine Brust und lähmt mich. Ich habe weiche Knie. Warum sind meine Nerven derartige Weicheier? Ich muss doch gar nichts befürchten. Die Agentur für Arbeit schickt mir einen Vermittlungsvorschlag. Na und?! Meine Qualifikationen passen nicht auf die Anforderungen. Medizinische Schreibkraft ist außerdem nicht mein vorrangiges Berufsziel. Dazu noch eine Zeitarbeitsfirma. Warum rege ich mich auf? Die Sache mit der Tumordokumentation, die ich im Auge habe, wird schon klappen. Ich warte auf eine Rückmeldung der Schulleiterin.
In der Nacht träumte ich, ich wäre Altenpfleger geblieben. Unglaublich. Ich fühle mich wie in einem Labyrinth. Die Angstgespenster verfolgen mich. Sie sind schwer abzuschütteln.
Mein Selbstvertrauen im Montagstief. Um mich herum das geschäftige Berlin, ein überdimensionales Karussell. Ich schaue nur zu. Eigentlich will ich gar nicht einsteigen. Was für ein Affentheater wird hier gespielt?!
Na gut. Es hilft nichts. Ich stecke zwei Finger in meine Nasenlöcher und ziehe mich hoch. Etwas mehr Haltung bitte! Und nun ab unter die kalte Dusche!

6 Gedanken zu “Montagstief

  1. solche zustände kenne ich, dass die nerven furchtbar angespannt sind, wobei es nichts zu befürchten gibt. gut, dass du darüber schreiben kannst, dann sind die unangenehmen empfindungen mit sicherheir bald wieder weg.

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  2. Wirklich schlimm in so nem Zustand ist, wenn man alleine ist. Hab so was vor Jahren erlebt, da war keiner an meiner Seite, der mich ein wenig aufbauen könnte. War echt beschissen.

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  3. ganz allein?
    als ich ein jahr lang sozialhilfeempfänger war in den neunzigern, hatte ich keine partnerin. aber damals lebten noch meine eltern, und ich hatte einen sehr guten kumpel.

    heute wäre ich ziemlich ganz alleine, wenn ich nicht meine partnerin hätte.

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  4. Hmm.. Genau, ganz alleine war ich damals. Partnerin ist nicht gleich „Partnerin“. Wenigstens wars bei mir so. Keine Sau wollte wissen, was in mir vor sich geht. Ich war mir selbst ausgeliefert, verbittert und hab nichts als Kälte gespürt. Toll, dass du die Nähe deiner Partnerin fühlen kannst. Ist eben die Hauptsache, die man sich selbst erst mal klar machen muss. Nen schönen Abend wünscht euch der alte Rettich!

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  5. danke. wir gehen früh zu bett.

    es ist auch nicht leicht, sich in solche gefühlslagen heineinzuversetzen. 1:1 ist das gar nicht möglich – am ehesten dann, wenn man was ähnliches selbst erlebte.
    von behördenseite gibt`s keine gnade. die sachbearbeiter und berater haben ihre vorgaben, und mitgefühl gehört nicht dazu.

    wichtig ist, dass man im privaten bereich jemanden zum sprechen hat, einen zuhörer, der nicht noch zusätzlich druck macht. auch ignoranz kann sehr schmerzen.

    dir einen schönen tag!

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