Stadt der Hunde

Ist das nun ein gutes Zeichen, dass es in Berlin so viele Hundebesitzer gibt – ich meine für die Bewohner bzw. die Lebensqualität einer Stadt? Gibt es dazu eine Studie?
Hier mal ein paar Zahlen, die ich im Internet fand:
„Einwohner in der Stadt: ca. 3.400.000
Anzahl der gemeldeten Hunde: 103.000, nach den Schätzungen des Statistischen Landesamtes leben hier bis zu 150.000 nicht gemeldete Hunde
Hunde pro Einwohner: 1 Hund pro 33 Einwohner bzw. 1 Hund pro 23 Einwohner
Berlin liegt auf Platz 2, was die Hundedichte in deutschen Großstädten angeht, mit 113 Hunden / km²“

Was sagt uns das? Ich meine: Die Berliner sind ganz schön auf den Hund gekommen!
Endlich Wochenende! Nach dem Abschlusstest in Buchhaltung machte ich mich frühzeitig aus dem Staub. Meine Mitschülerinnen saßen noch zerknirscht über den Aufgabenblättern. Mir reichte es, ich sagte: „Tschüss!“ „Auf Wiedersehen, Herr Bonanzamargot“, sagte Mr. Buchhalter.
Der Freitag war ein Sonnentag. Ich hatte es geschafft! Nein, das ist keineswegs übertrieben, denn ich quälte mich durch den Unterricht. Eigentlich ein Anlass zum Feiern, dachte ich. Wenigstens wollte ich die ätzende Buchhaltungswoche abschütteln. Doch ich kriegte die Kurve nicht: ich konnte den Frust und die Anspannung nicht einfach loswerden. Im Pub trank ich erstmal ein paar Bier. Meine Partnerin stieß dazu – wir wollten bei dem schönen Wetter spazieren gehen. Ich sah wohl ziemlich zerknirscht aus. Am besten sprach man mich nicht an. Ich spürte selbst, dass meine Laune furchtbar war, konnte es aber nicht ändern. Eine beschämende Situation, da meine Partnerin alles erdulden musste. Wir trotteten von Schöneberg nach Kreuzberg zum Bergmannkiez und stellten unsere Liebe zum Diskurs. Alles, was mir auf ihre Fragen einfiel, war: „Ich weiß nicht.“ Ich fühlte mich wie vernagelt.
Meine Mutter kommt mir in den Sinn, wie sie sehr oft klagte, dass ihr alles zu viel würde. Ich verstand nie genau, was sie meinte. Inzwischen erlebe ich an mir selbst, dass ich mich mitunter dem Leben nicht gewachsen fühle. Selbst der Gedanke an relativ kleine Lebenshürden kann mir dann den Atem nehmen. Ich sacke regelrecht in mich zusammen und will von allem nichts mehr wissen…
Wie machen das all die anderen, frage ich mich, wie kommen die mit diesem Wahnsinns-Karussell Leben klar? In Berlin legen sich viele Hunde zu – um nicht auf den Hund zu kommen(?) Vielleicht eine unbewusst angewandte paradoxe Intervention.

8 Gedanken zu “Stadt der Hunde

  1. Dann bist du durch mit der Schule? Falls ja, Gratuliere!

    Die vielen Hunde sind mir hier in Berlin ebenfalls als erstes aufgefallen. Vor ca. fünf Jahren, lagen die Hundehaufen noch an jeder Ecke, das hat sich nun wesentlich verbessert.

    Manchmal wird „einem“ nun mal alles zu viel, ich denke dass das „normal“ ist. Es sei denn, dass aus diesem Manchmal ein Ständig wird. Du wirst es alleine erkunden müssen, warum es so ist, wie es ist.

    Ach so, ich glaube nicht, dass sich die Berliner aus den von dir genannten Gründen Hunde „zulegen“. Vielleicht wollen sie „Herrscher“ sein? Ich weiß es nicht, weil mich Hunde nicht sonderlich interessieren, sind mir zu unterwürfig …

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  2. in neukölln, wo ich zur schule gehe, sind die bürgersteige „minenfelder“.
    ich komme auch ganz gut ohne hund aus. wobei ich nichts gegen die tiere habe – allerdings frage ich mich, warum sich so viele menschen hunde halten, dann auch noch in einer sowieso schon aus den nähten platzenden großstadt…

    ich habe regelmäßig meine phasen, wo ich alles in frage stelle…

    nein, ich bin leider noch nicht fertig mit der schule – nur mit dem fach buchhaltung, welches wir intensiv eine woche hatten.
    bis zum 24.04. haben wir noch unterricht, danach ein viermonatiges praktikum.
    die fortbildung endet am 30.08..

    gruß ins we!

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  3. ah, dann hast du noch ein paar monate. ich mag auch tiere, sehr sogar, aber katzen sind meine lieblingstiere. sie sind so wunderbar eigensinnig, würden sich nie mit einer scheibe wurst o.ä. bestechen lassen:-)

    das mit den hundehaufen ist wohl von bezirk zu bezirk unterschiedlich.

    dir auch ein nettes we.

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  4. katzen sind unzähmbarer, allerdings, wenn man sich einen „gefährden“ oder „spielkameraden“ wünscht, sind hunde schon geeigneter.
    mich würden haustiere zu sehr in meiner freiheit einschränken… es sind eben auch eine reihe von verpflichtungen mit der haltung von tieren verbunden.

    schönen sonntag! (obwohl der morgendliche blick aus dem fenster nicht gerade sonne verheißt.)

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  5. gedanken an schwierigkeiten können jedem mal ab und zu den atem nehmen. du hast mich so oft in solchen situationen aufgebaut. ich finde, wir zusammen kommen mit dem leben ganz schön klar, ganz ohne paradoxe interventionen oder anderen schwachsinn. KUSS1

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  6. ich meinte weniger das normale bewältigen der schwierigkeiten des lebens sondern eine überempfindlichkeit gegenüber „allem“ – dass einem alles zu viel wird… etwa wie eine empfindlichkeit (allergie) gegen das leben bzw. die welt an sich.

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