Scheiß Tag

Es gibt Tage, an denen ich mich ungeheuer schlapp fühle. Nicht nur körperlich. Es kommt alles zusammen. Als würde ich unter der Last meines Lebens zusammenbrechen. Und die Hoffnungen verstecken sich hinter einer dicken grauen Wolkendecke. Bezeichnenderweise ist heute wirklich ein Regentag. Der grüne Urwald um mich herum trieft vor Nässe. Durch das offene Fenster höre ich die Autos über die nasse Fahrbahn rauschen. Es ermüdet mich. Alles ermüdet mich. Ein Tag, an dem man am Besten nicht aufsteht. (Die Träume sind zwar irre aber noch besser als die Wirklichkeit. Manchmal sind sie so irre, dass ich im Schlaf schmunzele.)
Vielleicht sollte ich mich morgen krank melden. Ich habe keine Lust mehr auf das Altenheim. Wie mich das Altenheim ankotzt – das kann sich niemand vorstellen … Meine Kollegen, die Alten, die Gerüche, das Rufen, die Windelwechselei … immer dasselbe, dieselben Ängste, dieselben scheiß Probleme, derselbe Personalmangel, derselbe Frust seit Jahren, dieselbe Ohnmacht, dasselbe Durchhaltevermögen … Ich bin müde. Nicht das erste Mal.
Man langweilt mit seinem Trübsinn nur seine Mitmenschen. Keiner will so einen depressiven Scheiß hören. Und die Menschen, die einem nahestehen, nervt man oder verunsichert sie. Ich hätte heute nicht aufstehen sollen. Nur um so einen Mist abzusondern. Fuck!
Tschuldigung. Ich will niemandem die Laune verderben. Das Leben ist, wie es ist. Die Psychiater werden bestimmt nicht arbeitslos.
Die Einsamkeit ist ein gutes Refugium, in welchem man wenigstens niemandem mit seinen Müll-Gedanken auf den Wecker geht. Als es noch kein Internet gab, schrieb ich so`nen Mist in Notizhefte. Heute ins Netz. Okay, liest eh kein Schwein. Hier können meine Worte eine Ewigkeit lange vor sich hin stinken. Wie ein Schiss ins Gebüsch.
Aber ich drifte ab. Ich wollte eigentlich gar nichts schreiben.
Als Mensch hat man, glaube ich, einfach ein ungeheures Mitteilungsbedürfnis. Selbst wenn da niemand ist, der einem zuhört – dann führt man halt Selbstgespräche im Netz. Oder man vertraut seine Sorgen dem Kühlschrank zuhause an.
Solange Bier im Kühlschrank ist …
Danke fürs Zuhören. Morgen bin ich bestimmt besser drauf.

10 Gedanken zu “Scheiß Tag

  1. doch ich glaube hier lesen einige mit, ob Schweine dabei sind kann ich nicht beurteilen – können Schweine überhaupt lesen? Naja egal, ich lese gerne von dir, höre dir gerne zu, auch wenn du schlecht drauf bist. Laß es raus den ganzen Sch***
    Viele Grüße
    Camina

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  2. danke erstmal, unbekannte camina.
    klar, es stolpern ab und zu ein paar internetuser oder blogger über meine texte und gedichte. auch blieben zwischenzeitlich welche hängen und lesen öfter bei mir. ein kommen und gehen ist das … lach!
    ich würde mir manchmal mehr resonanz in worten wünschen – wie von dir camina. ich kenne dich nicht. antwortest du das erste mal zu einem meiner beiträge? oder schon öfter aber eben unter anderem nick?
    man tut eben das, woran das herz hängt. und bei mir ist es das schreiben. zu einem guten teil jedenfalls.
    ich komme mir oft blind vor. wie ein maulwurf, der mit seinen worten buddelt …
    (und heute ist wie gesagt nicht mein tag.)

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  3. es ist mein erstes mal hier bei dir, lese aber schon lange mit. Ich hätte oft viel zu sagen aber mir fehlen die Worte…
    ich fühle oft ähnlich bzw. verstehe dich so sehr aber wie gesagt ich kann da nichts zu Papier bringen, klingt dann bei mir so blöd.
    Sei froh, dass du die Gabe zum schreiben hast – und die hast du, ich bin da jetzt nicht am herumschleimen, sich Dinge vom herzen zu schreiben hilft dir sicher manches ertragen zu können.
    Ich bleibe dran und werde versuchen ab und zu Worte zu suchen und auch zu finden.
    Viele Grüße aus Wien
    Camina

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  4. worte herauszubringen, kostet etwas überwindung. das ist ähnlich wie farbe aufs papier bringen. es muss doch nicht perfekt sein. und es muss auch nicht perfekt werden.
    ich schreibe hier nicht mit dem anspruch, ein (großer) künstler zu sein. aber natürlich kokettiere ich manchmal mit dem künstler- oder dichterstatus.
    wenn man anfängt, sich mit anderen zu vergleichen, hat man schon verloren.
    trotzdem vergleichen wir uns ständig mit anderen. so verrückt und unverbesserlich sind wir menschen.

    mir fehlen auch oft die richtigen worte.

    viele grüße nach wien!

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