Too much

Ich glaube, die Liebe ist ein Muskel. Es gibt Tage, an denen ich „liebesmüde“ bin. Vielleicht ist dieser spezielle Muskel bei mir unterentwickelt. Wie ein Mensch nervlich belastbarer ist als der andere, können Menschen auch Liebe nur unterschiedlich stark geben und entgegennehmen.
O. ist den ganzen Tag unterwegs mit einem Bekannten, einem alten Freund ihrer Eltern, und ich bedaure es nicht.
Das Sommerwetter in Berlin hält an. In der letzten Woche waren wir dreimal am Schlachtensee und fuhren Ruderboot, spazierten den Uferweg entlang, schwammen und saßen beim Bier in der Sonne.
O. hat (während der Semester- bzw. Schulferien) keine Seminare und auch keine Sprachkurse – wir verbringen fast die ganze Zeit zusammen…
Oder die Liebe ist eine Art Haut: Sie verträgt nur ein gewisses Maß an Sonne und Wärme. Es zieht mich immer häufiger in den Schatten. Ich finde diesen Rückzug ganz normal, aber O. meint dann, ich würde sie nicht lieben. Vielleicht hat sie recht. Es gibt Tage, an denen ich mir unsicher bin, ob die Liebe wirklich Liebe ist. Ich meine, ganz allgemein.
Gestern waren wir auf dem Berliner Bierfestival, das zwischen dem Strausberger Platz und dem Frankfurter Tor an der Karl-Marx-Allee stattfindet. Auf fast zwei Kilometern reihen sich unzählige Bier- und Fressstände aneinander. Zwischendurch wurde auf kleinen Bühnen Musik und Tanz dargeboten. Etwa in der Mitte der „Biermeile“ setzten wir uns schließlich, tranken tschechisches und böhmisches Bier und schauten der „RiesBand“ zu, die Rock und Blues spielte – gar nicht mal übel, wie wir fanden – eine Gruppe aus Den Haag, der Sänger ein Japaner um die Fünfzig mit grauem Wuschelkopf. Irgendwas faszinierte mich an ihm – vielleicht die Art und Weise seines Vortrags, immer einen Halben Bier griffbereit…
O. und ich verloren uns im Getümmel. Mehr und mehr Menschen strömten am Nachmittag herbei; auch die Anzahl derer, die zu tief ins Glas geschaut hatten, wurde immer größer. Idioten werden zu noch größeren Idioten, wenn sie betrunken sind, und Ekelpakete noch ekliger. Ich wollte nur noch raus aus dem Gedränge, dem Staub und der Sonne. Als ich mich nach O. umdrehte, war sie plötzlich verschwunden…
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Rudern auf dem Schlachtensee
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Schatten und Sonne
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Berliner Bierfestival

13 Gedanken zu “Too much

  1. Brunnen der Liebe Hallo Bo.,
    hab auch schon mal die Biermeile besucht und das als NICHTBiertrinker. War erstaunt, wieviele Biersorten es gibt und manche Sorten wurden sogar mit irgend welchen Säften gemischt. Ich war damals nur ein Mitläufer und am Abend unterwegs. Da war es nicht einfach, als Gruppe zusammen zu bleiben. Denn ein Blick rechts, einer links und schon konnte einer Gruppe aus dem Blickfeld geraten. Ein Handy bei dem Lärm konnte man kaum hören oder das Gepräch kaum verstehen. Bei WhatsApp ist das heute jedoch kein Problem mehr. Ein kurze Nachricht und man findet sich wieder.

    Die Liebe ist anfangs ein Hochgefühl, das einem Vollrausch gleich zu setzen ist und davon kann man nicht genug bekommen.ja,man leidet sogar, wenn man für kurze Zeit vom Brunnen der Liebe entfernt wird, weil man sich an ihm nicht laben kann udn man sogar körperlich am Entzug leidet.

    Hat der Mensch den Brunnen der Liebe den ganzen Tag vor der Nase, dann ist er eines Tages nichts mehr besonderes mehr und auch die Rauschwirkung lässt nacht. Bei den einen früher bei dem anderen später. Die Ernüchterung ist ein ganz normaler Prozeß, der dann einsetzt.

    Irgend jemand in einem Gespräch das ich aufschnappte,sagte, dass man den Wert der Liebe erst wieder ganz deutlich spürt, wenn sie in die Brüche geht, d.h.wenn einer der Partner sich trennt. Dann erst wird einem noch einmal klar, wie selbstverständlich man die Liebe nahm und welchen Schmerz sie auslöst, wenn sie einem genommen wird.

    Was die Liebe betrifft, bekommt der Mensch in seinem Leben viele Chancen, aber nicht unendlich viele. Wenn ich heute zurück sehe, denke ich manchmal daran, wieviel Chancen ich hatte, sie jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen nicht nutzen konnte oder wollte.
    Darüber vergeht die Zeit, die nicht mehr zurück kehrt.

    Das klingt jetzt vielleich etwas wehmütig, ist es aber nicht, sondern war nur eine persönliche nüchterne Feststellung, dich ich vor kurzer Zeit hatte, ausgelöst durch einen heute Bekannten, mit dem ich was hatte, wie man so schön sagt. Er schwelgte noch in der Zeit von damals. währemd ich dachte: „Wir hatten unsere Chance, aber nichts daraus gemacht“ Sein Schwelgen tauchte mich für kurze Zeit in einen Nebel der Erinnnerung, vorzog sich aber wieder schnell. Nichts geht mehr.. C’est la vie 😉

    LG La We

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  2. Dass die Heftigkeit der Liebe durch Gewöhnung (etwas) nachlässt, ist hinlänglich bekannt. Ich meine aber eigentlich was anderes – nämlich dass die Liebe an sich je nach Mensch nur bedingt strapazierbar ist. Die Gewöhnung macht eher einiges aushaltbarer, finde ich. Alles bewegt sich im Fluss, der mit der Zeit breiter wird, und der darum mehr mitführen kann – vorausgesetzt er behält eine gewisse Tiefe und trocknet nicht aus.

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  3. solche „volksfeste“ oder „wie-auch-immer-märkte“ mag ich nicht besonders. alleine würde ich wahrscheinlich gar nicht hingehen (oder nur kurz verweilen), aber z.b. zu zweit kann man sich schon mal ins getümmel begeben… na ja. ist wurscht. oder: bier ist bier.

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  4. ich finde ehrlich gesagt nicht, dass die liebe durch gewöhnung nachlässt. sie entfaltet sich, denn man lernt den anderen immer besser kennen (im normalfall natürlich). das kennen – lernen ist generell ein ausgesprochen schwieriger prozess, insbesondere auf einen menschen bezogen, den man liebt. daher versteht es sich von selbst, dass es nie reibungslos funktioniert. und gewisse zweifel gehören auch dazu. sie sollten bloß nicht zu weit getrieben werden.. wenn man sich wirklich liebt selbstverständlich.

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  5. … und „ernüchterung“ ist eher ein begriff der alkoholtherapie und kommt mir in sachen liebe absolut unpassend vor. genauso wie „rausch“.
    so ein schwachsinn. liebe ist leben und kein rauschzustand mit der anschließenden ernüchterung.

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  6. außerdem halte ich es nicht ganz für gerecht – du hast mich ja bei weitem nicht ständig vor der nase, es handelt sich doch nur um zwei wochen, bin ansonsten arbeiten.. ha ha ha

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  7. begriffe wie rausch und ernüchterung werden im sprachgebrauch oft mit der liebe in zusammenhang gebracht. ich würde die verwendung dieser begrifflichkeiten nicht als schwachsinn deklarieren – kommt auf den zusammenhang an.

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  8. das läßt sich besser mündlich zwischen uns erörtern.

    allgemein gesagt läßt sich über die liebe wunderbar streiten, weil jeder etwas andere vorstellungen mit der liebe verbindet und andere prioritäten für sich hervorstreift; sowieso macht jeder mensch im verlaufe seines lebens unterschiedliche erfahrungen in sachen liebe.
    die problematik liegt darin, trotz der unterschiede bzw. diskurse eine atmosphäre des wohlgefühls aufrecht zu erhalten. ebenso ist wie in allen menschlichen beziehungen gegenseitiger respekt wichtig – schnell fallen z.b. verletzende worte, die nicht einfach mit einer entschuldigung wieder wegzuwischen sind.

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  9. eine blume entfaltet sich, bzw. blüht… aber nur eine zeit lang. eine mittel- langffristige liebe zwischen zwei menschen hat, glaube ich, auch solche perioden. wichtig ist halt, dass die blume an sich nicht eingeht. sie kann nicht ständig blühen.
    die liebe ist etwas, was keinem alleine gehört. bei einem liebespaar müssen sich zwei menschen um sie kümmern. nicht immer harmoniert die vorgehensweise…

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  10. Zusammengehörigkeitsgefühl Hallo Bo., Hallo O.,
    ihr habt euch ja schon kräftig weiter über das Thema ausgetauscht. 😉

    Mein Wissen, was ich im Kommentar darlegte, war nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich habe es aus einer Dokumentation, die erklärt, warum der Mensch anfangs ein starkes Hochgefühl erlebt und diese Intensität später nachlässt.
    In der Zeit des Hochgefühls entscheidet jeder für sich unbewusst, ob es für beide eine gemeinsame Zukunft gibt oder nicht.

    Später wird das Hochgefühl durch eine anderes ersetzt.. ich nenne es hier mal Zusammengehörigkeitsgefühl..in Richtung, gemeinsame Zukunft planen.

    Ich blicke jetzt wieder in meinem Leben etwas zurück und kann rückwirkend sagen, dass ich das Gefühl der Zusammengehörigkeit nur einmal erlebte.

    LG La We

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  11. hi lawe wenn eine liebe spannend und lebendig bleibt, verliert sich das hochgefühl nicht. natürlich ist die erste phase der verliebtheit was ganz besonderes.
    ein zusammengehörigkeitsgefühl ergibt sich ganz automatisch, wenn man viel zusammen erlebt…, wenn man am leben des anderen teilnimmt und intensive und intime momente miteinander hat.

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